Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.09.2011

10:02 Uhr

Wahlkampf-Endspurt

Piraten drängen FDP von Berlins Straßen - und aus dem Parlament

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Piratenpartei hat im Gegensatz zur FDP in Berlin beste Aussichten am Sonntag ins Landesparlament einzuziehen. Wie es dazu kommen konnte, erklärt Spitzenkandidat Martin Delius im Interview mit Handelsblatt Online.

Wahlplakat der Piratenpartei. dpa

Wahlplakat der Piratenpartei.

Handelsblatt Online: Herr Delius, wie erklären Sie sich den großen Zulauf für die Piraten?

Martin Delius: Unser Timing ist gut. Wir haben viel Zulauf, seit die Plakatkampagne läuft und wir haben offensichtlich mit unseren Sprüchen und Fragen, die wir aufgeworfen haben, den Nerv getroffen. Das hat die Menschen neugierig gemacht. Sie haben angefangen unser Wahlprogramm zu lesen und sich damit auseinanderzusetzen. Unser größtes Wählerpotenzial liegt bei denen, die uns noch nicht kennen.

Wie ist das Feedback an den Wahlständen?

Wir erleben da auch ganz skurrile Situationen. Menschen, die über Twitter mitbekommen, wo wir grade eine Wahl-Aktion machen, besuchen uns. Dann greifen sie sich einen Flyer mit unserem Programm ab, verschwinden wieder, kommen nach einer halben Stunde zurück und haben dann ganz konkrete Fragen zu dem, was wir machen und vorhaben. Es sind sehr aktive Bürger, die sich für die Piraten interessieren.

Profitiert die Partei denn auch in Form von Beitritten?

Wir haben in Berlin zunächst eine relative gleichbleibende Mitgliederzahl von etwa 900 gehabt, jetzt sind wir deutlich über 1000. Fast wöchentlich treten bei uns neue Mitglieder ein. Wir stehen vor einem exponentiellen Wachstum.

Sie sehen sich als Bürgerrechtspartei, die FDP tut das, nur nicht so erfolgreich - warum?

Die FDP hat ihre Glaubwürdigkeit verloren, grade im Hinblick Vorratsdatenspeicherung, Arbeitnehmerschutz beim Anlegen von Datenbanken. Und auch der Einsatz für Bürgerrechte ist bei den Liberalen in den Hintergrund getreten zu Gunsten einer neoliberalen Politik. Wir sind die Partei, die wegen dieser Themen, mit der man immer die FDP identifiziert hat, entstanden ist. Wir tun auch aktiv etwas dagegen - und das ist offensichtlich glaubwürdiger.

Kommentare (30)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ameise

15.09.2011, 10:30 Uhr

Besser "die Freiheit" wählen. Das politische Konzept ist breiter aufgestellt.

cosmoB

15.09.2011, 10:42 Uhr

Klar, "die Freiheit" steht für Xenophobie, Intoleranz, Spiessbürgertum und Polizeistaat. Klingt alles sehr verlockend und wird wohl deshalb nicht einmal von 0,5 % der Berliner gewählt werden.
Guerilla Marketing sieht anders aus, als bei diversen Foren immer wieder den Parteinamen ins Spiel zu bringen. Aber wo kein Hirn ist, kann man nichts anderes erwarten.

atinak

15.09.2011, 11:01 Uhr

@cosmoB: Diese primitive Art, sich mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen, ist es gerade, die mich vor solchen Chaotenparteien abschreckt. Dann schon lieber distinguiertes "Spießbürgertum", da weiß ich wenigstens, dass mir nicht im nächsten Moment einer eins über die Rübe haut - schön kreativ, versteht sich. Sicher, die etablierten Parteien haben abgewirtschaftet, aber dank des Aufwachens der Bevölkerung durch die Transferunion kommt auch da einiges Spannende in Bewegung, so dass man die dortigen Entwicklungen, vor allem bei der FDP, im Auge behalten sollte.
Zur Piratenpartei: Entstanden ist sie, weil im Web Kinderschändern durch Abschalt- und Identifikationsmaßnahmen das Handwerk gelegt werden soll. Sie ist also damit schon in ihren Ursprüngen mehr als Fragwürdig, weil grenzenlose Freiheit auch die grenzenlose Freiheit von grausamsten Verbrechern bedeutet. Ich war einige Zeit an dem Thema dran, und die sexuellen Folterszenen selbst mit Babys sind derart grauenerregend, dass mir selbst jetzt beim Schreiben noch die Finger stocken. Wer solche Gestalten um einer diffusen "Freiheit" schützen will, hat eine Grundvoraussetzung eines Rechtsstaats nicht kapiert: Dass die Freiheit jedes Einzelnen dort aufhören muss, wo sie die Grundrechte anderer auf Unversehrtheit gefährdet oder gar massiv verletzt. Hinzu kommen die Themen Aufrufe zu Terrorakten etc. Auch hier ist es verantwortungslos und dumm, die grenzenlose Freiheit zu fordern. Und dann das Programm: Wirtschaft kommt nur als Kreativwirtschaft vor. Na klasse. Und wer soll das finanzieren? Ist schnuppe, das interessiert weiter nicht. Schulden? Papperlapapp. Steuerpolitik? Auch egal, da die Wähler der Piraten eh keine Steuern zahlen. Das einzig Sinnvolle ist die Forderung nach mehr Transparenz. Aber die stellen andere Protestparteien mit solideren Programmen auch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×