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09.06.2014

09:32 Uhr

Wegen Zusatzbeiträgen

Krankenkassen müssen kräftig sparen

Ab 2015 kommen auf Millionen Versicherte Aufschläge zu. Grund ist die schwarz-rote Krankenkassen-Reform. Die Bundesregierung erwartet nun, dass die gesetzlichen Krankenkassen auf die Kostenbremse treten.

Grünes Licht für die Krankenkassen-Reform. Millionen Versicherte müssen mit zusätzlichen Beiträgen rechnen. dpa

Grünes Licht für die Krankenkassen-Reform. Millionen Versicherte müssen mit zusätzlichen Beiträgen rechnen.

Berlin Zur Vermeidung hoher Zusatzbeiträge werden die gesetzlichen Krankenkassen nach Prognosen der Bundesregierung künftig wohl spürbar die Kostenbremse treten. Die im Bundestag vor wenigen Tagen beschlossene Kassen-Finanzreform werde dazu führen, „dass die Krankenkassen effizient wirtschaften und eine qualitativ gute Versorgung anbieten müssen, um ihre Mitglieder zu halten“, heißt es in einer Antwort des Gesundheitsressorts auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag, die der Nachrichtenagentur dpa in Berlin vorliegt.

„Die Zusatzbeiträge werden dadurch möglichst niedrig gehalten“, so die Regierung. Die Kassen würden zudem ihre Finanzreserven stärker einsetzen. Die Regierung werde auch darauf achten, dass die Ausgaben nicht in die Höhe schnellen. Ab 2015 können die Kassen vom Einkommen abhängige Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern verlangen.

Die Regierung wies auch darauf hin, dass die Aufsichtsbehörden klammen Kassen die Erhöhung ihrer Zusatzbeiträge notfalls vorschreiben können - für den Fall, dass die Kasse dies scheut, um keine Kunden zu vergraulen. Ob es zu stärkeren Wechselbewegungen zwischen Kassen oder Fusionen von Versicherungen kommt, sei nicht vorherzusagen. Wenn durch Fusionen aber Synergieeffekte entstünden, „werden diese von der Bundesregierung begrüßt“.

Sozialverbände, aber auch Vertreter des Gesundheitssektors warnen davor, dass Krankenkassen wegen des steigenden Spardrucks Leistungen einschränken könnten.

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink kritisierte vor allem, dass die Bundesregierung eine prozentuale Belastungsgrenze für Geringverdiener für entbehrlich hält. Die Regierung begründet dies damit, dass die Zusatzbeiträge künftig ja prozentual vom Einkommen erhoben werden.

Wer beim Wechsel in die GKV hilft

Die Helfer

Anwälte, Rentenberater oder Mitarbeiter von Krankenkassen kennen sich im Sozialrecht am besten aus, wenn Privatpatienten von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) möchten. Auch Verbraucherschützer leisten Hilfestellung.

Anwalt.de

Die Internetseite anwalt.de bietet eine Suche nach Anwälten für Sozialrecht

Anwaltsuche

Auch die Internetseite Anwaltsuche liefert Spezialisten im Sozialrecht sowie weitere Informationen zum Thema

Anwaltsverein

Im Deutschen Anwaltsverein gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für Sozialrecht. Auch hier wird auf eine Online-Anwaltsuche verwiesen. Einen Anwalt finden Interessenten hier auch über das Telefon 01805-181805. Die Auskunft selbst ist kostenlos, das Telefonat kostet – aus dem Festnetz – 0,15 Euro pro Minute.

Anwalt-Suchservice

Ein weiterer Dienst im Internet, um einen geeigneten Anwalt zu finden, ist der Anwalt-Suchservice

Ombudsmann

Der Ombudsmann für Versicherungen ist eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle, welche bei Meinungsverschiedenheit mit Versicherungsunternehmen die Entscheidungen der Versicherer neutral überprüft.

Bund der Versicherten

Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten setzt sich für die Rechte der Verbraucher im Versicherungswesen ein.

Krankenkassen

Für die Techniker Krankenkasse, die 7,8 Millionen gesetzlich Versicherte betreut, sind Beratungen für Wechselinteressenten inzwischen Routine. Für PKV-Kunden ist die Kasse in den letzten Jahren ein attraktives Ziel gewesen. Allein 2011 kam 68.000 Personen aus der PKV.

Verbraucherzentralen

In den Verbraucherberatungsstellen tauche die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die GKV zwar immer wieder auf, stellte Ilona Köster-Steinebach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen jüngst fest. Gerade nach deutlichen Prämienerhöhungen wachse das Interesse an den gesetzlichen Kassen. Zu ihnen gebe es für Privatversicherte aber nur sehr begrenzten Zugang. Der Beratungsschwerpunkt liegt eher auf der Tarifwechselberatung innerhalb der PKV

 

„Die schwarz-rote Koalition hat kein soziales Gewissen“, monierte Klein-Schmeink. Bislang gelte immerhin, dass für Bezieher kleiner Einkommen bei zwei Prozent Zusatzbeitrag Schluss sei. Viele Arbeitnehmer bekämen die Aufschläge rasch zu spüren. „Schon bis 2017 werden sie Zusatzbeiträge von mehr als zwei Prozent bezahlen müssen“, sagte sie der dpa.

Zwar sinkt der Beitragssatz Anfang 2015 von 15,5 auf 14,6 Prozent. Im Gegenzug wird den Kassen aber die Möglichkeit gegeben, die lohnabhängigen Aufschläge zu erheben. Gesundheitsökonom Jürgen Wasem hatte bereits vor Monaten den Zusatzbeitrag für 2017 im Schnitt auf 1,3 bis 1,5 Prozent vom Einkommen taxiert, das Bundesversicherungsamt auf 1,6 bis 1,7 Prozent.

Die mitgliederstärkste Kasse Barmer GEK zeigte sich auf Anfrage zurückhaltend. „Eine verlässliche Prognose zum künftigen Beitragssatz ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich“, sagte eine Sprecherin. „Seriöse Aussagen wird es erst im Herbst geben können.“ Dann legt ein offizieller Schätzerkreis Ergebnisse vor.

Von

dpa

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