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08.03.2012

15:33 Uhr

Wechsel im Vorstand

Umbau der Deutschen Bank schreckt die Politik auf

VonDietmar Neuerer

ExklusivDass das neue Spitzenduo der Deutschen Bank durchgreift, noch bevor es offiziell im Amt ist und das oberste Führungsgremium mit Investmentbankern stärkt, stößt in Berlin auf breite Kritik. Die Union erwägt Konsequenzen.

Logo der Deutschen Bank AG in den Glastuermen der Bankzentrale in Frankfurt am Main. dapd

Logo der Deutschen Bank AG in den Glastuermen der Bankzentrale in Frankfurt am Main.

BerlinMit Befremden haben Finanzpolitiker der schwarz-gelben Koalition auf die Pläne des neuen Führungsduos der Deutschen Bank für einen radikalen Vorstandsumbau reagiert. Auf harsche Kritik stößt vor allem, dass die neuen Konzernchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen wichtige Positionen mit engen Vertrauten aus dem Investmentbanking besetzen. „Deutsche Einlagen dürfen nicht im Kasino landen“, sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister Handelsblatt Online. Es gehe nicht um einzelne Personen. „Jedoch ist die Besetzung ein Signal in Richtung Investmentbanking“, unterstrich der CDU-Politiker. Meister will daraus gesetzgeberische Konsequenzen ziehen. „Wir werden über eine striktere Regulierung des Investmentbanking nachdenken müssen“, sagte er.

Ähnlich äußerte sich der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach. Die Deutsche Bank sei zwar im Rahmen des geltenden Rechts selbstverständlich frei, ihr Geschäft so zu organisieren, wie sie es wolle, einschließlich der Personalentscheidungen, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online. Aber: „Unsere Aufgabe ist es darauf zu achten, dass dies nicht zu Lasten des Steuerzahlers und der Finanzstabilität geht. Und diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst.“

Der Präsidialausschuss des Deutsche-Bank-Aufsichtsrates soll laut Medienberichten die Weichen für die Umbaupläne schon gestellt und auch bereits Nachfolger benannt haben. Formal müsse das gesamte Kontrollgremium dem Personalpaket noch bei seiner Sitzung am 16. März zustimmen, hieß es. Ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt erklärte am Mittwoch: „Marktgerüchte kommentiert die Deutsche Bank grundsätzlich nicht.“

Auch bei der SPD stößt das auf auf scharfe Kritik. „Im Geschäftsmodell der Deutsche Bank spielt das internationale Investmentbanking bereits heute eine beherrschende Rolle. Wenn die  Neubesetzungen in den Führungsgremien der Bank diese Ausrichtung  verstärkten, hielte ich dies für problematisch“, sagte die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nicolette Kressl, Handelsblatt Online. Kressl zeigte sich offen für Überlegungen, das Investmentbanking schärfer zu regulieren. „Aufgabe der Politik ist es, unabhängig von den verantwortlichen Personen für eine effektive  Finanzmarktregulierung zu sorgen, durch die risikoreiche und potenziell stabilitätsgefährdende Geschäfte begrenzt werden.“

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagfraktion, Frank Schäffler, konstatierte, dass die Deutsche Bank auch durch ihren geplanten Umbau längst nur noch dem Namen nach deutsch sei. „Sie ist supranational aufgestellt, der Bezug zur heimischen Wirtschaft geht dabei immer mehr verloren“, kritisierte er und Hinweis auf die jüngsten Personalentscheidungen. Schäffler warnt vor den Folgen einer stärkeren Hinwendung zum Investmentbanking. Die Bank drehe einen „enormen Hebel - mit allen Risiken für das Finanzsystem“, sagte er.

Kommentare (27)

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melancholiker

08.03.2012, 12:10 Uhr

die politik macht sich lächerlich - erst bekämpft sie den wechsel von ackermann in den aufsichtsrat- und nun jammert sie, daß die von ackermann beeugten vorstandsvorsitzende den vorstand personell neu ausrichten. wen wun dert es noch das vorneweg CDU politikern sich äußern. aber das ist der fluch der bösen tat: einerseits sozial- und weltverantwortliche bankenrettung und damitdaraus abgeleitet -einfluß auf die unternehmenspolitik. das ist ordnungspolitik und marktwirtschaft a la merkel. die kommunistisch und theologisch geprägte kanzlerin muß weg. sie träumt von der großen koalition, dann geht das regieren wieder elegant und ohne programatische widerstände - ich hoffe, daß der wähler nochj aufwacht.

Account gelöscht!

08.03.2012, 12:22 Uhr

Genau, mErkel ist "kommunistisch", wählen wir also eine FDP-Alleinregierung. Die werden bestimmt Sturm dagegen laufen, daß die DeuBa ihre Spitze aufs IB ausrichtet. Ganz bestimmt.

Account gelöscht!

08.03.2012, 12:49 Uhr

die grünen Reflexe: Ausländer gutt, Deutsche schlächt. Voll krank.

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