Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.07.2011

15:51 Uhr

Wechsel in Aufsichtsrat

Empörung über Ackermanns Zukunftspläne

VonDietmar Neuerer, Heike Anger

ExklusivDer Wechsel von Josef Ackermann vom Vorstands- zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank stößt auf massive Kritik. In der Politik wird darin ein klarer Verstoß gegen den Corporate Governance Codex gesehen.

Josef Ackermann. Quelle: AFP

Josef Ackermann.

DüsseldorfDer wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), hat scharfe Kritik am geplanten Wechsel von Josef Ackermann vom Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank in den Aufsichtsratsvorsitz des Instituts geäußert. „Für mich ist es nicht akzeptabel, dass er mit großem Brimborium einen Corporate Governance Codex fordert und auf der anderen Seite die Deutsche Bank sich selbst bei dem ersten sich bietenden Anlass nicht an diesen Kodex hält“, sagte Pfeiffer. „Corporate Governance nach Gutsherrenart ist weder vorbildlich noch akzeptabel.“

Pfeiffer blickte auch mit gemischten Gefühlen auf das bisherige Wirken Ackermanns zurück. Einerseits seien die Verdienste von Ackermann um die Deutsche Bank und den Standort Deutschland unbestritten. „Insbesondere hat er es geschafft, die Deutsche Bank verhältnismäßig solide durch die Finanzkrise zu steuern“, sagte der CDU-Politiker. „Andererseits gibt es auch falsche und unsensible Entscheidungen und Aktivitäten“, fügte Pfeiffer mit Blick auf die Millionenabfindung im Übernahmefall Mannesheim-Vodafone hinzu. „Da stand Ackermann meines Erachtens in keinem guten Licht.“

Verhaltene Kritik an Ackermanns geplantem Wechsel in den Aufsichtsrat kommt vom Vize-Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß. Poß nannte es im Gespräch mit Handelsblatt Online lediglich „bedauerlich, dass ein erneuter Verstoß gegen die Intentionen der Corporate Governance erfolgen soll“. Die gesamte geplante Personalkonstellation sei aber „bei aller Kritik an der Person Josef Ackermann mit Blick auf ihre Auswirkungen auf den Standort Deutschland vertretbar“, betonte der SPD-Politiker. „So besteht die Hoffnung, dass der eher realwirtschaftlich orientierte Privat- und Geschäftskundenbereich nicht zukünftig gegenüber dem hochspekulativen Investmentbanking an Bedeutung verliert.“ Den Vorschlag, Jürgen Fitschen zu einem Teil des Führungstandems zu machen, lobte Poß ausdrücklich.

Deutlicher äußerte sich der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Garrelt Duin. Er forderte Ackermann zum Verzicht auf den Wechsel auf. Zwar lasse das Aktiengesetz eine Ausnahme von der Karenzzeit zu, wenn Aktionäre es so wollten. „Trotzdem sollte Josef Ackermann mit gutem Beispiel vorangehen und die Finger vom Aufsichtsratsvorsitz lassen“, sagte Duin dem Handelsblatt.

Die Zeiten der angeblich gemütlichen Deutschland AG, als der nahtlose Übergang vom Vorstand in den Aufsichtsrat allgemeiner Brauch war, seien nicht zuletzt dank Männern wie Ackermann vorbei. „Compliance hin, Corporate Government Kodex her: Es sind oft nur Sonntagsreden, wenn es ernst wird“, kritisierte Duin. Es habe einen tieferen Sinn, wenn das Aktiengesetz vor dem Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat eine zweijährige Karenzzeit vorsehe. „Selbst ein hervorragender Banker wie Josef Ackermann kann in persönliche Zwiespälte geraten oder die innere Unabhängigkeit verlieren, wenn er über grundlegende strategische Pläne seiner Nachfolger entscheiden muss“, warnte der SPD-Politiker.

Ackermann hatte einen Wechsel in den Aufsichtsrat bislang stets ausgeschlossen. Schließlich widerspricht es auch den Richtlinien für gute Unternehmensführung („Corporate Governance Kodex“), dass ein Konzernlenker direkt den Sessel des Chefkontrolleurs einnimmt.

Der Inder und sein Deutscher

Video: Der Inder und sein Deutscher

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Demnach dürfen Vorstandsmitglieder erst nach einer zweijährigen Karenzzeit in das Kontrollgremium ihres Unternehmens einziehen. Einzige Ausnahme: Die Wahl des Aufsichtsrates erfolgt „auf Vorschlag von Aktionären, die mehr als 25 Prozent der Stimmrechte an der Gesellschaft halten“. Die Hauptversammlung müsste einem Wechsel Ackermanns in den Aufsichtsrat demnach zustimmen.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kostolany

26.07.2011, 15:37 Uhr

Der Unterschied zwischen Herrn Ackerman und unseren Politik-Schranzen ist :

Ackermann hat das Geldinstitut durch die Krise gesteuert,
unsere Politikschranzen haben durch ihre Schuldenmacherei die Krise verursacht.
Ackermann muß den Aktionären Gewinne präsentieren,
die Politische Kaste präsentiert Schulden.

POPPER

26.07.2011, 15:46 Uhr

Herr Pfeiffer ist das Hemd auch näher als die Jacke, wenn er Herrn Ackermann bescheinigt: „Insbesondere hat er es geschafft, die Deutsche Bank verhältnismäßig solide durch die Finanzkrise zu steuern“. Das ist nicht nur die halbe, sondern die ganze Unwahrheit. Die Deutsche Bank hat mit Tricks, Drohungen und Hinhaltetaktik es geschafft, dem amerikanischen Steuerzahler 8 Milliarden aus der Tasche zu ziehen und den deutschen beim IKB Verkaufs-Deal nochmals.

MeisterProper

26.07.2011, 15:57 Uhr

Was soll denn das sein, ein Trick , Hinhaltetaktik?
Wahrscheinlich verstehen Sie selbst nicht, was Sie da an Allgemeinplätzen von sich geben?
ES ist In gegen Banken zu wettern, auch wenn man keine Ahnung hat, nicht wahr?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×