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15.01.2007

07:12 Uhr

Wann geht Stoiber?

Zermürbende Warterei

VonJürgen Fischer und Maximilian Steinbeis

Die Ära Edmund Stoiber scheint sich dem Ende entgegenzuneigen. Mehr oder weniger offen wird in der Partei schon über die möglichen Nachfolger diskutiert. Doch noch ist der CSU-Chef und Ministerpräsident in Amt und Würden – und macht keine Anstalten abzudanken.

Stoiber will die Krise offenbar aussitzen. Hier ein Foto vom Dreikönigstreffen der örtlichen CSU in Bad Steben im Landkreis Hof, aufgenommen am Sonntag. Foto: dpa dpa

Stoiber will die Krise offenbar aussitzen. Hier ein Foto vom Dreikönigstreffen der örtlichen CSU in Bad Steben im Landkreis Hof, aufgenommen am Sonntag. Foto: dpa

MÜNCHEN/BERLIN. Der Saal im Gemeindezentrum Ottobrunn ist brechend voll. Der CSU-Verband aus dem Ort im Speckgürtel Münchens hat zum Neujahrsempfang geladen, und alle wollen ihn sehen: den kommenden Mann, einen der wenigen, die noch unbeschädigt dazustehen scheinen in der obersten Führungsspitze der CSU. Horst Seehofer, der Bundesverbraucherminister, soll an Stelle Edmund Stoibers Parteichef werden und die CSU aus der Krise führen – so will es die öffentliche Meinung, und so will es ein großer Teil der Parteibasis. Doch Seehofer hat eine Botschaft mitgebracht: Er will nicht. Jedenfalls nicht so.

Die Führungskrise in der CSU hat Züge einer Naturkatastrophe angenommen. Wie ein Waldbrand wütet sie in der Partei, unkontrolliert und von furchtbarer Zerstörungskraft. Und mancher, der sich eben noch klammheimlich freute, ruft jetzt panisch nach dem Löschschlauch. Es ist mucksmäuschenstill im Saal, als Seehofer sagt: Wer glaube, Stoiber zermürben und so zur Aufgabe zwingen zu können, der könne nicht mit ihm rechnen. „Dafür stehe ich nicht zur Verfügung, weil das das Ende unseres politischen Erfolges wäre.“

An diesen Worten wird sich Seehofer möglicherweise noch messen lassen müssen. Zu Beginn der letzten Woche hatte das CSU-Präsidium versucht, den durch die Pauli-Affäre ins Wanken geratenen Stoiber mit einem uneingeschränkten Solidaritätsbeschluss vorläufig zu stabilisieren und so den Führungsstreit zu beenden. Das hatte dieser aber offenbar zu sehr persönlich genommen: Als er plötzlich davon sprach, nach den Landtagswahlen 2008 die volle Legislaturperiode amtieren zu wollen, brach in der Landtagsfraktion Panik aus. Die bemüht sich die Führungsspitze seither in den Griff zu bekommen – bisher vergebens.

Stoiber scheint weiter entschlossen, die Krise durchzustehen. „Er ist der Meinung, dass es ohne ihn nicht geht“, sagt ein Präsidiumsmitglied. Am heutigen Montag will Stoiber sich nacheinander mit Landtagspräsident Alois Glück und Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann treffen, um einen Fahrplan für die nächsten Monate zu entwickeln. Am Nachmittag will er in Wildbad Kreuth den Fraktionsvorstand, am Dienstag die Fraktion auf seine Seite ziehen, bevor er dann erneut den Gang durch die Bezirksverbände antritt, um die Basis davon zu überzeugen, dass er weiterhin der Beste ist.

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