Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.05.2013

17:24 Uhr

Wahlkampf

AfD-Chef will NPD-Wähler gewinnen

ExklusivDie „Alternative für Deutschland“ hofft auf den Einzug in den Bundestag. Parteichef Bernd Lucke kündigt im Interview mit dem Handelsblatt an, auch auf Stimmen vom rechten Rand zu setzen. FDP und Linke reagierten empört.

AfD-Chef Bernd Lucke. AFP

AfD-Chef Bernd Lucke.

BerlinDie „Alternative für Deutschland“ hofft auf den Einzug in den Bundestag und verschärft den Ton gegenüber der Union und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zugleich kündigte AfD-Chef Bernd Lucke im Interview mit dem Handelsblatt (Donnerstagsausgabe) an, auch auf Stimmen vom rechten Rand zu setzen. „Grundsätzlich ist es gut, wenn jemand uns wählt und nicht die NPD“, sagte Lucke, der der „Sprecher“ der Partei ist. Lucke sieht im Einbinden rechter Protestwähler eine Funktion der AfD, denn diese seien nicht von vornherein extremistisch. „Ohne uns“, so der AfD-Chef, „gäbe es die Gefahr, dass enttäuschte Wähler, die eigentlich gar nicht rechts sind, aus Protest extremistische Parteien wählen“.

Allerdings setzte sich Lucke von extremistischen Partei-Mitgliedern ab: „Ehemalige Mitglieder von NPD oder DVU lehnen wir generell als Mitglieder ab.“ Bei Ex-Republikanern würde jeder „Einzelfall“ in einem „persönlichen Gespräch“ geprüft. Er stellte klar, dass seine Partei für das Existenzrecht Israels eintrete.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“

Parteigründer

Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

Nein zum Euro

Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

Bundestagswahl

Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Scharfe Kritik an Luckes Wähler-Strategie äußerten FDP-Generalsekretär Patrick Döring und der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger. Döring sagte in Berlin, die AfD zeige mit solchen Äußerungen ihr wahres Gesicht. „Nazis und Verfassungsfeinde sind Freunde der AfD.“ Lucke schrecke nicht davor zurück, um nationalistische Kräfte zu werben. Die von der AfD verfolgte Isolation Deutschlands wäre „politisch das Ende Europas in Frieden und Freiheit“, meinte Döring.

„Die AfD ist derzeit die gefährlichste Partei am rechten Rand“, sagte Riexinger Handelsblatt Online. „Die mobilisieren mit der nationalen Frage gegen die soziale Frage.“ Das sei ein Spiel mit dem Feuer. „Aber jeder Rentner, der die AfD wählen will, muss wissen, dass er gar nicht mehr wählen dürfte, wenn die AfD etwas zu sagen hätte, betonte Riexinger.

Lucke verschärfte zugleich den Ton gegenüber der CDU/CSU und Bundeskanzlerin Merkel sowie Finanzminister Wolfgang Schäuble. Wenn die Euro-Rettungspolitik jetzt nicht geändert werde und „keine Umkehr stattfindet“, kämen auf Deutschland „noch viel schrecklichere Lasten zu“. Merkel betreibe eine „Enteignung der Bürger auf Raten“. Vor allem die Mittelschicht und die untere Mittelschicht, die „die mühsam erarbeiteten Euro“ ansparen und auch Lebensversicherungen zur Absicherung im Alter abgeschlossen hätten, „werden schon bald die Wohlstands-Zerstörung dieser Regierung spüren“.

Der Ökonom zweifelt an der ökonomischen Kompetenz Merkels und Schäubles. „Frau Merkels Sinn für ökonomische Zusammenhänge ist äußerst begrenzt“, sagte er. Die wirtschaftlichen Fähigkeiten von Finanzminister Wolfgang Schäuble bewertete Lucke auf einer Skala von null bis zehn mit zwei. „Schäuble habe "die ganze Krise vollkommen falsch eingeschätzt“

Lucke fordert eine Wende in der Euro-Politik. „Die Schulden dürfen nicht immer weiter vergemeinschaftet werden“, sagte er. Die südeuropäischen Länder sollten die Euro-Zone verlassen, zugleich müssten sie entschuldet werden. Deutschland müsste dann seine Hilfen und Bürgschaften für Griechenland und Portugal weitgehend abschreiben. der AfD-Chef benannte die konkreten finanziellen Folgen seiner politischen Forderungen nach einer Insolvenz: „Ich schätze rund 25 bis 30 Milliarden Euro in Griechenland und deutlich weniger in Portugal. Wie viel genau, das hängt von der genauen Ausgestaltung des Schuldenschnitts ab“, sagte Lucke.

Das Interview lesen Sie morgen im Handelsblatt und schon jetzt bei Handelsblatt live.

Kommentare (343)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

kuac

15.05.2013, 13:48 Uhr

Na geht doch. Endlich hat der Lucke kapiert, dass er ohne die NPD die Wahl nicht gewinnen kann. Welcome on board.

Account gelöscht!

15.05.2013, 13:56 Uhr

Gaaanz schlecht, Herr Lucke!
Man sollte als Parteiführer das Wort "NPD" am besten gar nicht in den Mund nehmen. Egal was man sagt, man landet sehr schnell in der rechten Ecke - und dahin möchten die Etablierten die AfD auch am liebsten stellen.

Numismatiker

15.05.2013, 13:56 Uhr

@HB-Redaktion:

"AfD-Chef will NPD-Wähler gewinnen"

Die Überschrift hat rein garnichts mit dem zu tun, was Herr Lucke beabsichtigt. Aber die AfD in die rechte Schmuddelecke zu stellen, scheint in Mainstream-Medien (zu denen das HB immer mehr gehört) en vogue zu sein.

@ karstenberwanger

Nazis und andere Rechtsextreme sind auch ohne Gewalt, etc. ein absolutes No-Go.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×