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07.03.2017

15:20 Uhr

Wenig Wettbewerb unter Krankenkassen

GKV und PKV – Experten fordern Reformen

VonPeter Thelen

Die Monopolkommission der Bundesregierung sorgt sich um das Gesundheitssystem. Experten fordern Wahltarife für gesetzlich Versicherte und bessere Wechselmöglichkeiten für Privatpatienten. Die Finanzierung ist in Gefahr.

Es gibt dringende Änderungsbedarf im Gesundheitssystem. dpa

Zu wenig Wettbewerb bei den Kassen

Es gibt dringende Änderungsbedarf im Gesundheitssystem.

BerlinDie Monopolkommission der Bundesregierung hält mehr Wettbewerb um Qualität und Preise bei den gesetzlichen und privaten Krankenkassen für erforderlich, soll das deutsche Gesundheitssystem auch in einer alternden Bevölkerung finanzierbar bleiben. „Die Intensivierung des Wettbewerbs innerhalb der Krankenversicherungssysteme ist Voraussetzung, um eine bessere Versorgung für die Versicherten zu gewährleisten und die Kosten zu senken“, sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, am Dienstag bei der Vorstellung des 75. Sondergutachtens der Kommission zu Stand und Perspektiven im deutschen Krankenversicherungssystem.

Dieses ist – einmalig in der Welt – durch eine Besonderheit gekennzeichnet. Die meisten Menschen in Deutschland sind verpflichtet, sich gesetzlich zu versichern, weil sie als Arbeitnehmer ein Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze von derzeit 57.600 Euro im Jahr verdienen. Beamte, Selbstständige und Arbeitnehmer mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze haben dagegen die Möglichkeit, sich privat zu versichern. Davon machen derzeit etwa neun Millionen Menschen Gebrauch, die bei einem privaten Versicherungsunternehmen voll versichert sind. 24 der 70 Millionen gesetzlich Versicherten machen von der Möglichkeit Gebrauch, für bestimmte Leistungsbereiche wie Zahnersatz oder Einbettzimmer und Chefarztbehandlung im Krankenhaus eine Zusatzversicherung abzuschließen.

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Den privaten Krankenversicherern in Deutschland gehen die Mitglieder aus.

Die Monopolkommission stellt in ihrem Gutachten die Unterscheidung zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung nicht grundsätzlich in Frage, macht sich also nicht Forderungen nach einer Bürgerversicherung zu eigen, wie sie derzeit von der SPD, den Grünen und der Linken vertreten werden. Sie fordert vielmehr mehr Wettbewerbselemente in beiden Welten: In der Welt der Privatpatienten und in der Welt der gesetzlich Versicherten.

Private Krankenversicherung (PKV) und gesetzliche Krankenversicherung (GKV) müssten vor allem die Chancen der Digitalisierung wahrnehmen, wie etwa eine bessere Prävention gegen Krankheiten durch individuelle, App-basierte Dienste oder besser abgestimmte Behandlungsabläufe durch die Vernetzung von Ärzten, Patienten und Versicherungen, heißt es in dem Gutachten.

Mit Blick auf eine bessere Vernetzung von Ärzten, Patienten und Versicherungen wünscht sich die Kommission, dass gesetzliche Krankenkassen das Recht erhalten, ihren Versicherten „Wahltarife“ anzubieten. Dabei schwebt der Monopolkommission vor, dass der bisherige gesetzliche Leistungskatalog Teil eines Standardtarifs wird, den alle gesetzlichen Kassen anbieten müssen. Die daneben von den Kassen anzubietenden Wahltarife sollen billiger sein als der Standard-Tarif. Dies soll dadurch ermöglicht werden, dass der Versicherte den Krankenkassen mit Abschluss des Wahltarifs das Recht einräumt, die medizinische Versorgung stärker zu steuern.

Wichtige Leistungen der PKV

Auslandsschutz

Ein guter Tarif sollte dem Versicherten einen Versicherungsschutz im außereuropäischen Ausland bieten, auch wenn er sich dort länger als einen Monat aufhält.

Umzug ins Ausland

Wer seinen gewöhnlichen Aufenthalt ins europäische Ausland verlegt, sollte weiter versichert bleiben – und beim Arztbesuch nicht draufzahlen. Wichtig ist, dass der Tarif auch die Vergütung übernimmt, die im Ausland anfällt – selbst, wenn sie über der inländischen Vergütung liegt.

Hilfsmittel

Alle und nicht nur bestimmte Hilfsmittel sollten erstattet werden. Zu den Hilfsmitteln zählen zum Beispiel ein motorisierter Rollstuhl oder ein Atemgerät.

Psychotherapie

Lässt sich der Patient ambulant psychotherapeutisch behandelt, sollte ein guter Tarif die Kosten übernehmen.

Erstattung über die (Regel)höchstsätze hinaus

Ein guter Tarif sollte dem Patienten im ambulanten Bereich über die Regelhöchstsätze (bis zum 2,3-Fachen der regulären Vergütung) der Gebührenordnung hinaus Kosten erstatten, besser noch über die Höchstsätze (dem 3,5-Fachen der regulären Sätze) der Gebührenordnung hinaus. Im stationären Bereich ist eine Vergütung über die Höchstsätze hinaus erstrebenswert.

Chefarztbehandlung

Wer stationär im Krankenhaus behandelt wird, sollte das Recht haben, die Chefarztbehandlung zu bekommen.

Zahnersatz

Wichtige Leistungen im Bereich Zahnersatz sind Brücken, Prothesen, Kronen, Inlays und Implantate. Dafür sollte der Versicherer aufkommen.

Uneingeschränkte Erstattung

Der Versicherer sollte dem Versicherten Kosten uneingeschränkt erstatten – ohne sie zeitlich zu strecken, weil er jährlich maximal nur Betrag X erstattet.

So könnte der Versicherte sich wie im bereits existierenden Hausarzttarif verpflichten, bei Erkrankung immer zuerst den Hausarzt aufzusuchen. Die Kasse soll zudem das Recht erhalten, im Rahmen eines Wahltarifs die Zahl der Leistungsanbieter, zu denen der Versicherte gehen kann, zu begrenzen. Dabei soll die Auswahl der Anbieter sowohl nach Kosten- als auch nach Qualitätskriterien erfolgen. Versicherte, die Ärzte aufsuchen, die nicht in ihrem Wahltarif enthalten sind, sollen dafür extra zahlen müssen - zum Beispiel eine Praxisgebühr. Für die Wahltarife sollen die Kassen Verträge mit den Leistungsanbietern ihrer Wahl schließen dürfen. Dabei spricht sich die Kommission ausdrücklich dafür aus, den Kassen auch das Recht zu geben, regional begrenzte Tarife aufzulegen.

Bislang schließen die Kassen gemeinsam und einheitlich Verträge mit allen Ärzten und Krankenhäusern auf Landesebene ab, die zur Versorgung von Kassenpatienten zugelassen sind. Dieses kollektive Vertragssystem wird mit dafür verantwortlich gemacht, dass das deutsche Gesundheitssystem wenig effizient arbeitet. „Wir zahlen für einen Porsche, bekommen aber nur einen Golf“ wird dieser Zustand von Experten kritisiert. Wahltarife mit einem gezielt ausgewählten Angebot von Ärzten und Kliniken könnten diese Effizienzprobleme vermeiden. Dabei soll der Tarifwettbewerb zwischen den derzeit 113 Kassen dafür sorgen, dass Wahltarife nicht zu einer Einschränkung oder Verschlechterung der Versorgung führen. Der Versicherte hat die Wahl und kann sich im Zweifel mit der Entscheidung für den Standardtarif auf die sichere Seite bringen.

Kommentare (22)

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Rainer von Horn

07.03.2017, 14:49 Uhr

Man sollte insbesondere die GKV -überhaupt die gesetzlichen Sozialversicherungen- dahingehend reformieren, daß Versicherungsleistungen ausschliesslich dem Kollektiv zugute kommen dürfen. Leistungen für z.B aktuell zugereiste Nichtversicherte sind aus Steuermittel zu bezahlen. Und es sind für Nichtbeitragszahler auch KEINE BESSEREN LEISTUNGEN als den versicherten zu gewähren, was regelmässig vorkommt. Zudem sollte viel mehr Transparenz hinsichtlich der abgerechneten Leistungen (z.B. ein vom Patienten obligatorisch zu unterschreibender Leistungsbeleg) eingeführt werden und die Möglichkeit des Abrechnungsbetruges minimiert werden. Und erwischte Abrechnungsbetrüger (die sich am Kollektiv bereichern) sind als Betrüger abzuurteilen und nicht wie in Bayern kürzlich gesehen unverfolgt zu bleiben.

Ansonsten -also bei beitragszahlerfremder Verwendung sind Sozialversicherungsbeiträge nichts anderes als: STEUERN!

Solange die Beiträge auch für staatliche Ideologien ausgegeben und zweckentfremdet werden und der Abrechnungsbetrug grassiert, bleibnt die GKV ein Dauerpatient.

Account gelöscht!

07.03.2017, 14:49 Uhr

Wenn Private Krankenkassen innerhalb von 10 Jahren ihre Beiträge für ihre Mitglieder mehr als verdoppeln müssen, so spricht dies nicht für ein gesundes Krankenversicherungssystem, aber für einen dicken Geldbeutel für die Ärzte.

Einer muß ja schließlich das Geld haben. Die Bürger jedenfalls zahlen die Zeche, wie immer.

Und die GKV-Versicherten zahlen es seit vielen Jahren mit enormen Leistungsverzicht oder dann halt aus privatem Portemonnaie

Account gelöscht!

07.03.2017, 14:52 Uhr

Und die Quadratur des Kreises schließt sich und man wundert sich noch im zukünftigen Deutschland.

Oh Wunder!

1+1 ist immer noch im Endergebnis 2.

Die Mathematik scheint unsere Politikerinnen im Elfenbeinturm zu überfordern.

Na dann.

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