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06.11.2014

20:06 Uhr

Weitergabe von Interna

Weitere Ermittlungen in Wulff-Affäre

Wer hat in der Affäre um Ex-Bundespräsident Christian Wulff vertrauliche Informationen an die Medien weitergegeben? Dieser Frage will die Staatsanwaltschaft Göttingen jetzt nachgehen – und geht von Straftaten aus.

Christian Wulff trat Anfang 2012 vom Amt des Bundespräsidenten zurück. AFP

Christian Wulff trat Anfang 2012 vom Amt des Bundespräsidenten zurück.

HannoverIm Zusammenhang mit der Affäre um Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat die Staatsanwaltschaft Göttingen Ermittlungen wegen Weitergabe streng vertraulicher Informationen eingeleitet. Es soll geprüft werden, wer damals Interna aus den Ermittlungen gegen Wulff an die Medien verraten habe.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Buick, sagte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Freitag): „Wir gehen davon aus, dass es Straftaten gegeben hat.“ Gegen wen ermittelt wird, sagte er dem Bericht zufolge nicht.

Die Wulff-Affäre

25. Oktober 2008

Christian Wulff, damals niedersächsischer Ministerpräsident, erhält von der Unternehmergattin Edith Geerkens einen Privatkredit über 500 000 Euro zum Kauf eines Hauses.

18. Februar 2010

Wulff antwortet auf eine Anfrage im niedersächsischen Landtag, er pflege zum Unternehmer Egon Geerkens keine geschäftlichen Beziehungen - und verschweigt den Kredit.

13. Dezember 2011

Die „Bild“-Zeitung berichtet erstmals über Wulffs Hauskauf-Finanzierung. Zuvor hatte der Bundespräsident auf der Mailbox von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann mit Konsequenzen gedroht, falls die Geschichte erscheint.

15. Dezember 2011

Wulff bedauert in einer schriftlichen Mitteilung, den Hauskredit vor dem niedersächsischen Landtag nicht erwähnt zu haben.

22. Dezember 2011

Wulff entschuldigt sich öffentlich für die entstandenen Irritationen.

16. Februar 2012

Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragt die Aufhebung der Immunität Wulffs, um Ermittlungen führen zu können.

17. Februar 2012

Wulff erklärt seinen Rücktritt. Die Staatsanwaltschaft beginnt mit ihren Ermittlungen wegen möglicher Vorteilsannahme. Es geht um zwei Urlaube auf Sylt 2007 und 2008 und einen Oktoberfest-Besuch mit Hotelübernachtung 2008, die der Filmproduzent David Groenewold zunächst bezahlt haben soll.

2. März 2012

Kriminalbeamte und ein Staatsanwalt durchsuchen Wulffs Wohnhaus in Großburgwedel bei Hannover.

8. März 2012

Wulff wird mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Viele Prominente bleiben der Zeremonie fern.

22. Juli 2012

Neue Vorwürfe werden bekannt. Wulff soll sich als Ministerpräsident dafür eingesetzt haben, der Versicherungswirtschaft Vorteile zu verschaffen. 2008 verbrachten die Wulffs ihre Flitterwochen im Haus eines Versicherungsmanagers in Italien.

22. Juli 2012

Neue Vorwürfe werden bekannt. Wulff soll sich als Ministerpräsident dafür eingesetzt haben, der Versicherungswirtschaft Vorteile zu verschaffen. 2008 verbrachten die Wulffs ihre Flitterwochen im Haus eines Versicherungsmanagers in Italien.

7. Januar 2013

Die Wulffs haben sich „einvernehmlich räumlich“ getrennt, wie der Anwalt der Eheleute bestätigt.

16. März 2013

Ein Angebot der Staatsanwaltschaft über einen Deal wird bekannt. Wenn Wulff und Groenewold zusammen 50 000 Euro zahlen, sollen die beiden Verfahren eingestellt werden. Mittlerweile wird wegen Bestechlichkeit (Wulff) und Bestechung (Groenewold) ermittelt.

Noch bevor der Antrag auf Aufhebung von Wulffs Immunität gestellt wurde, waren in der Öffentlichkeit immer wieder Details bekanntgeworden. Der Beginn der Ermittlungen wegen Vorteilsannahme hatte Anfang 2012 zu Wulffs Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten geführt. Das Landgericht Hannover sprach ihn im Februar frei.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

06.11.2014, 20:37 Uhr

"Der Beginn der Ermittlungen wegen Vorteilsannahme hatte Anfang 2012 zu Wulffs Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten geführt. Das Landgericht Hannover sprach ihn im Februar frei."

Welche Schlüsse ziehen wir daraus?

Welche Schlüsse sollen wir daraus ziehen und wie zuverlässig sind Urteile an Hannovers Gerichten?

Herr Wolfgang Trantow

10.11.2014, 13:13 Uhr

Warum will man Hr. Wulff unbedingt freisprechen, wo er die Beseitigung der Pressefreiheit wollte? Dies ist sein Vergehen!!

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