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12.08.2013

14:20 Uhr

Wahlkampf transparent

„Chefs verdienen das 300-fache des Durchschnitts“

VonJan Mallien

„ Früher hat ein Vorstandschef das Dreißigfache der Durchschnittseinkommen verdient, heute bekommt er das Dreihundertfache“ , sagt Peer Steinbrück. Hat er Recht? Handelsblatt Online macht den Lügendetektor-Test.  

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück provoziert mit seinen Aussagen einen neuen Test.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück provoziert mit seinen Aussagen einen neuen Test.

Aussage: Früher hat ein Vorstandsvorsitzender das Zwanzig- oder Dreißigfache der Durchschnittseinkommen in einem Unternehmen verdient, heute verdient er das Zweihundert- oder Dreihundertfache. Das hat mit Leistung nichts mehr zu tun. Wirtschaftliche Eliten haben eine Vorbildfunktion - und darüber sollten wir reden.

Das sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Interview mit dem Magazin Focus. Hat er damit wirklich recht? Handelsblatt Online prüft nach.

Faktenlage:

Tatsächlich sind die Vorstandsgehälter in den vergangenen 25 Jahren überproportional stark gestiegen. Eine Auswertung des Berliner Wirtschaftsprofessors Joachim Schwalbach für die 30 Dax-Konzerne zeigt: Zwischen 1987 und 2010 stieg das Verhältnis der Pro-Kopf-Gehälter zwischen Vorstand und Mitarbeitern im Schnitt vom 14- auf das 49-fache. Der bisherige Höchststand wurde 2007 erreicht. Im Jahr vor der Finanzkrise lag das Verhältnis beim 54-fachen.

Die Spanne bei den einzelnen Unternehmen ist breit. Besonders drastisch war das Missverhältnis beim Autobauer Volkswagen und beim Einzelhandelskonzern Metro. Bei VW lagen die durchschnittlichen Vorstandsgehälter im Jahr 2010 beim 103-fachen der durchschnittlichen Pro-Kopf-Gehälter – bei Metro lagen sie sogar beim 132-fachen.

Steinbrücks Aussage bezieht sich auf die Gehälter der Vorstandschefs. Lange Zeit mussten die Unternehmen diese nicht einzeln ausweisen, sondern nur einen Posten für die Vorstandsgehälter insgesamt. Wie viel jedes einzelne Mitglied des Vorstands verdiente, war daraus nicht ersichtlich. Deshalb lassen sich für früher nur die durchschnittlichen Gehälter des Gesamtvorstands vergleichen. Inzwischen weisen die Dax-Konzerne jedoch auch die Gehälter der Vorstandschefs einzeln aus.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn verdiente 2010 das 191-fache des durchschnittlichen Pro-Kopf-Gehalts bei Volkswagen, damit war er Spitzenreiter. Bei dem Vergleich gilt es zu bedenken, dass der Durchschnitt innerhalb des Unternehmens zählt. Bei der Deutschen Bank verdiente Josef Ackermann 2010 zum Beispiel rund neun Millionen Euro. Das war das 52-fache des durchschnittlichen Pro-Kopf Gehalts bei der Bank. Der Gehaltsschnitt bei der Deutschen Bank war einfach so hoch, dass Ackermanns neun Millionen Verdienst nicht so stark herausragte.

Bewertung:

In der Tendenz hat Steinbrück Recht, allerdings übertreibt er bei den Zahlen.

Testergebnis:

Bestanden

Den Lügendetektor-Test führt Handelsblatt Online in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Research Institute unter Leitung von Professor Bert Rürup durch.

Kommentare (12)

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Joker1

12.08.2013, 14:37 Uhr

Meine Rede.
Seit der Euroumstellung zu 1:1.95583 haben sich gewisse
Kasten schamlos bereichert; in jeder Beziehung.
Der Euro ist der Anfang vom Ende der Freiheit und der EU,
wie sie vor 1998 war.
Dieser Betrug wird sich rächen, sehr schnell und nachhaltig. Die Politkaste, ihre Bimbesquellen und die
Bankster sollten sich schon mal warm anziehen.
Die Konsequenzen werden sich verheerend auf diese
"vernetzte Elite" auswirken.

inflexion

12.08.2013, 15:10 Uhr

Wieso werden "Chefs" mit Vorständen von börsennotierten Aktiengesellschaften gleichgesetzt? Die Mehrzahl der Chefs sind Geschäftsführer in mittelständischen GmbHs. Diese verdienen in der Regel ca. TEUR 200 pro Jahr, was etwa das 5 fache des Durchschnittseinkommens darstellt, nicht das 300fache wie im Artikel erzählt!

Account gelöscht!

12.08.2013, 15:36 Uhr

..................................
...WAHLKAMPFAUSSAGEN...
LÜGEN ODER ÜBERTREIBUNGEN..??
..................................
was ist sinn und zweck eines wahl-
kampfes..??
..
in erster linie die mobilisierung
von unpolitischen, unkundigen aber
wahlberechtigten bürgern..!!
..
ca. 70% der wahlberechtigten inter-
essieren sich weder für politik bzw.
wirken an ihr aktiv mit..
..
je bildungsferner, desto grösser der
anteil der destinformierten und inter-
essierten....aber auch nichtwähler..!!
..
trotzdem kann diese bevölkerungsschicht
über die zusammensetzung unserer parla-
mente entscheiden, da ihr anteil an der
gesamtbevölkerung immer grösser wird..
..
das beeinflusst natürlich auch die wer-
bung, die immer auf instinkte abzielt.
..
hier liegt auch eine gefahr der verfüh-
rung durch "stammtischparolen", die ex-
treme parteien hoffähig machen könnten.
..
fazit
..
der wähler will im wahlkampf nur positive
versprechen hören..!!
realpolitische aussagen werden abgestraft.
..
..

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