Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2015

05:00 Uhr

Warnung der Polizeigewerkschaft

Pegida-Proteste könnten Terrorziel werden

VonDietmar Neuerer

ExklusivTerrorattacken wie der Angriff auf die „Charlie Hebdo“-Redaktion wird es aus Expertensicht auch in Zukunft geben. Die Polizeigewerkschaft warnt schon: Auch Islamkritiker in Deutschland könnten Ziel von Anschlägen werden.

Bald im Visier von Terroristen? Pegida-Sympathisanten bei einer Montagsdemonstration in Dresden. Reuters

Bald im Visier von Terroristen? Pegida-Sympathisanten bei einer Montagsdemonstration in Dresden.

BerlinNach Einschätzung des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, könnten nach dem Anschlag auf das islamkritische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ auch Anti-Islam-Veranstaltungen wie die Pegida-Demonstrationen ins Visier von Terroristen geraten. „Niemand kann mit Sicherheit sagen, wann es zu einem solchen oder ähnlichen Anschlag auch bei uns kommt, aber es braucht nicht viel Phantasie, um die viele islamkritischen Veranstaltungen, Parolen und Demonstrationen ebenfalls als mögliche Terrorziele zu definieren“, sagte Wendt dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Ähnlich äußerte sich Mathias Rohe, der unter anderem den Verfassungsschutz berät. „Ich fürchte, mit solchen Verbrechen muss man vereinzelt überall in Europa immer wieder rechnen“, sagte Rohe. Die Sicherheitsorgane könnten dies nicht verhindern, da die Radikalisierung der Täter oft sehr schnell und weitgehend unbemerkt ablaufe. Es sei daher „wichtig, dass wir jetzt die Nerven behalten“, betonte Rohe, der an der Universität Erlangen-Nürnberg lehrt. Denn die Terroristen wollten mit ihren Anschlägen staatliche Repressionen provozieren, um ihren Fanatismus zu rechtfertigen. „In diese Falle dürfen wir nicht laufen“, warnte er.

Nach dem Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ läuft im Großraum Paris die Fahndung nach den Tätern. Nach Angaben des französischen Innenministers handelt es sich um drei bewaffnete Männer. Sie hatten am späten Mittwochvormittag bei ihrem Überfall auf die bewachten Redaktionsräume und auf der Flucht insgesamt zwölf Menschen erschossen und weitere sieben zum Teil schwer verletzt. Unter den Opfern sind der Chefredakteur des Magazins und drei weitere Karikaturisten. Auch zwei Polizisten wurden getötet. Das Magazin hatte mit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen mehrfach für Aufsehen gesorgt. Der französische Präsident Hollande sprach von einem Terrorakt.

Anschläge von Islamisten in Frankreich

Dezember 2014

Polizisten erschießen im zentralfranzösischen Joué-lès-Tours einen Mann, der mit „Allahu Akbar“-Rufen („Gott ist groß“) in ein Kommissariat stürmt und mit einem Messer drei Polizisten verletzt. Die Ermittler gehen von einer radikalislamisch motivierten Tat aus. Der Überfall erinnere an Taten, zu denen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aufrufe.

Oktober 2012

Bei einem Anti-Terroreinsatz in mehreren französischen Städten erschießt die Polizei den 33-jährigen Dschihadisten Jeremy Sidney in Straßburg und nimmt elf weitere mutmaßliche Islamisten fest. Sidney und seine Kumpane werden für einen Anschlag auf ein jüdisches Geschäft verantwortlich gemacht.

März 2012

Der Attentäter Mohamed Merah erschießt in einer Mordserie insgesamt sieben Menschen. Unter ihnen waren drei Kinder und ein Lehrer einer jüdischen Schule. Augenzeugen berichten, der Täter habe mit einer Minikamera gefilmt und sei geflohen. Bevor der Mann nach rund 32-stündiger Polizeibelagerung seiner Wohnung bei einer Schießerei getötet wurde, hatte er sich als Al-Kaida-Anhänger und Mudschaheddin (Gotteskrieger) bezeichnet.

November 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satireblattes „Charlie Hebdo“. Es brachte am gleichen Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in „Scharia Hebdo“ umbenannt. Als Chefredakteur war „Mohammed“ benannt worden. Das Magazin hatte 2006 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark nachgedruckt und bereits in dem Zusammenhang Drohungen und eine Klage erhalten.

Polizeigewerkschafter Wendt unterstrich, dass ein Schutz von islamkritischen Veranstaltungen, der eine Gefährdung der Menschen ausschließt, de facto nicht möglich sei. Damit wäre die Polizei „hoffnungslos überfordert“, sagte er. Daher wäre es aus seiner Sicht „höchste Zeit, dass sich die Sicherheitspolitik in Deutschland darauf besinnt, dass mit Positionspapieren und Presseerklärungen keine Terrorismusbekämpfung erfolgreich gestaltet werden kann und auch Mahnungen der Kanzlerin oder ihrer Vorgänger nicht ausreichen“.

Seit Jahren fehle eine Sicherheitsstrategie für Deutschland und Europa, die Auskunft darüber gebe, mit welchen Mitteln man welche sicherheitspolitischen Ziele anstrebe und wann ein Ende der Sparpolitik bei den Sicherheitsbehörden eingeleitet werde, klagte der Polizeigewerkschafter. „Deutschland hat bislang großes Glück gehabt und hofft offensichtlich, sich auch künftig darauf verlassen zu können“, sagte Wendt. Deshalb sei er wenig zuversichtlich, ob die Reaktion der deutschen Politik über die üblichen Betroffenheitserklärungen hinausgehe.

Kommentare (70)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Günther Schemutat

08.01.2015, 07:57 Uhr

Das Terrorblatt Bild und seine Inhalte schüren ja den Hass von Islamisten in Deutschland. Dazu kommen Politiker die ihr eigenes
Land verunglimpfen und es beschuldigen Herzlos und Kalt zu sein (Albig) weil man keine Millionen Flüchtlinge aufnimmt wie
der Libanon,Türkei und Jordanien.

Am schlimmsten der Hass des Berliner Hofstaates und seine Bundesweit verstreuten Hofschranzen , die ein Hassbild für Islamisten gegen Pegida aufbauen. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, aber nur wenn man die genormte Meinung der Gutmenschen in unserem Land vertritt.

Mit Schröder und Fischer wurde die Trennung von Staat und Religion aufgehoben. Das Ergebnis sieht man heute. Der Islam
steht balsd an erster Stelle.

Was das Lügen der Medien betrifft hier ein neues Beispiel.

Vor ein paar Tagen zeigte die Heute Nachrichten eine Studie wo es nur 4 Millionen Muslime und! 1450 Moscheen gibt.

Bei Hart aber fair gestern zeigte Plasberg einen Bericht wo Muslime in 2000 Moscheen in Deutschland sich gegen Terror aussprachen.

Wennn man schon betrügt , sollte das Staatsfernsehen es nicht so offentsichtlich machen.

Es gibt 3500 Moscheen und 5,5 Millionen Muslime wenn nicht sogar mehr in Deutschland.

Frau Gabriele Niggenaber

08.01.2015, 08:00 Uhr

Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, "auch Anti-Islam-Veranstaltungen wie die Pegida-Demonstrationen ins Visier von Terroristen geraten."
Und werden die dann auch von unseren Gutmenschen-Politikern eingeladen und zum Kommen bezahlt????

Herr Rene Benedikt

08.01.2015, 08:10 Uhr

ist es nicht sinnvoll,das ein Europäischer Staat Rahmenbedingungen schafft, die solche Auswüchse gar nicht erst aufkommen lassen? Als dann zu tönen wir werden die Verbrecher (zu 99% Islamisten)jagen? Wichtig ist dazu ein gutes Soziales Miteinander auch unter deutsche, denn da fehlt es ja schon. Solange wir uns mit Kollegen,Nachbarn und mitunter sogar innerhalb der Familie bekriegen ist uns der Islam bzw diese Familien weit voraus. Gemeinschaft ist da groß geschrieben. Soziales miteinander, Achtung der Alten ist da normal.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×