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13.06.2012

13:16 Uhr

Was Merkel nicht sagt

„Das alte Europa gibt es nicht mehr“

Die Kanzlerin hat vor dem CDU-Wirtschaftsrat mal wieder für strikte Finanzdisziplin in der Euro-Krise geworben. Wenn Angela Merkel Europa retten will, hätte sie etwas ganz anderes sagen sollen. Ein Redevorschlag.

Kanzlerin Merkel: Wir brauchen ein Europa, das die Menschen zu ihrem Europa machen. dapd

Kanzlerin Merkel: Wir brauchen ein Europa, das die Menschen zu ihrem Europa machen.

BerlinSehr geehrte Damen und Herren, ich wende diesen rhetorischen Trick nur ungern an. Aber die Lage unseres Landes und Europas lässt es mir heute geboten erscheinen, dass ich das von meinen Mitarbeitern vorbereitete Manuskript weglege. Beide Seiten - Sie, die Vertreter der deutschen Wirtschaft, und ich als Kanzlerin - sollten sich Floskeln ersparen. Ich will die Gelegenheit nutzen, um Ihnen ein wahrhaftiges Bild der großen wirtschafts- und finanzpolitischen Herausforderungen unseres Landes und Europas zu zeichnen.

Auf die Idee dazu bin ich durch die Rede eines amerikanischen Lehrers gekommen, der bei der Abschlussfeier an der Wellesley High School eben nicht mit den üblichen Worten eine heile Welt beschrieben, sondern die junge Generation vor Selbstzufriedenheit und Unwahrhaftigkeit gewarnt hat.

Meine Damen und Herren,

in den vergangenen Wochen ist viel über ein Scheitern Europas gesprochen worden - doch nicht die europäische Idee ist gescheitert, sondern der Glaube, Nationen und Generationen können auf Kosten der anderen leben. Viel zu lange haben wir geglaubt, dass sich Aufschwung und Wachstum auf Dauer über Kredite finanzieren lassen, dass sich notwendige strukturelle Reformen verschieben lassen, dass Sparen immer nur im Aufschwung möglich wäre.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.

Die europäische Krise hat diesen Glauben zerstört. Doch mit dieser Krise haben wir jetzt die einmalige Chance, Fehler der Vergangenheit - eine Währungsunion ohne Transparenz, eine wirtschaftliche Zusammenarbeit ohne Aufgabe von Souveränität, eine Fiskalunion ohne wirksame Aufsicht, eine Erweiterung der EU ohne Vertiefung und immer mehr europäische Institutionen ohne wirklich demokratische Legitimation - zu korrigieren. Eines ist sicher: Die bisherige Art unserer Europapolitik, entweder von oben verordnet oder mit viel Pathos, aber wenig Substanz, ist an ihr Ende gekommen.

Wir brauchen weniger das Karls-Preis-Europa als ein Europa, das die Menschen zu ihrem Europa, ihrem Anliegen, ihrem Interesse machen. Und zwar als deutsche Europäer und nicht als europäische Europäer - weil wir immer ein Europa der Vaterländer sein werden.

Kommentare (17)

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Terrone

13.06.2012, 13:40 Uhr

Man kann nicht verschmelzen, was nicht zusammengehoert, Jugoslawien und UDSSR docet. Nur die gemeinsame Muttersprache mobilisiert, in jede Richtung. In Griechenland und in Sueditalien fehlt jegliche amministrative Kontrolle des Gebietes, da koennen die Bruessel-Apparatschik beschliessen was sie wollen, das setzt keiner um. Folglich erhoehte sich nur die Unzufriedenheit der Netto-Zahler im Norden ... und dann knallt es irgendwann. Falls es in F knallt und die Le Pen an die Macht kommt, kann sich die Merkel alle Vertraege irgendwohin stecken; Le Pen waere die erste Faschistin mit Nuklearwaffen, schoene Aussichten.

Chris

13.06.2012, 14:07 Uhr

Wenn nur die "gemeinsame Muttersprache" mobilisieren würde, wären Bayern und Ostfriesen oder Sachsen und Franken nie "ein Land" geworden, ium Umkehrschluss wäre die deutschsprachige Schweiz oder deutschsrachichige Teile Norditaliens, Namibias oder der USA längst "Deutschland"...

Erbaermlich

13.06.2012, 14:18 Uhr

Diese EUSSR, die wider den Interessen der europäischen Nationen erzwungen werden soll, ist das größte Verbrechen in Europa seit 1945!
Dieses Europa wird NIE entstehen. Es wird im Bürgerkrieg enden! So ein dummes Geschwätz steht dem HB einfach nicht an. Ich finde diese Propaganda in Goebbelscher Manier nur widerlich und sie ekelt mich als Demokrat an!

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