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12.05.2014

10:51 Uhr

Wegen Linksruck der Union

CSU-Politiker wechselt zur AfD

Die Alternative für Deutschland feiert in Bayern unverhoffte Erfolge. Erst ziehen zwei ihrer Mitglieder in den Münchner Stadtrat ein, dann bekommt die Partei noch Zuwachs aus der CSU.

Nicht nur in Umfragen kann die Partei Alternative für Deutschland (AfD) punkten, auch mancher bei der politischen Konkurrenz findet Gefallen an ihr. dpa

Nicht nur in Umfragen kann die Partei Alternative für Deutschland (AfD) punkten, auch mancher bei der politischen Konkurrenz findet Gefallen an ihr.

BerlinDie CSU hat eines ihrer Mitglieder an die Alternative für Deutschland (AfD) verloren und ist damit künftig auch in einem Bezirksausschuss in München vertreten. Martin Zech, einer der „Stimmenkönige“ der CSU im Bezirk Feldmoching-Hasenbergl, gab an diesem Wochenende seinen Wechsel zur AfD bekannt. Zech war bei der Kommunalwahl auf Platz 17 angetreten und dann auf Platz 11 vorgerückt, wodurch und er den Einzug in die Bezirksvertretung geschafft hat.

Seine Entscheidung, zur AfD zu wechseln, begründete er mit einem  „Linksruck der Union“, den er nicht länger mittragen könne. „Insbesondere die verfehlte Euro-Rettungspolitik und die angesichts des anstehenden demographischen Wandels nicht dauerhaft finanzierbaren sozialen Wahlgeschenke im Bund machen mir Sorge, gerade weil diese Politik zulasten meiner Kinder gehen wird“, zitierte die Bayern-AfD den Ex-Christsozialen in einer Pressemitteilung. Daher setze er, Zech, „große Hoffnungen in die neue Partei Alternative für Deutschland und deren Vorsitzenden Bernd Lucke“.

Martin Zech stammt laut AfD aus einer Feldmochinger Bauernfamilie, ist im Vereinsleben des Münchner Nordens engagiert und beruflich Partner in einer großen Münchner Steuerkanzlei. Der AfD-Landesvorsitzende Andre Wächter, einer von zwei AfD-Stadträten in München, zeigte sich erfreut über den Parteiwechsel. Zech sei im Münchner Norden bekannt, wie sein „außerordentlich gutes Wahlergebnis“ zeige. „Ich freue mich sehr, dass er künftig für die AfD die Interessen der Bürger seines Bezirks vertreten wird.“

Mit dem Wechsel Zechs zur AfD verlor die CSU einen von zwölf Sitzen in dem Bezirksausschuss. Die Christsozialen sind aber mit einem Sitz mehr als die SPD immer noch stärkste Fraktion.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Von

dne

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

12.05.2014, 18:35 Uhr

Die CDU/CSU hat heute mit Konservatismus oder rechter Politik genauso viel zu tun, wie Pinguine mit der Arktis -- nämlich überhaupt nichts.

Account gelöscht!

13.05.2014, 13:33 Uhr

Es gibt noch vernünftige Politiker
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Nachdem - vor allem die Merkel-CDU - die SPD schon links überholt hat, ist es nicht verwunderlich, dass auch ein CSU-Politiker zur AfD wechselt. Dort ist ökonomische Vernunft zuhause. Bei den Etablierten ist das schon lange nicht mehr der Fall. Hier geht es immer nur um Klientelpolitik und um Wahlgeschenke vor den Wahlen.
Das kann man gerade jetzt wieder beobachten.
Bei den Etablierten geht die nackte Angst um, und sie versprechen jetzt alles, nach der Wahl können sie sich natürlich nicht mehr daran erinnern.

Glückwunsch! Herr Zech, und viel Erfolg!

Account gelöscht!

14.05.2014, 20:08 Uhr

Gut Wahl getroffen. Herzlichen Glückwunsch!

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