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24.11.2015

15:30 Uhr

Weltkongress Bioökonomie

„Wir stehen noch am Anfang"

VonSilke Kersting

Bioökonomie-Experte Joachim von Braun im Interview mit dem Handelsblatt über den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Terror, nachhaltiges Wirtschaften und Klimaflüchtlinge.

BerlinJoachim von Braun ist Agrarwissenschaftler und Vorsitzender des Bioökonomierats. Er berät die Bundesregierung über die nachhaltige Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und welchen Beitrag sie im Kampf gegen Klimawandel, Hunger und Armut leisten kann. Am Mittwoch findet in Berlin der erste Weltkongress Bioökonomie statt. Es werden mehr als 900 Vertretern aus 80 Ländern erwartet.

Joachim von Braun ist Vorsitzender des Bioökonomierats und Agrarwissenschaftler. (Quelle: biooekononmierat.de)

Im Interview

Joachim von Braun ist Vorsitzender des Bioökonomierats und Agrarwissenschaftler. (Quelle: biooekononmierat.de)

Herr von Braun, was ist mit dem Begriff Bioökonomie gemeint?

Es geht darum, dass die Unternehmen nicht fossile, sondern biologische Ressourcen und biobasierte Prozesse nutzen, um damit Produkte und Dienstleistungen zu erstellen und anzubieten und auf diese Weise nachhaltiger wirtschaften.

Das heißt, ohne Bioökonomie ist das Weltklima nicht zu retten?

Das sehen wir so. Die Bioökonomie ist ein Kernelement auf dem Weg zu einer dekarbonisierten Wirtschaft, wie sie die Bundesregierung im Laufe des Jahrhunderts anstrebt. Ohne Bioökonomie wird es nicht gelingen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

Und die Folgen wie Dürren oder Überflutungen würden dann die Zahl der Klimaflüchtlinge steigen lassen ...

Sicher. Die zunehmende Anzahl von Extremereignissen wie Dürren oder Überflutungen, aber auch die extreme Luftverschmutzung in vielen dichtbesiedelten Regionen führt dazu, dass sich Menschen auf den Weg in andere, klimabegünstigte Regionen machen.

Erhöhen die Anschläge in Paris den Druck auf eine Einigung beim bevorstehenden Weltklimagipfel?

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Terror erscheint mir nicht konstruiert. Wenn sich durch den Klimawandel und anderen Umweltstress die Lebensverhältnisse von Hunderttausenden von Menschen verschlechtern, ist das geradezu eine Brutstätte für Ideologen, die dann den Terror möglicherweise auch in Europa verbreiten.

Wie weit sind wir auf dem Weg, die fossile Wirtschaft durch eine biobasierte Wirtschaft abzulösen?

Wir stehen noch sehr am Anfang - aber haben viele Fortschritte gemacht. Deutschland ist sicherlich führend, wenngleich wir uns wünschen, dass die großen Branchen wie die Chemiebranche, der Maschinenbau oder die Automobilindustrie sich noch deutlich intensiver mit neuen, biobasierten Werkstoffen beschäftigen würden. Andere Länder holen jedenfalls auf. Mittlerweile entwickeln 45 Staaten weltweit Strategien, um ihre Wirtschaft zu biologisieren. Es ist ja nicht nur der Klimawandel, der ein Umdenken erfordert.

Was noch?

Veränderte Verbraucherpräferenzen zum Beispiel. Immer mehr Menschen, und das nicht nur in Deutschland, wollen nachhaltige Produkte kaufen.

Herr von Braun, danke für das Gespräch.

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