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22.03.2012

10:57 Uhr

Warnung der Polizeigewerkschaft

„Frankreich-Terror auch in Deutschland möglich“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Terrorverdächtige von Toulouse soll enge Verbindungen mit islamischen Extremisten gehabt haben. In Deutschland gibt es Hunderte solcher „Gefährder“. Die Polizeigewerkschaft hält sie für hochgefährlich.

Mitglieder französischen Spezialeinheit RAID vor dem umstellten Haus in Toulouse. AFP

Mitglieder französischen Spezialeinheit RAID vor dem umstellten Haus in Toulouse.

BerlinNach Einschätzung des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sind Attentate wie die im französischen Toulouse auch in Deutschland möglich. Er nahm dabei Bezug auf Angaben des französischen Innenministeriums, wonach der Terrorverdächtige den Salafisten und Dschihadisten verbunden sei und sich in Trainingslagern der Terroristen an der afghanisch-pakistanischen Grenze aufgehalten haben soll.

„Von den rund 1.000 Sympathisanten des dschihadistischen Terrorismus in Deutschland sind nach Kenntnis der Sicherheitsbehörden etwa 250 Personen in terroristischen Ausbildungscamps im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet gewesen und haben an Trainings teilgenommen“, sagte Wendt Handelsblatt Online. Weder Polizei noch andere Sicherheitsbehörden seien aber in der Lage, die 250 „Gefährder“ rund um die Uhr zu überwachen. „Insofern ist es natürlich jederzeit möglich, dass radikalisierte Einzeltäter auch in Deutschland Taten wie in Toulouse begehen“, betonte Wendt. „Von diesen Einzelpersonen geht eine leider völlig unkalkulierbare Gefahr aus, sie sind regelmäßig unauffällig, sogar freundlich und angepasst.“ 

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Im südfranzösischen Toulouse hält sich der mutmaßliche Serienmörder derweil noch immer in einem Wohnhaus verschanzt. In der vergangenen Nacht hatte die Polizei versucht, den Verdächtigen durch Explosionen in der Nähe einzuschüchtern. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, der Mann habe offenbar seine Meinung geändert und wolle sich nicht ergeben. Der Franzose algerischer Herkunft hatte in Gesprächen mit Sicherheitskräften gestanden, drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule erschossen zu haben. Ihm wird außerdem vorgeworfen, drei Soldaten getötet zu haben.

Wendt regte mit Blick auf Deutschland an, die Strafbarkeit von Ausbildung in so genannten Terrorcamps wieder auf die politische Tagesordnung zu setzen. „Die Politik wäre gut beraten, über dieses Instrument erneut nachzudenken und nicht erst dann tätig zu werden, wenn es konkrete Anschlagspläne gibt“, sagte er. „Dann kann es nämlich sehr schnell schon zu spät sein.“ Zwar habe Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) mit der Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze richtig gehandelt. „Das entbindet die Politik nicht von der Pflicht, alles zu unternehmen, um die Bevölkerung sowohl vor organisierten Terrorbanden als auch vor radikalisierten Einzeltätern wirksam zu schützen.“

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