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13.02.2013

10:22 Uhr

Wahlumfragen

Die Meinungsmacher

VonMaike Freund

Wahlprognosen sind eigentlich nur ein Mittel zur Momentaufnahme. Doch die Niedersachsenwahl hat gezeigt: Sie haben enormen Einfluss. Das könnte sich auch auf die Bundestagswahl auswirken.

Freude bei der FDP nach der Niedersachsenwahl. dpa

Freude bei der FDP nach der Niedersachsenwahl.

Es sieht nicht gut aus für die FDP – wenigstens wenn man sich die aktuellen Erhebungen anschaut. Dann nämlich kämen die Liberalen gerade nur auf vier Prozent. Doch zum Glück für die Partei ist es noch lange hin bis zur Wahl im September - lange hin aus Sicht der Demoskopen: „Da können noch viele Faktoren Einfluss nehmen“, sagt Richard Hilmer, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstitutes von Infratest Dimap.

Sexismus-Debatten wie die um Brüderle oder Geld-Debatten wie die bei Steinbrück zum Beispiel. Auch unvorhersehbare Ereignisse wie das Elbe-Hochwasser bei der Bundestagswahl 2003 könnten sich auswirken. Noch die Bundestagswahl ist weit weg – und die Umfragen nicht so wichtig.

Noch nicht. Denn die Wahl in Niedersachsen hat gerade erst gezeigt: Erhebungen können enormen Einfluss auf die Wahlentscheidung der Bürger nehmen. Wie eben in Sachen FDP. Zehn Tage vor der Wahl gab es die letzten veröffentlichten Umfragen für Niedersachsen. Der Grund: „Das ist Wunsch der Auftraggeber“, sagt Hilmer. „ARD und ZDF wollen die Bürger vor der Woche in Ruhe lassen. Sie sollen ihre eigene Meinung bilden.“

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Doch genau das ist der Punkt. Die Umfragen stellten fest: Zum Zeitpunkt der Befragung kratzen die Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde. Ob sie den Sprung in den Landtag schaffen würden, war alles andere als eindeutig. Und damit stand auch die schwarz-gelbe Koalition auf wackeligen Füßen.

Auch wenn es im Nachhinein für eine Koalition aus CDU und FDP knapp nicht gereicht hat: Die FDP hat glänzend abgeschnitten, viel besser als die Befragungen voraussahen. „Dass es diese Abweichungen gab, liegt einerseits eben daran, dass Vorwahlumfragen Momentaufnahmen sind und keine Wahlprognosen“, sagt Hilmer. Sie bilden also nicht ab, was passieren wird, sondern was zum Zeitpunkt der Befragung passiert wäre, wenn eben genau dann Wahlen stattgefunden hätten. Anders als die Prognosen am Wahltag, bei der diejenigen befragt würden, die bereits gewählt hätten – rund 100.000 Wähler im Laufe des Tages.

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Aber die Wahl zeigt auch, dass eben genau diese Umfragen vor der Wahl einen erheblichen Einfluss auf die Bürger haben können. Denn diejenigen, die an einer Koalition aus CDU und FDP, sahen an den Zahlen: Es könnte eng werden. Also gaben viele ursprüngliche CDU-Wähler ihre Zweitstimme der FDP – was sie auf das Ergebnis von 9,9 Prozent katapultierte. Ohne die zuvor veröffentlichte Umfrage hätte das Ergebnis vielleicht ganz anders ausgesehen.

Ist es also richtig, dass Wahlumfragen derart Einfluss haben? „Wissenschaft ist die Grundlage für Meinungsbildung, also auch Wahlumfragen“, sagt Hilmer. „Und zwar für Politiker, Journalisten und Wähler.“ Doch in Frankreich ist diese Art der Meinungsmache verboten. Das allerdings findet Hilmer nicht richtig. Er glaubt, dass Selbstregulierung besser ist.

Dazu gehöre auch, dass es Konkurrenz auf dem Markt der Meinungsforscher gebe und dass die Demoskopen „enorm akkurat arbeiten“ müssten, sagt Hilmer. Nicht nur wegen des Einflusses, sondern auch wegen der Überprüfbarkeit. „ Wahlprognosen sind wie die Wetterprognosen“, sagt Hilmer. Beide lassen sich fast sofort überprüfen. Außerdem würden Umfragen zeigen, dass „Parteiäußerungen, Wahlprogramm und Reden der Kandidaten viel mehr Wirkung auf das Wahlverhalten haben als Umfragen“, sagt Hilmer.

Kommentare (6)

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Gast

13.02.2013, 10:32 Uhr

"Wahlprognosen sind eigentlich nur ein Mittel zur Momentaufnahme."

Meist eine On-Demand gebogene. Aber, Hauptsache die Leute (insbesondere die Zeitschriften, on- oder offline) haben Zahlen, die sie zitieren können.

holzie

13.02.2013, 12:15 Uhr

die Meinungsinstitute stellen eine "irreale Welt" dar und bieten so Presse,Politiker und anderen spannende "virtuelle" Diskussionsmöglichkeiten.In Niedersachsen war schwarz-gelb schon Monate vor der Wahl "abgewählt", in Wirklichkeit konnte McAllister noch "handfeste" Politik machen.Angeblich hat er damit "sensationell" aufgeholt, in Wirklichkeit hat er 6% verloren...

Ein_Sparsamer

13.02.2013, 13:19 Uhr

"„ARD und ZDF wollen die Bürger vor der Woche in Ruhe lassen. Sie sollen ihre eigene Meinung bilden.“"
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Das ist jetzt der Schenkelklatscher der Woche!

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