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22.04.2013

18:31 Uhr

Wahlkampf im Netz

Wer mag mich?

VonJacqueline Goebel

Facebook, Twitter, Google Hangout: Die Kanzlerin und ihr Herausforderer kämpfen im Netz um jeden Fan und Follower. Zwar ist auch Merkel kein Ureinwohner des Netzes, aber Steinbrück ist sie technisch meilenweit voraus.

Der Auftritt der Kanzlerin bei Facebook.

Der Auftritt der Kanzlerin bei Facebook.

Angela Merkel posiert mit Sheryl Sandberg. Zwei der wichtigsten Frauen der Welt stehen Seite an Seite. Die Bundeskanzlerin, laut Forbes die unumstrittene Nummer Eins der mächtigsten Frauen, trägt einen weinroten Blazer. Sheryl Sandberg, als Facebook-Vizepräsidentin immerhin die Nummer 10 auf der Forbes-Rangliste, ist noch ein wenig farbenfroher gekleidet, knallrot ist ihr Kleid.

Das Bild ist auf der Merkels Facebook-Seite zu sehen, zwischen Fotos von Wahlkampfauftritten, Beileidsbekundungen an die Angehörigen der Opfer der Anschläge in Boston und Links zu Interviews der Kanzlerin. Modern, machtbewusst, aufgeschlossen: So zeigt sich die Kanzlerin gerne. Jeder einzelne Eintrag auf ihrer Facebook-Seite unterstreicht diese Attribute.

Ihr Konkurrent Peer Steinbrück hingegen gibt sich lieber bürgernah. Über Twitter verbreitet er am Wochenende ein Bild, das ihn in einem Meer von Wahlkampfhelfern zeigt. Steinbrücks Unterstützer sind im Willy-Brandt-Haus zusammen gekommen, um den Straßenwahlkampf einzuleiten. Und jeder, der Steinbrück oder der SPD bei Twitter und Facebook folgt, soll an dieser Aufbruchsstimmung teilhaben.

Der große Wettkampf um die Aufmerksamkeit des Internets, er ist eröffnet. Wenige Monate vor der Bundestagswahl übertrumpfen sich die Spitzenkandidaten mit ihren Online-Offensiven. Erst am Freitag wagte Angela Merkel wieder einen Vorstoß. Als erste Politikerin in Deutschland wagte sie sich an ein „Google Hangout“ heran.

Mit sechs Bürgern diskutierte sie über den Videochat-Dienst des Netzwerks Google+ über das Thema Integration. Problemlos lief das nicht ab: Technische Probleme schnitten einem Teilnehmer fast 50 Minuten das Wort ab, auch die Seite der Bundesregierung war zwischenzeitlich nicht mehr zu erreichen. Trotzdem sahen sich über 90.000 Menschen die Debatte live an.

Diese Politiker haben die meisten Follower

Daten

Der Analyse-Dienst Pluragraph.de sammelt Daten zu den Auftritten von Personen und nicht-kommerziellen Organisationen in sozialen Netzwerken. In das Ranking fließen die Followerzahlen bei Facebook, Twitter, Google+ und in den VZ-Netzwerken ein. Stand: 22. April 2013.

Platz 10

Der Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat der Grünen, schafft es auf Rang 10 der beliebtesten Politiker in den sozialen Netzwerken. Bei Twitter folgen seinem Account @JTrittin über 21.800 Menschen, bei Facebook hat Trittin rund 10.500 Fans. Erst in der vergangenen Woche hat Trittin über 2000 Facebook-Fans hinzugewonnen. Nach Auskunft von Trittins Büro kommt das daher, dass das private Facebook-Profil und das öffentliche Profil von Trittin zusammengelegt worden sind.

Platz 9

Ob Satiriker Martin Sonneborn, Chef der Partei „die Partei" wirklich als Politiker gelten kann, ist umstritten. Fast ist: Er hat Erfolg. Sonneborn hat 29.000 Freunde bei Facebook und über 4.000 Follower bei Twitter.

Platz 8

Mit rund 35.000 Followern ist Volker Beck der erfolgreichste Politiker der Grünen in den sozialen Netzwerken. Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag hat 31.000 Follower bei Twitter, bei Facebook sind es etwas über 4.000. Außerdem betreibt Beck auch einen Youtube-Kanal.

Platz 7

Umweltminister Peter Altmaier gilt als Twitter-Profi. 38.000 Follower hat der CDU-Politiker dort. Dafür schwächelt er bei Facebook: Gerade mal 2.400 Menschen verfolgen seine Facebook-Einträge.

Platz 6

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück schafft mit fast 42.000 Followern nur auf Platz 6 der beliebtesten Politiker in den sozialen Netzwerken. Doch die Fangemeinde des SPD-Spitzenkandidaten ist in den vergangenen Wochen rasant gewachsen - alleine in der vergangenen Woche um rund vier Prozent. Über 21.800 Fans hat Steinbrück auf Facebook. Bei Twitter ist der Kanzlerkandidat erst seit Dezember aktiv, trotzdem hat er auch dort schon über 20.000 Follower.

Platz 5

Noch hat Sigmar Gabriel einen kleinen Vorsprung auf den SPD-Spitzenkandaten Peer Steinbrück. Er hat 24.700 Follower bei Twitter und fast 16.000 bei Facebook. Auch bei den mittlerweile unpopulären VZ-Netzwerken ist Gabriel noch vertreten - dort hat er allerdings nur 1.500 Fans.

Platz 4

Sie ist die erfolgreichste Landespolitikerin und nimmt unter den SPD-Politikern Rang zwei ein: Hannelore Kraft. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin hat 23.000 Fans bei Facebook und 19.000 Follower bei Twitter, wo sie seit dem Wahlkampf unterwegs ist. Mit über 42.00 Followern ist Kraft damit die viert erfolgreichste deutsche Politikerin in den sozialen Netzwerken. Doch ihre Parteichef Sigmar Gabriel und auch der Spitzenkandidat Peer Steinbrück sind ihr dicht auf den Fersen.

Platz 3

Familienministerin Kristina Schröder musste in den vergangenen Monaten mit vielen Kritikern kämpfen. Trotzdem hat die junge Ministerin über 43.000 Follower. Schröder ist vor allem bei Twitter erfolgreich: Über 36.000 Menschen können ihre Tweets dort lesen, bei Facebook hat sie rund 7.000 Fans.

Platz 2

Obwohl Martin Schulz als Präsident des europäischen Parlamentes im politischen Tagesgeschehen in Deutschland eher selten mitmischt, zählt auch er in den sozialen Netzwerken zu den beliebtesten Politikern. Über 59.000 Follower hat der SPD-Politiker, 22.000 davon bei Facebook, fast 37.000 Menschen folgen Martin Schulz bei Twitter.

Platz 1

Obwohl sie nur in einem einzigen Netzwerk vertreten ist, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Abstand die größte Gefolgschaft in den sozialen Netzwerken. Über 241.000 Fans hat die Kanzlerin auf Facebook.

Die Internet-Experimente der Kanzlerin, sie haben einen Grund: Über zwölf Millionen Deutsche, also 15 Prozent der Bevölkerung, sind sogenannte „Digital Citizen“, sagt Gerhard Vowe, Professor für politische Kommunikation an der Universität Düsseldorf. So bezeichnet die Wissenschaft Menschen, für die Politik fast ausschließlich im Internet stattfindet. Wer diese Menschen nicht im Netz erreicht, erreicht sie gar nicht, sagt Vowe.

Die Politiker haben das langsam erkannt. Laut Angaben des Analyse-Dienstet pluragraph.de waren im Januar 76 Prozent aller Bundestagsabgeordneten auf Facebook vertreten, rund 50 Prozent sind bei Twitter unterwegs.

Selbst der bekannte Internet-Muffel Peer Steinbrück ist mittlerweile auf Twitter aktiv. Lange Zeit hatte sich der SPD-Kanzlerkandidat dagegen gewehrt. „Ich twittere nicht", sagte Steinbrück noch im September. Doch ein Kanzlerkandidat, der sich vor dem Internet scheut, das passte nicht so ganz zur SPD-Wahlkampfstrategie. Steinbrück revidierte seine Aussage und ist seit Dezember bei Twitter vertreten - auch wenn er immer noch lieber andere für sich twittern lässt.

Kommentare (20)

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btw

22.04.2013, 19:32 Uhr

ironie on

Italofeudalismo vs Teutonen untertänigster Gehorsam?
Mit Grillo und der AfD ganz an der vordersten Front der Domokratiebewüßtchenseine...

ironie off

Hartmut

22.04.2013, 19:38 Uhr

Ich mag keine korrupten und verlogenen Politiker....
Mögen die Schafe diesen online Schwachsinn mitmachen....
Traue keiner Statistik die du nicht selber manipuliert hast....

Republikaner

22.04.2013, 19:43 Uhr

wenn Clans à la Bushido langsam die Republik übernehmen weiß jeder woran er ist und was er zu wählen hat. Die Blockparteien haben versagt in einem unglaublichen Ausmaß.

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