Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.08.2012

13:16 Uhr

Wenige Gemeinsamkeiten

Piraten gehen auf Tuchfühlung mit der Linken

VonJohannes C. Bockenheimer

Piratenvorstand Schlömer und Linksparteichefin Kipping haben auf einer Podiumsdiskussion Gemeinsamkeiten gesucht. Doch die Piraten sehen sich eher pragmatisch und sperren sich gegen eine linke Ideologie.

Die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, und Pirat Bernd Schlömer sind politisch weiter voneinander entfernt. dpa

Die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, und Pirat Bernd Schlömer sind politisch weiter voneinander entfernt.

Berlin"Update oder neues Betriebssystem" – unter diesem Motto hatten am Donnerstagabend Piratenvorstand Bernd Schlömer die Linksparteichefin Katja Kipping zur Podiumsdiskussion in Berlin geladen. Man wollte fernab der üblichen Gehässigkeiten der politischen Bühne in einer „konstruktive Auseinandersetzung“ Gemeinsamkeiten eruieren und sich beschnuppern.

Doch der ursprüngliche Plan der Piraten wurde von Kipping durchkreuzt. Schon wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung polterte die Linken-Chefin in einem Zeitungs-Interview, dass den Piraten von heute das Freibeuter-Gen ihrer historischen Namensvetter fehle. Wer keine höhere Reichensteuer wolle, so Kipping, könne auch keinen Politikwechsel finanzieren. Und nach diesem Schema versuchte die Linken-Chefin später auch, sich an den Piraten abzuarbeiten.

Eingangs versuchte Kipping dabei noch den Chefpiraten zu umschmeicheln, so sehe sie bei den Piraten "vieles, was sympathisch ist", sagte sie. Als Beispiele nannte sie die Forderung nach kostenlosem Nahverkehr und mehr direkter Demokratie. Vor allem aber das bedingungslose Grundeinkommen hat es der Linken-Politikerin angetan. Allein die Umsetzung und verwies einmal mehr auf das, auf die Einführung einer Reichensteuer.

Mit Expertenhilfe: Piratenpartei nimmt Kurs auf die Euro-Krise

Mit Expertenhilfe

Piratenpartei nimmt Kurs auf die Euro-Krise

In Wirtschaftsfragen gilt die Piratenpartei als wenig kompetent. Bis jetzt. Mit prominenter Unterstützung wollen die Polit-Freibeuter nun in die Offensive gehen und mit dem Thema Euro-Krise punkten.

Und an diesem Punkt war dann auch Schluss mit den Gemeinsamkeiten zwischen Piraten und Linken: Schlömer ließ die Linken-Politikerin recht deutlich wissen, dass ihr Herzanliegen mit den Zielen der Piraten nur schwer vereinbar sein dürften: "Ich glaube, dass wir nicht immer mit neuen Forderungen nach neuen Steuerarten die Diskussion anheizen sollten." Stattdessen votierte der Pirat für „klares, einfaches und gerechtes Steuersystem.“ Das klang hübsch, war Moderator Augstein aber zu nebulös beschrieben. Also legte Schlömer nach und ließ durchblicken, dass das System, das ihm vorschwebe, wohl „eher“ Richtung Paul Kirchhof gehe.

Während für Schlömer der CDU-nahe Steuerrechtler Vorbild sein mag, ist er für Kipping eher ein Feindbild. Für einen kurzen Augenblick wirkte sie wie in den Schockzustand versetzt. Nur langsam erholte sie sich wieder: "Das finde ich jetzt schon ein Problem." Und legte erneut nach, immer in der Hoffnung, Schlömer doch noch zu einer versöhnlichen Aussage zur Reichensteuer zu bewegen zu können: "Die Frage ist doch: Seid ihr bereit für eine Umverteilung von oben nach unten?" Das war Schlömer offensichtlich nicht, er zog es vor zu schweigen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

03.08.2012, 13:44 Uhr

Diese Kipping war ohnehin die schlechteste Wahl die die Linke getroffen hat.
Mit diesem linken Mäuschen kommen die nicht wieder nach oben

Asimi

03.08.2012, 13:47 Uhr

Piraten, verraten ! Sind sowieso linke Ableger !

hartmut.w.gloeckner

03.08.2012, 14:09 Uhr

Die Strukturen sind im Augenblick noch zu sehr von linksextremer Ideologie geprägt, so das diese Repräsentantin der LINKEN längst Vergangenheit ist. Sarah Wagenknecht hingegen scheint volkswirtschaftlich über den Tellerrande sehen zu können und mag nach "Feinschliff" eine prägnante Vordenkerin werden.
Die Geschmeidigkeit ist ihr in die Wiege gelegt; auch wenn sie strategisch dies im Augenblick kategorisch dementieren würde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×