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11.05.2013

15:08 Uhr

Weitere Berufungen

Steinbrücks Schattenkabinett nimmt Formen an

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat offenbar weitere Mitglieder in sein Schattenkabinett berufen. Darunter soll ein Vertrauter von Parteichef Sigmar Gabriel sein. Kritik gibt es bereits am Arbeitsminister in spe.

Kabinett im Schatten: Peer Steinbrück setzt sein „Kompetenzteam“ zusammen. dpa

Kabinett im Schatten: Peer Steinbrück setzt sein „Kompetenzteam“ zusammen.

BerlinSPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will mit der Präsentation seines kompletten Wahlkampfteams noch warten. Weitere Mitglieder würden zu gegebener Zeit bekanntgegeben, sagte sein Sprecher Michael Donnermeyer am Samstag auf Anfrage. Nach einem Bericht des Magazins „Focus“ soll Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) die Themen Energie, Infrastruktur und Aufbau Ost übernehmen. Hamburgs Justizsenatorin Jana Schiedek (SPD) soll für Justiz zuständig sein. Steinbrücks Sprecher bezeichnete dies als Spekulationen. Fest stehen drei Team-Mitglieder, die an diesem Montag vorgestellt werden sollen.

Der Chef der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Klaus Wiesehügel soll für Arbeit und Soziales verantwortlich zeichnen. Für Inneres soll der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, sprechen. Die Design-Professorin Gesche Joost soll die Themen Netzpolitik und Internet vertreten. Die gebürtige Kielerin ist seit 2010 Professorin für Designforschung an der Universität der Künste Berlin.

Steinbrücks Hintermannschaft

Kleines Team von Vertrauten

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.

Andrea Nahles

Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.

Rolf Kleine

Rolf Kleine ist ein alter Hase des Berliner Politikbetriebs. Der gelernte Redakteur arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die „Bild“-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um als Head of Public Affairs die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

Kleine arbeitete unter anderem bei den „Westfälischen Nachrichten“, der Nachrichtenagentur ddp und der „Berliner Zeitung“. Insgesamt 17 Jahre schrieb er für Springer, zuletzt mehrere Jahre vor seinem Ausscheiden als Co-Leiter des Hauptstadtbüros. „Bild“ hatte damals mitgeteilt, Kleine gehe auf eigenen Wunsch.

Kleine war regelmäßig Gast in Talkshows und Fernsehmagazinen, so auch bei N24 im „Politischen Quartett“. Titel einer Jubiläumssendung vor fast genau 10 Jahren, im April 2003: „Lust am Untergang - Stürzt die SPD ihren Kanzler?“ Die Deutsche Annington, die Kleine nun wieder verlässt, gehört nach eigenen Angaben mit rund 180 000 eigenen Wohnungen und etwa 2400 Mitarbeitern zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen.

Hans-Roland Fäßler

Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr und Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.

Matthias Machnig

Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete 1998 und 2002 erfolgreich die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.

Heiko Geue

Heiko Geue ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.

Timo Noetzel

Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".

Torsten Schäfer-Gümbel

Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.

Jarmila Schneider

Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.

Der Sprecher des Thüringer Wirtschaftsministeriums, Stephan Krauß, sagte am Samstag auf Anfrage zu dem Bericht: „Machnig kann dies nicht bestätigen.“ Der Minister werde sich „an Spekulationen, wer, wann und wie als Mitglied in das Wahlkampfteam berufen wird, nicht beteiligen. Das ist allein die Entscheidung des Kanzlerkandidaten.“ Senatorin Schiedek wollte sich nicht äußern, wie ihr Sprecher sagte.

Den Bereich Bildung im Steinbrück-Team könnte laut „Focus“ die Präsidentin des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, übernehmen. Der Sprecher des Zentrums, Paul Stoop, sagte auf Anfrage am Samstag, Allmendinger wolle zu den Gerüchten keine Stellung nehmen.

SPD-Schattenkabinett: IG-Bau-Chef ist Steinbrücks Arbeitsminister in spe

SPD-Schattenkabinett

IG-Bau-Chef ist Steinbrücks Arbeitsminister in spe

Peer Steinbrück bastelt an seinem Schattenkabinett. Arbeit und Soziales soll IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel übernehmen – ein scharfer Kritiker der Agenda-2010. Für Netzpolitik ist eine Design-Professorin vorgesehen.

Die Linkspartei kritisierte die Berufung Wiesehügels in das Team und legten ihm nahe, den Gewerkschaftsvorsitz ruhen zu lassen. „Er muss sich entscheiden, Sozialdemokrat oder Gewerkschafter, für Rentenkürzungen oder dagegen“, sagte Linke-Chef Bernd Riexinger der „Passauer Neuen Presse“.

Die CDU reagierte mit Spott. „Wenn man den entschiedenen Agenda-2010-Befürworter Oppermann und den entschiedenen Agenda-2010-Gegner Wiesehügel in ein Team beruft, dann braucht man wohl eine Rhetorik-Expertin, um die Unglaubwürdigkeit dieses Zick-Zack-Kurses zu bemänteln“, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe der „Welt“.

Von

dpa

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

11.05.2013, 12:07 Uhr

Gibt es in diesem " Schattenkabinett " keine zuständige Person für Pferdezucht, -haltung etc. ? Also ich wäre ja nicht abgeneigt auch diesen Posten in meinem dichtgedrängten Terminkalender noch zu übernehmen und damit Kompetenz auszustrahlen.

Dunkler_Schatten

11.05.2013, 12:48 Uhr

Viel Schatten, wenig Licht...

Revisor

11.05.2013, 13:07 Uhr

"Kritik gibt es bereits am Arbeitsminister in spe. "

Wieso sollte denn irgendeinen vernünftigen Menschen interessieren, was die Kommunisten Gisi und Wagenknecht dazu meinen ???

Berichten Sie doch bitte lieber über Gisis Stasi-Vergangenheit...

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