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05.09.2013

13:23 Uhr

Wahlumfrage

Merkel ist „zölibatär“, Steinbrück ein „Trampeltier“

VonRaphael Moritz

Bloß keine Veränderung: Die Deutschen wollen, dass alles gleich bleibt. Davon profitiert Kanzlerin Merkel – der „unberechenbare“ SPD-Herausforderer hat das Nachsehen. Doch die Umfrage offenbart noch andere Tendenzen.

Die Deutschen lieben ihre Kanzlerin Angela Merkel. SPD-Herausforderer Peer Steinbrück ist ihnen zu unberechenbar. AFP

Die Deutschen lieben ihre Kanzlerin Angela Merkel. SPD-Herausforderer Peer Steinbrück ist ihnen zu unberechenbar.

Köln/DüsseldorfDie Deutschen sind verliebt in die Gegenwart. Am Besten soll alles so bleiben wie es ist. Ohne weitere Zuwanderer, hektischen Aktivismus oder große Veränderungen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zur Stimmung im Land im Hinblick auf die Bundestagswahl. Das Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold hat mehr als 1000 Bundesbürger befragt. Zusätzlich wurden 52 Probanden einer tiefenpsychologischen Untersuchung unterzogen.

Vom Wunsch nach Stabilität profitiert Kanzlerin Angela Merkel. Sogar einige Sozialdemokraten setzen auf die Fortsetzung der Merkel-Ära. Immerhin 28 Prozent der SPD-Wähler und 29 Prozent der Grünen-Wähler verlassen sich auch künftig auf die Führung von Merkel durch die Krise. „Die Bevölkerung ist wie Frau Merkel, erst mal abwarten und aussitzen wie Kohl früher auch“, sagte ein Teilnehmer der Umfrage. Es plätschere alles so dahin, es sei nur wenig Bewegung im Lande, aber irgendwie werde es schon weiter gehen. Die meisten Wähler haben sogar das Gefühl, dass die Bundeskanzlerin ein „zölibatäres Leben“ führe, so die Studie. Demnach sei sie nur für die Bürger da und opfere sämtliche persönliche Leidenschaften und Interessen für das Gemeinwohl.

Während Merkel punktet, verliert Steinbrück. Die Befragten nennen ihn ein „Trampeltier im Porzellanladen“. Er sei unberechenbar. Beständigkeit wie bei Herausforderin Merkel? Fehlanzeige. Nur 66 Prozent der SPD-Wähler, also genau jene, die bei Peer Steinbrück ihr Kreuzchen machen werden, sagen, dass er Deutschland besser regieren könne als die Kanzlerin.

Auch nach dem TV-Duell am Sonntag hat sich daran nicht viel geändert: Die SPD hat in einer Wahlumfrage von Stern und RTL zwar ein Prozent zugelegt, dafür haben die Christdemokraten ein Prozent eingebüßt. Dennoch ist die CDU mit 40 Prozent nach wie vor und mit Abstand die stärkste Partei.

Dennoch bleibt Rot-Grün weiter hinter der schwarz-gelben Regierungskoalition zurück. Die Forschungsgruppe Wahlen gab am Donnerstag die neuesten Zahlen bekannt. Demnach käme Rot-Grün noch auf 36 Prozent. Union und FDP würden unverändert zusammen 47 Prozent erreichen.

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Im Großen und Ganzen sei die Stimmung im Land wie auf einer „Plätscher-Party“. Die Politik soll die Versorgung und die kleinen Freuden des Alltags gewährleisten. Der Alltag werde auf Autopilot geschaltet, so die Autoren.

Es gibt jedoch noch eine weitere Besonderheit: Einige Befragte würden deutlich aggressiver als in den Umfragen der letzten Jahrzehnte auf „Zuwanderer und soziale Randgruppen“ reagieren, so die Autoren der Studie. Diese würden den Deutschen das Geld aus der Tasche ziehen. Diese Aggressivität führe auch, so die Studie, zu einer Sehnsucht nach einer deutschen Partei wie der „Alternative für Deutschland“ (AfD), die nationale Interessen vertrete, ohne gleich als „rechts“ zu gelten.

Kommentare (24)

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kuac

05.09.2013, 13:28 Uhr

Merkel hat das Land erfolgsreich entpolitisiert. Die Wähler nehmen alles hin.

emden09

05.09.2013, 13:58 Uhr

naja so lange man die Nazithesen der Afd nicht für "rechts" hält kann man verstehen, was der Autor meint.

QUOVADIS

05.09.2013, 14:06 Uhr

Leider ist ja so, dass viele über die Politik
und die Politiker nichts wissen.
Trotzdem wird über Politik geredet,
ohne Sinn und Verstand.
Die Medien haben das Denken und Handeln
voll und ganz übernommen.
Ich vermute, da ist viel Geld im Spiel
um die allgemeine Meinung zu formen.

Ich wette ; eine Bayern München Partei,
hätte auf Anhieb mehr Mitglieder als
die CDU und CSU zusammen.

Gute Nacht Deutschland !

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