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26.11.2015

19:05 Uhr

Was vom Tage bleibt

Dein Feind ist mein Feind

VonOliver Stock

Mit Tornados kann Deutschland keinen einzigen Terroristen bekämpfen. Der Einsatz ist nur ein Symbol für die Verbundenheit mit Frankreich, meint Oliver Stock in seiner Abend-Kolumne.

O-Ton der Verteidigungsministerin

So begründet von der Leyen den Bundeswehr-Einsatz in Syrien

O-Ton der Verteidigungsministerin: So begründet von der Leyen den Bundeswehreinsatz in Syrien

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Tornados gegen den IS: Wer nach dem Beschluss der Bundesregierung von heute Abend glaubt, das funktioniert, ist ein Leichtgläubiger. Tornados als Zeichen der Verbundenheit mit Frankreich – das kommt der Funktion dieses Bundeswehreinsatzes schon näher. Tatsache ist: Deutschland hilft seinem engsten Freund auf der Weltbühne mit militärischem Beistand. Im Kampf gegen Terroristen aber werden die Tornados wenig ausrichten.

Um das zu erkennen, muss man sich nur einmal mit dem Himmel über Syrien beschäftigen. Dort sind inzwischen Luftwaffen aus mehr als zehn verschiedenen Nationen im Einsatz: Russland ist mit seinen Kampfflugzeugen unterwegs, Putin unterstützt damit das Regime des bestialischen Diktators Assad und beschießt jene Rebellen, die Assad vertreiben wollen und selbst keinen Deut besser sind als der Diktator. Israel fliegt ständig Einsätze über syrischem Gebiet, um Waffenlieferungen an die feindliche Hisbollah zu unterbinden.

Oliver Stock ist stellvertretender Chefredakteur.

Was vom Tage bleibt

Oliver Stock ist stellvertretender Chefredakteur.

Ein Großteil der Flugzeuge über Syrien zählt allerdings schon jetzt zu jener von den USA angeführten Koalition, die sich gegen den IS zusammengefunden hat: Das sind die Amerikaner selber sowie die Türkei, Katar, Jordanien, Bahrain, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Australien und Kanada. Dazu kommen noch die Briten, die nebenan über irakischen Luftraum gegen den IS operieren. Die Franzosen fliegen inzwischen ebenfalls Einsätze. Wer glaubt, dass deutsche Aufklärungsflugzeuge nun das Blatt wenden – der erkennt die Lage nicht.

Die Anti-Terror-Strategie der G20

Prävention

Prävention und Abwehr von Terroranschlägen in „verstärkter internationaler Solidarität und Kooperation“.

Zusammenarbeit

Mehr Zusammenarbeit und Informationsaustausch beim Einfrieren der Vermögenswerte von Terroristen.

Bewegungsfreiheit von Terroristen einschränken

Sie werden als Gefahr für die Ursprungs-, Transit- und Zielländer eingestuft. Deshalb Informationsaustausch über die Bewegungen von Terroristen, besserer Grenzschutz, strafrechtliche Verfolgung illegaler Reisen.

Kampf gegen Propaganda

Verbesserte Sicherheit im globalen Luftverkehr, Abwehr der Radikalisierung und Rekrutierung durch Terroristen, Kampf gegen terroristische Propaganda im Internet, Gegenpropaganda

Die Rolle der Vereinten Nationen

Unterstützung der Zivilgesellschaft bei der Abwehr von gewalttätigem Extremismus. Vereinte Nationen sollen zentrale Rolle spielen. Die Staaten sagen zu, im Kampf gegen den Terror internationales Recht und die Uno-Konventionen für Menschen- und Flüchtlingsrechte einzuhalten.

Dazu kommt: Wie sollen IS-Kämpfer, die sich in den Städten Syriens zwischen Millionen anderer Menschen aufhalten, erfolgreich aus der Luft bekämpft werden? Und wer über diese Frage hinweggeht, der kann sich mit der Antwort auf folgendes Thema beschäftigen: Für wen will diese internationale Koalition, an der sich Deutschland jetzt beteiligt, den IS beiseite räumen? Für die Rebellen? Für das Assad-Regime, dessen Vorgehen doch überhaupt erst die Ursache für die Ausbreitung des IS ist? Für den Iran, der schiitischen Milizen nach Syrien gelenkt hat, die gegen die sunnitische Bevölkerung vorgehen?

Und noch eine Frage ist erlaubt: Glaubt wirklich irgendjemand, dass die Terroristen, die aus den Vorstädten von Brüssel und Paris ihren Vernichtungsfeldzug gestartet haben und möglicherweise in anderen Vorstädten dieser Welt auf der Lauer liegen, durch Bomben auf Syrien aufzuhalten sind?

Bundeswehreinsatz in Anti-Terror-Koalition: „Der IS ist besiegbar“

Bundeswehreinsatz in Anti-Terror-Koalition

„Der IS ist besiegbar“

Eigentlich wollte sich Deutschland aus den Luftangriffen gegen den IS in Syrien heraushalten. Jetzt die Kehrtwende: Luftwaffe und Marine ziehen in den Krieg. Warum das so ist, erklärt Verteidigungsministerin von der Leyen.

Nein, der Krieg, in den sich Deutschland da begibt, ist ein Symbol. Das Symbol besteht darin, Frankreich nicht im Stich zu lassen. Terroristen haben unser Nachbarland feige angegriffen. Frankreichs Staatsoberhaupt hat deswegen entschieden, dass das Land sich auch in Syrien, wo die Terroristen ihren politischen und religiösen Nährboden und ihre militärische Ausbildung erhalten, zu Wehr setzt – und dabei helfen wir ihm. Es ist ein Krieg nach dem Motto: Der Feind meines Freundes ist auch mein Feind. Es ist aber kein Einsatz, mit dem sich dieser Feind besiegen lässt.

Kommentare (19)

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Herr Bernhard Meyer

26.11.2015, 19:45 Uhr

"das Regime des bestialischen Diktators Assad"

Können Sie mir bitte die extreme Bezeichnung "bestialisch" erklären?
Und weshalb nennen Sie die Regierung ein Regime? Der Mann wurde gewählt, soviel ich weiß, mit mehr Stimmen als Präsident Bush nach der ersten und nach der zweiten Wahl.
Würden Sie das Regime in der Ukraine auch Regime nennen? Und das der Saudis?
Und das der Amerikaner, wenn wir schon dabei sind? Die terrorisieren überall auf der Welt Millionen von Menschen, töten ohne Gerichtsbeschluss irgendwelche Zivilisten. Ach, ich könnte noch stundenlang die verlogene westliche Propaganda aufzählen, wo mit zweierlei Maß gemessen wird.

Herr Marc Otto

26.11.2015, 19:52 Uhr

Hmmm, kann mir das mal einer erklären??

Ich lese seit 1 Woche kaum noch das HB
Aber ich werde immer besser im Aktiengeschäft?

Ixh lese liebe die russischen- chinesischen Narichten, oder eben die vom IRAN, oder China.


Ich glaube inzwischen, dass nirgendwo so viel gelogen wird, wie in den deutschen Medien. Allerdings loben die demomokratischen Systeme in Nord-Korea und China unsere deutsche Kanzlerin sehr.

Account gelöscht!

26.11.2015, 19:54 Uhr

Gewählt, ganz schlecht, besser man wird. von seinen Freunden, erwählt so wie Frau Schadenskanzlerin.

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