Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.03.2014

13:27 Uhr

Wahlumfrage

Bundesregierung gewinnt in Krimkrise an Zustimmung

Sie telefoniert mit Putin und Obama: In der Krimkrise wird Kanzlerin Merkel wieder verstärkt als Krisenmanagerin wahrgenommen. Dadurch steigt die Koalition in der Gunst der Deutschen, sie kann drei Prozentpunkte zulegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) haben derzeit die höchsten Zustimmungswerte in der Bevölkerung. dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) haben derzeit die höchsten Zustimmungswerte in der Bevölkerung.

BerlinDie seit Wochen anhaltende Krise in der Ukraine und die diplomatischen Bemühungen der Bundesregierung lassen die schwarz-rote Regierungskoalition einer Umfrage zufolge wieder in der Wählergunst steigen. Die Union legte in der am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage für „Stern“ und RTL im Vergleich zur Vorwoche um zwei Punkte auf 42 Prozent zu. Der SPD würden 23 Prozent der Wähler ihre Stimme geben. Das ist ein Plus von einem Prozentpunkt.

Forsa-Chef Manfred Güllner sagte dem „Stern“, die Bürger verfolgten mit sehr großem Interesse und mit Sorge die Entwicklung auf der ukrainischen Halbinsel Krim. Viele hätten Angst, dass die geplanten EU-Sanktionen gegen Russland auch die deutsche Wirtschaft hart treffen und zu Engpässen bei der Energieversorgung führen könnten.

Dies führe dazu, dass sich die Wähler mehr der Regierung zuwendeten, sagte Güllner. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel stehe in engem Kontakt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und mit US-Präsident Barack Obama und werde daher wieder als Krisenmanagerin wahrgenommen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) werde ebenfalls geschätzt.

Folgen der Ukraine-Krise für die deutsche Wirtschaft

Wie wichtig ist Russland für die deutsche Wirtschaft?

6000 deutsche Unternehmen sind vor Ort tätig. Jahrelang war Russland der am schnellsten wachsende Markt für die hiesigen Exporteure. Damit war es aber schon vor dem Krim-Streit vorbei: Exporte und Importe zusammen brachen 2013 um gut fünf Prozent auf 76,5 Milliarden Euro ein. Damit verlor Russland seinen Status als wichtigster Handelspartner der deutschen Wirtschaft in Osteuropa an Polen. Der Handel mit dem Nachbarn zog um 4,3 Prozent auf 78 Milliarden Euro an. „Die realwirtschaftlichen Folgen für uns halten sich in Grenzen“, sagt deshalb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Für uns ist die Entwicklung in China ungleich wichtiger als das, was in Russland passiert.“ Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen liegt der Anteil der Exporte nach Russland am gesamten Ausfuhrvolumen bei 3,3 Prozent.

Allerdings: Deutschland bezieht knapp 40 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. Kommt es zu Lieferausfällen, bekommt dies die deutsche Wirtschaft zu spüren. Auch bei Ölimporten verlässt sich Deutschland zu mehr als einem Drittel auf Russland. Die Gasspeicher im Land seien gut gefüllt, versucht das Bundeswirtschaftsministerium zu beruhigen. Sie seien so groß wie nur in wenigen anderen Ländern. Es gebe zudem keine Anzeichen für irgendwelche Lieferbeschränkungen.

Bezogen auf einzelne Branchen spielt der russische Markt vor allem für den hiesigen Maschinen- und Anlagenbau eine wichtige Rolle. Auch deutsche Autos und Chemie-Produkte stehen bei russischen Kunden ganz oben auf der Hitliste. Rund 300.000 deutsche Arbeitsplätze sind vom Handel mit Russland abhängig, rechnet der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft vor. Russland wiederum exportiert nach Deutschland vor allem Rohstoffe und petrochemische Produkte.

Und für Europa?

Russland gehört zu den größten Erdgas- und Erdölproduzenten der Welt. „Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland träfen damit auch die EU sowie über höhere Energiepreise die gesamte Weltwirtschaft“, sagt Analyst Daniel Lenz von der DZ Bank. „Für die sich gerade erholende Weltwirtschaft und vor allem die EU-Wirtschaft wären steigende Energiepreise oder sogar eine Versorgungsknappheit ein Risikofaktor.“ Commerzbank-Chefökonom Krämer glaubt aber nicht, dass die Erholung in der Euro-Zone in Gefahr ist. „Da muss schon einiges passieren, um die doch recht robuste Erholung in der Euro-Zone ins Wanken zu bringen“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass der Konflikt in der Ukraine ausreicht. Hinzu kommt: Russland hat zwar schön häufiger das Völkerrecht gebrochen, hält sich aber an privatwirtschaftliche Verträge.“

Macht sich die deutsche Wirtschaft trotzdem Sorgen?

Ja. Allein in der Ukraine sind mehr als 2000 deutsche Unternehmen tätig. „Die deutsche Wirtschaft arbeitet bisher zwar ohne große Unterbrechungen, macht sich aber große Sorgen um die Stabilität des Landes“, sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier. Sollte sich die Lage indes zuspitzen, seien Produktionsausfälle unvermeidlich. „Ganze Wertschöpfungsketten wären betroffen, die Wirtschaften der Nachbarländer Polen, Ungarn und Rumänien würden es als erste spüren“, warnt Treier. Die Bundesregierung gibt sich dagegen noch relativ gelassen. „Es besteht kein Anlass zur Sorge“, sagt eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Kann sich die russische Wirtschaft einen Streit mit dem Westen wirtschaftlich leisten?

Nein, sagt der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft. „80 Prozent der russischen Exporte sind Rohstoff-basiert“, betont dessen Geschäftsführer Rainer Lindner. „Damit kann man noch keine moderne Gesellschaft entwickeln.“ Russland müsse seine Wirtschaft modernisieren, um weniger abhängig von Rohstoffen zu werden. „Ohne Technologiepartner wie Deutschland wird es dass nicht schaffen“, sagt Lindner. Und auch an der Energiefront bezweifeln viele Experten, dass es sich Russland leisten kann, den Gashahn zuzudrehen – zumal der Gaspreis an den Weltmärkten wegen Überangebots seit längerem sinkt.

Dagegen verlieren die Oppositionsparteien im Wahltrend. Die Linkspartei fällt um einen Punkt auf zehn Prozent. Die Grünen kommen auf neun Prozent (minus 1). Auf die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) entfallen laut Umfrage fünf Prozent (minus 1). Die FDP liegt mit unverändert vier Prozent weiter unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Meinungsforscher von Forsa befragten vom 3. bis 7. März 2503 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger.

Von

rtr

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.03.2014, 13:40 Uhr

Zitat : In der Krimkrise wird Kanzlerin Merkel wieder verstärkt als Krisenmanagerin wahrgenommen.

- da müssen wohl wieder auch die Hühner lachen !

In der Anstalt gestern hat man die 2 Krisenmanager "SEHR REALISTISCH" dargestellt !

Account gelöscht!

12.03.2014, 14:14 Uhr

Wär doch gelacht, wenn die Bundesregierung durch Umfragen nicht als arbeitend und erfolgreich dargestellt werden könnte.

Account gelöscht!

12.03.2014, 14:18 Uhr

In einer Schweizer Zeitung las ich heute eine Zuschrift zu einem Ukraine Artikel. Zitat : "Man ist versucht, die Deutsche Kanzlerin als "Hitlerine" zu bezeichnen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×