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09.10.2013

11:38 Uhr

Was nutzt die Gebühr?

Ökostrom-Umlage steigt auf neuen Rekordwert

Während Strom an der Börse billiger wird, zahlen Endkunden immer mehr pro Kilowattstunde. Schuld daran ist unter anderem die Ökostrom-Umlage. Für das nächste Jahr steigt die Abgabe auf 6,307 Cent – ein neuer Rekord.

Windräder bei Tiefenthal in der Pfalz: Am 15. Oktober wird die EEG-Umlage für das nächste Jahr veröffentlicht. dpa

Windräder bei Tiefenthal in der Pfalz: Am 15. Oktober wird die EEG-Umlage für das nächste Jahr veröffentlicht.

BerlinDer Strom wird immer billiger. Zumindest im Einkauf. In diesen Tagen kostet die Kilowattstunde an der Börse EPEXSpot teilweise nur noch 3,8 Cent für den deutschen Markt. Solar- und Windenergie sowie weiterhin viel Kohlekraft drücken die Preise. Gerade die besonders energieintensive Industrie profitiert von diesen Segnungen, sie ist von den Energiewendeabgaben weitgehend befreit. Der Normalverbraucher aber hat nichts davon. Er hat nun schwarz auf weiß, dass er 2014 noch einmal mehr für seinen Strom berappen muss.

Für ihn nähert sich der Endkundenpreis der magischen Grenze von 30 Cent pro Kilowattstunde - ein Grund ist die von 5,277 Cent auf exakt 6,307 Cent steigende , im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Umlage, mit der Windparks, Solar- und Biogasanlagen auf 20 Jahre garantiert feste Vergütungen bekommen, die teilweise deutlich über den dafür an der Strombörse erlösten Preisen liegen. Seit dem Jahr 2000 gibt es das EEG, inzwischen gibt es rund 4000 Förderkategorien.

Positionen der Parteien zum Thema Energiewende

CDU/CSU

Damit nicht dauerhaft teure Doppelstrukturen von wetterabhängiger Ökoenergie und Kohle- und Gaskraftwerken entstehen müssen, soll die Erforschung von Stromspeichern forciert werden. Etwa durch Pumpspeicherwerke, aber auch Wasserstoff- („Power to Gas“) oder Druckluftspeicher. Zudem pocht Kanzlerin Angela Merkel auf eine bessere Abstimmung zwischen Ökoenergie- und Netzausbau. Wie sich als Ersatz für Atomkraftwerke notwendige Gaskraftwerke rechnen sollen, bleibt im Wahlprogramm noch unklar. Diese sollen flexibel auf die unterschiedliche Wind- und Solarstromproduktion reagieren - bei immer mehr Ökostrom (schon 25 Prozent Anteil) rechnen sie sich aber kaum.

FDP

Damit als Absicherung bei zu wenig Wind und Sonne weiterhin genug Gas- oder Kohlekraftwerke zur Verfügung stehen und neu gebaut werden, erwägt die FDP Prämien für die Bereitstellung einer garantiert zur Verfügung stehenden Leistung. Wie die Union strebt man bis 2020 einen Ökostromanteil von mindestens 35 Prozent an.

SPD

Für ein besseres Management bei der Energiewende will die SPD ein Energieministerium, in dem die Kompetenzen für erneuerbare Energien, Netzausbau und Speicher gebündelt werden. Für einen schnelleren Netzausbau sollen Stromautobahnen der großen Betreiber in einer Deutschen-Netz-Gesellschaft zusammengeführt werden. Bis 2020 soll der Stromanteil erneuerbarer Energien auf 45 Prozent steigen.

Grüne

Anders als die SPD pochen die Grünen nach dem Atom- auch auf einen raschen Kohleausstieg - neue Kohletagebaue sollen untersagt werden. Die Grünen bekennen sich zum Netzausbau und fordern ein neues Strommarktdesign, das nicht von Kohle, Atom und Gas bestimmt wird, sondern von Wind und Sonne. Trotz aller Kosten lautet das Ziel: „Im Jahr 2030 soll die Stromversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, 2040 auch Wärmeversorgung und Verkehr“. Kritisch sieht man wegen der vielen Mais-Einöden aber einen weiteren Zubau von Biogasanlagen. Die weitere Biomasse-Nutzung sei aufgrund der Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und zu Naturschutz- und Erholungszwecken sehr begrenzt, betonen die Grünen.

Linke

Die Linke fordert, die Macht der Stromkonzerne zu brechen. Die Rolle von Stadtwerken und genossenschaftlichen Versorgern müsse gestärkt werden. Das letzte Kohlekraftwerk solle bis spätestens 2040 vom Netz gehen. „Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung soll bis 2020 auf 50 Prozent, der an der Wärmeversorgung auf 20 Prozent erhöht werden“, betont die Linke.

Immer am 15. Oktober wird die EEG-Umlage für das nächste Jahr von den Übertragungsnetzbetreibern Tennet, Amprion, TransnetBW und 50Hertz veröffentlicht - sie verwalten das Umlagekonto. Aber die Zahl ist schon durchgesickert - minimale Abweichungen sind noch möglich. Pro Jahr zahlt ein Durchschnittshaushalt derzeit knapp 1000 Euro für Strom, 2014 könnten es rund 1030 Euro werden. Die Ökoenergieförderung macht daran bisher 185 Euro aus, 2014 werden es 220 Euro. Der Staat verdient daran sogar: Denn die Mehrwertsteuer steigt automatisch mit.

Doch noch immer sind viele Deutsche Wechsel- und Vergleichsmuffel. Durch einen Anbieterwechsel lässt sich der Umlageanstieg oft locker auffangen. Was sich jetzt wieder für Attacken gegen den Ausbau erneuerbarer Energien instrumentalisieren lässt, bedarf aber einer differenzierten Betrachtung: Nach Berechnungen des Branchendienstes Energy Brainpool entfällt die Hälfte des Umlageanstiegs 2014 auf den eingangs beschriebenen Preisverfall an der Strombörse. Denn gibt es immer weniger Geld für den Ökostrom, wächst die Differenz zu den festen Vergütungssätzen: Die Differenz muss der Verbraucher bezahlen.

Kommentare (40)

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vandale

09.10.2013, 10:13 Uhr

Im Artikel wird (wie vielfach zuvor im HB) behauptet, dass die Industrie von den gesunkenen Börsenstrompreisen profitieren würde. Die niedrigen Preise an der Strombörse sind Spotmarktpreise zu denen der wertlose Strom aus Wind und Sonne vermarktet wird. Industrieunternehmen benötigen üblicherweise eine verlässliche Versorgung und schliessen langfristige Verträge ab. Sie können nur minimal von der Situation an der Strombörse profitieren. Einen gewissen Nutzen haben Erzeuger und Industrieunternehmen mit eigener Erzeugung die bei Börsenstrompreisen unter den Brennstoffkosten ihre Anlagen herunterfahren und den Oekostrm für Lau beziehen. Grundsätzlich sind die niedrigen Börsenstrompreise nicht einer Umverteilung, sondern einer Geldvernichtung durch völlig ungeeignete Verfahren zur Stromversorgung geschuldet.

Vandale

vandale

09.10.2013, 10:21 Uhr

Das HB hat wie üblich nur einen geringen Teil der Kosten "Erneuerbarer Energien" erwähnt.

Neben den ca. 20 Mrd. € EEG Umlage sind diesen auch die Kosten des Netzausbaus und weitere Subventionen, 1% KfW Darlehen, EKF Fond, insgesamt ca. 30 Mrd. € zuzurechnen.

Industrie und Gewerbe geben die Kosten "Erneuerbarer Energien" wie andere Kosten auch mit Aufschlag in den Preisen weiter.

Bezogen auf ca. 40 Mio. Haushalte entspricht die Belastung netto 750 €/Jahr.

Inklusive Gemeinkosten, Steuern, MwSt., ca 1500 €/Jahr und Haushalt.

Die bewusst falschen Informationen der Medien sind ein wesentlicher Grund, dass ein grosser Teil der Bevölkerung die Vision/Illusion "Erneuerbarer Energien" pflegt.

Vandale

unwichtig

09.10.2013, 11:08 Uhr

Ist der Netzausbau wirklich nur wegen der EE notwendig? Ist das nicht etwas kurzsichtig? Ok, man kann sagen durch die jetzige Situation ist der massive Ausbau eventuell früher in den Fokus gerückt worden. Ansonsten hätte es sicherlich passieren können, dass im Winter "überraschend" der Strom ausfällt, da die Leitungen die Eislast nicht mehr aushalten bzw. so "marode" sind das an anderer Stelle Probleme auftreten.

Siehe Straßen: Keine Zwang was zu machen => keine Investitionen bzw. Rücklagen. Und jetzt haben wir den Mist, dass die Straßen und Brücken verfallen und das Geld nicht da ist.

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