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23.05.2011

17:04 Uhr

Wahlschlappe

CDU ringt in Großstädten um Wähler

Egal ob Berlin, Bremen, Hannover oder München - in keiner dieser Großstädte kann die Union Wahlerfolge vorweisen. Kein Wunder, dass viele Unionisten nun Alarm schlagen.

„Die Union kann Großstadt“, sagt Angela Merkel. Dabei sind die Probleme nicht von der Hand zu weisen. Quelle: dpa

„Die Union kann Großstadt“, sagt Angela Merkel. Dabei sind die Probleme nicht von der Hand zu weisen.

Berlin Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen ist die CDU am Sonntag erstmals sogar auf den dritten Platz unter den Parteien abgerutscht. Und bei der Wahl in Berlin droht im Herbst die nächste Schlappe. 

Kein Wunder, dass viele Unionisten Alarm schlagen. Während sich die Union bisher in den Flächenländern immerhin noch deutlich über der 30-Prozent-Marke hält, ist ihre Schwäche in den Großstädten nicht nur chronisch, sondern alarmierend. Zwar wird im Konrad-Adenauer-Haus sofort auf die Stadt Frankfurt verwiesen, wo die CDU-Politikerin Petra Roth seit Jahren regiert. „Die Union kann Großstadt“, heißt es deshalb. „Aber der Umgang mit Großstadtgruppen wird eine Herausforderung für die CDU bleiben“, räumte Parteichefin Angela Merkel am Montag ein. 

Dabei hatte sich gerade die Kanzlerin bemüht, der Partei ein moderneres Profil zu geben. Mit Elterngeld und Bundeszuschüssen für den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen wollte Merkel bewusst Wählerinnen ansprechen. 

Doch jetzt kommt Merkel in ihrer Analyse der Großstadtwähler zu einem ähnlichen Schluss wie zuvor FDP-Chef Philipp Rösler für die Liberalen: Beide Parteien sind in Städten nicht mehr ausreichend präsent. Um den wachsenden Anteil der Migranten unter den städtischen Wählern haben sie sich nicht wirklich gekümmert. Und in gutbürgerlichen Stadteilen haben sich viele Wähler stärker den Grünen zugewandt, die oft jahrelanges lokales Engagement für Kinderläden, freie Schulwahl oder die Beschränkung des Verkehrs vorzuweisen haben und so das Lebensgefühl vieler Städter besser treffen.

Als Problem für die Union wird aber auch gesehen, dass die SPD in den Städten oft Bürgermeisterkandidaten aufstellt, die konsensfähig sind. Dazu gehört nicht nur Jens Böhrnsen in Bremen, sondern auch Olaf Scholz in Hamburg, Christian Ude in München oder Stephan Weil in Hannover. Allesamt repräsentieren den Typ des modernen, unideologischen „Kümmerers“, die auch für bürgerliche Wähler attraktiv sind. „Für die SPD zahlt sich insbesondere in den Großstädten ein pragmatischer und verlässlicher Kurs aus, der von pragmatischen und verlässlichen Bürgermeistern bestimmt wird“, meldete sich prompt Scholz schon Sonntagabend zu Wort - nicht ohne Hintergedanken, weil er auch die SPD auf einen „Mitte“-Kurs trimmen will. 

Das neue Zauberwort Merkels heißt deshalb seit Montag „mehr Präsenz im vorpolitischen Raum“. Denn im Grunde haben die beiden alten Volksparteien Union und die SPD dasselbe Problem: Die alten meinungsprägenden Organisationen, in denen Bürger auch in den Städten engagiert waren - seien es Kirchen oder Gewerkschaften -, verlieren an Bindekraft. Und in den neuen, informelleren Strukturen dominieren andere politische Kräfte, die von den Grünen bis zur Piratenpartei reichen. 

„Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir gerade in großen Städten stärker und attraktiver werden“, fordert der hessische Ministerpräsident und CDU-Parteivize Volker Bouffier deshalb. Doch was das genau heißt, ist nicht geklärt. Einige fordern einen harten Polizeikurs, um das Bedürfnis vieler Großstädter nach Sicherheit zu befriedigen; andere denken an die Eroberung der Hoheit über den Stammtischen von Kindergarten- und Kinderkrippen-Eltern. 

Wo genau Merkels „vorpolitischer Raum“ liegt, soll deshalb in den kommenden Monaten geklärt werden. Den Anfang machte ein Positionspapier „Politik für die Stadt der Zukunft“, das Generalsekretär Hermann Gröhe vor zwei Wochen vorlegte. Im Herbst soll ein bildungspolitischer Bundesparteitag den Spagat schaffen, sowohl die Wünsche städtischer Eltern als auch die der Wähler auf dem Land zu befriedigen - wahrscheinlich mit einer weiteren Abkehr vom klassischen dreigliedrigen Schulmodell und mehr Flexibilität für Gemeinden und Eltern, Kinder nach eigenen Wünschen zu „beschulen“. 

Ob der Imagewechsel klappt, ist aber nicht sicher. „Was man möglicherweise in den urbanisierten Regionen dazugewinnt, kann man bei den traditionelleren Wählern auf dem Land wieder verlieren“, warnte der Politikwissenschaftler Jürgen Falter. Und der Wahl in Berlin folgt dann im kommenden Jahr bereits die in Schleswig-Holstein.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Nachwuchs

23.05.2011, 18:45 Uhr

Die CDU muss Deutschland und Deutsche wieder achten und nicht verachten. Unter Merkel und Schäuble ist dies nicht möglich. Erst wenn diese Leute aus der CDU entfernt werden, kann es vielleicht aufwärts gehen. Das I = islamistisch muss wieder durch das C = christlich ersetzt werden.

Account gelöscht!

23.05.2011, 20:06 Uhr

Vollste Zustimmung.
Und eine Politik gegen die Bürger, wie Merkel das macht, geht schon mal gar nicht.
"vorpolitischer Raum" und "wir können Großstadt"
was meint sie denn damit wieder?
Die Frau plappert in den Raum und weiß doch selber nichts.
Und keineswegs punkten die Grünen, weil sie alles zur 30-Zone machen etc.
Und wenn ich mich hier bei uns so umsehe, dann sind die Grünen wirklich gegen alles.
Also was veranlßt denn die Leute Grün zu wählen? Die Grünen haben doch die Zustände mit zu verantworten, während sie in der Koaliton mit Schröder waren, haben sie doch ihre kapitalistische Fratze bestens gezeigt. Wer hat denn Hartz IV isntalliert, die Steurn gesenkt für Bestverdiener? Hinzu kommt, dass die Grünen die Zuwanderer über die Detuschen stellen.
Warum also greift man sie denn nicht genau da an?
Was also ist in Wirklichkeit los mit der CDU mit diesr Merkel?

juergenkalaehne

24.05.2011, 14:26 Uhr

Fehlendes Wählervertrauen für die CDU ...
.. ist nicht mit vermeintlich fehlender
Großstadtkompetenz zu erklären, wie es
Herr Kauder versucht. Eher geht wohl um
Kompetenz- und Glaubwürdigkeitsdefizite
der CDU .

Nicht nur aktuelle Energiefragen bewegen
und verunsichern Menschen in unserem Land.
Insbesondere viele jüngere Wählerinnen und
Wähler glauben nicht, daß die derzeitige
Bundeskanzlerin Merkel mit der " Rest-CDU "
bislang schlüssige Rezepte für die Zukunft
unseres Landes vorgelegt haben.

So wird verständlich, was uns aktuelle
Analysen, u. a. die des ARD - Fernsehens,
aufzeigen : Bei Wählerinnen und Wählern
mit einem Lebensalter von unter 55 Jahren
kann die CDU mit durchschnittlich 20 %
der Stimmen rechnen.

Darüber sollten Merkel, Kauder, Röttgen,
v.d. Leyen...ganz intensiv nachdenken,
denn diese jüngeren Menschen werden älter,
werden aber damit das Stammwählerpotential
der CDU vermutlich nicht größer werden lassen.
Jürgen Kalähne

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