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23.02.2017

14:51 Uhr

Walter Kohl

„Merkel hat sich schäbig verhalten“

VonHeike Anger

Der älteste Sohn von Altkanzler Helmut Kohl erhebt schwere Vorwürfe gegen Angela Merkel. Durch ihr Verhalten in der CDU-Spendenaffäre habe sie einen „nicht unerheblichen Anteil“ am Tod seiner Mutter.

Dass Merkel (hier auf einem Bild aus dem Jahre 1995) sich in der CDU-Spendenaffäre von Kohl distanzierte, soll nach Aussagen von Kohls Sohn Walter zum Tod von Hannelore Kohl beigetragen haben. Reuters, Sascha Rheker

Helmut Kohl und Angela Merkel

Dass Merkel (hier auf einem Bild aus dem Jahre 1995) sich in der CDU-Spendenaffäre von Kohl distanzierte, soll nach Aussagen von Kohls Sohn Walter zum Tod von Hannelore Kohl beigetragen haben.

BerlinIm Jahr 2001 steckte Walter Kohl, der älteste Sohn von Altkanzler Helmut Kohl, in einer existenziellen Lebenskrise: Die CDU-Spendenaffäre lastete schwer auf der Familie, seine Mutter Hannelore Kohl nahm sich das Leben, seine erste Ehe ging in die Brüche. Doch Kohl überwand die Krise  und wandelt seitdem nach eigenem Bekunden auf dem „Weg der Versöhnung“. Als Coach will der 53-Jährige Hilfesuchende zum inneren Frieden führen. Doch nun brechen schmerzende Erlebnisse aus der Vergangenheit bei Walter Kohl selbst wieder hervor.

Zumindest erhebt er schwere Vorwürfe gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Für mich hat Frau Merkel einen nicht unerheblichen Anteil am Tod meiner Mutter“, klagt Kohl im aktuellen „Zeit“-Magazin. Merkel habe sich „schäbig“ verhalten. Walter Kohl verweist im Interview mit dem Magazin auf die Parteispendenaffäre von 1999, damals war Angela Merkel CDU-Generalsekretärin. Sie distanzierte sich zu dieser Zeit scharf vom langjährigen Partei- und Regierungschef Helmut Kohl, weil der die Herkunft illegaler Spenden an die CDU nicht preisgab.

Merkel und die CDU – Zahlen und Fakten

Parteivorsitz

Die in der DDR aufgewachsene Politikerin wurde im April 2000 in Essen nach CDU-Angaben mit 95,94 Prozent der Delegiertenstimmen zum ersten Mal zur CDU-Vorsitzenden gewählt. Seitdem wurde sie sieben Mal in dem Amt bestätigt. Am schlechtesten schnitt sie 2004 auf dem Parteitag in Düsseldorf mit 88,41 Prozent ab, am besten 2012 in Hannover mit 97,94 Prozent.

Mitgliederentwicklung

Die Mitgliederzahlen gehen bei der CDU ebenso wie bei der anderen großen Partei SPD seit Jahren zurück. Der Mitgliederstand der SPD fiel 2008 unter den der CDU. Seitdem hat mal die eine, mal die andere Partei die Nase vorn - wobei die Schwesterparteien CDU und CSU zusammen stets vor der SPD liegen. Derzeit hat die CDU etwa 435.000 Mitglieder, bei den Sozialdemokraten sind es rund 445.000.

Bundestagswahlen

Merkel stand seit 2002 an der Spitze der CDU/CSU-Fraktion, die unter ihrer Führung nach der Bundestagswahl 2005 erstmals seit 1998 wieder stärkste Fraktion wurde. Bei der Wahl 2013 verpasste die Union nur knapp die absolute Mehrheit der Sitze im Bundestag.

Kanzlerin

Am 22. November 2005 wurde Merkel zur ersten deutschen Bundeskanzlerin ernannt. Sie führte zunächst eine Koalition von Union und SPD, dann von 2009 bis 2013 ein schwarz-gelbes Bündnis und seitdem wieder eine schwarz-rote Regierung.

Bundespräsidenten

Zweimal gaben während Merkels Amtszeit von ihr mit ausgesuchte Bundespräsidenten vorzeitig auf: 2010 Horst Köhler und 2012 nach knapp 20 Monaten sein Nachfolger Christian Wulff. Den nun scheidenden Präsidenten Joachim Gauck brachten zuerst SPD und Grüne ins Gespräch, bevor sich Merkel anschloss. Den nun von der großen Koalition nominierten Nachfolgekandidaten, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, hat die SPD durchgesetzt.

Merkels Positionen erschienen seinerzeit als Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Ihm, so betont nun Walter Kohl, gehe es nicht um diesen Brandbrief, sondern grundsätzlich um „das menschliche Verhalten von Angela Merkel in diesem parteiinternen Machtkampf“. Zu keinem Zeitpunkt habe Merkel damals öffentlich gesagt, die Familie aus dem Spiel zu lassen. Dabei habe sie genau gewusst, dass seine Mutter schwer krank gewesen sei. Hannelore Kohl litt damals an einer schweren Lichtallergie.

„Als Politikprofi wusste Frau Merkel, dass sie eine Lawine lostritt, die unsere Mutter und unsere Familie schwer beschädigen würde“, sagt Walter Kohl.  „Dies ist der Vorwurf, den ich Frau Merkel mache: dass sie im Machkampf in der CDU das Leid meiner Mutter einfach als Kollateralschaden hingenommen hat“, betont Kohl.

Obwohl seine Mutter mit der CDU-Affäre nichts zu tun gehabt habe, sei sie nach Merkels Distanzierung öffentlich „auf übelste Art geschmäht“ worden. Sie sei sogar als „Spendenhure“  beschimpft worden, berichtet Kohl. „Sie wurde zur Unperson. Für sie war das alles umso schmerzhafter, weil sie sich von Angela Merkel verraten fühlte“, erklärt Kohl.  Merkel und Hannelore Kohl seien einmal eng befreundet gewesen.

Als Merkel 1990 als Ministerin nach Bonn gekommen sei, habe seine Mutter ihr für das dortige Parkett die Spielregeln beigebracht, berichtet nun Walter Kohl. „Die beiden haben sich häufig getroffen und viel miteinander gesprochen. Von meiner Mutter weiß ich, dass sie sich gegenseitig sehr persönliche Dinge anvertraut haben. Es war eine Freundschaft.“ Hannelore Kohl habe „diesen Verrat an ihrer Freundschaft nie verkraftet“.

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Als sie „persönlich einmal Schutz gebraucht hätte, wurde sie von Frau Merkel fallengelassen“, sagt Walter Kohl. Merkel habe sich danach nie wieder bei seiner Mutter gemeldet.

Kohl berichtet auch von Protokollen aus dem CDU-Präsidium, die ihm einst sein Vater gezeigt habe. „Daraus geht hervor, dass Frau Merkel zu Beginn der Spendenaffäre intern sagte: Wir dürfen Helmut Kohl, von dem wir viele Jahre profitiert haben, nicht im Regen stehen lassen. Vor allem müssen wir auch seine Familie schützen“. Dann sei der Bruch gekommen.

Kohl, der der früher als Investmentbanker in New York und als Controller für deutsche Unternehmen arbeitete und heute gemeinsam mit seiner Ehefrau eine Firma in der Automobilindustrie führt, beteuert, es gehe ihm nicht darum, die Schuld seines Vaters an der Spendenaffäre zu relativieren. Helmut Kohl habe „wahrlich viel dafür getan“, dass die Spendenaffäre eskaliert sei.

Zu seinem Vater hat Walter Kohl nach eigenen Angaben keinen Kontakt mehr. „Nachdem mein Vater für mich nicht mehr erreichbar sein wollte, habe ich beschlossen, meinen einseitigen Frieden damit zu machen“, berichtet Walter Kohl in dem Interview.

Kommentare (15)

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Herr Alessandro Grande

23.02.2017, 15:02 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

23.02.2017, 15:04 Uhr

Licht an Spitze on. Frau Merkel tritt auf.

Oder wie heißt es noch. Schöne Miene zum bösen....

Wenn das Licht und der Spot dann aus ist sieht es auch bei der Kanzlerin anders aus.

Sie verhält sich so wie sie ist und nicht immer als Kanzlerin. Und das ist von dem Sohn des Helmut Kohl treffend beschrieben worden.

Die Ägide der Männer die politisch an ihr gescheitert sind, dürften das BILD der Kanzlerin gerne komplettieren.

Nur Mut. Sie ist auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Account gelöscht!

23.02.2017, 15:11 Uhr

Licht aus, Spott on sollte es heißen wenn Merkel die rhetorische Show von einem BLATT ihren vorgeschriebenen Text abliest.

Das kann sie ja rhetorisch sehr gut. Singen tut sie allerdings noch nicht. Aber abgehoben isses schon, wie einst ihr Vorgänger.

An den Taten werdet ihr sie erkennen und nicht an ihren Reden.

Und die Taten sind gegen viele, viele Bürger. Die Liste wird immer länger.

Frage: Was hat sie für die Bürger tatsächlich in Deutschland in ihrer Amtszeit bewegt.

Den meisten werden keine 3 Punkte spontan einfallen, wetten.

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