Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.12.2016

17:13 Uhr

Weniger Mitglieder, steigende Kosten

SPD buhlt um PKV-Kunden

VonPeter Thelen

Den privaten Krankenversicherern in Deutschland gehen die Mitglieder aus. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht das Modell der PKV vor einer düsteren Zukunft – und prognostiziert: „Keine Überlebenschance.“

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, sagt: „Die PKV hat ein Demografierisiko.“ dpa

SPD-Gesundheitsexperte

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, sagt: „Die PKV hat ein Demografierisiko.“

BerlinNachdem neue Zahlen bekannt wurden, denen zufolge die privaten Krankenversicherungen in Deutschland bereits seit fünf Jahren mehr Mitglieder verlieren, als sie neu von den gesetzlichen Krankenkassen abwerben, läutet die SPD das Totenglöckchen für die rund 40 privaten Krankenversicherungsunternehmen. „Die Zahlen zeigen deutlich, dass die PKV keine Überlebenschance mehr hat“, so der stellvertretenden Fraktionsvorsitzender der SPD Karl Lauterbach.

Die PKV müsse verschwinden und das nicht nur, weil sie verantwortlich dafür sei, dass es in Deutschland eine Zwei-Klassen-Medizin gebe. Das Problem sei vielmehr, dass sich dieses Geschäftsmodell nicht mehr lange halten könne. „Die PKV hat ein doppeltes Demografieproblem“ erläuterte Lauterbach. Zum einen hat sie anders als die gesetzliche Krankenversicherung keinerlei Stellschrauben, um die Behandlungskosten ihrer Versicherten zu steuern. „Sie sieht sich daher mit einem ungebremsten Kostenanstieg konfrontiert, der in Zukunft wegen der Alterung der Gesellschaft stark zunehmen wird.“

Pro & Contra Private Krankenversicherung

Pro: Günstige Beiträge

Viele Tarife sind beim Abschluss des Vertrages deutlich günstiger als die Beiträge bei gesetzlichen Kassen.

Leistungsschutz

Einmal vertraglich zugesicherte Leistungen bleiben erhalten. Die Politik mischt sich nicht in den Leistungskatalog ein. Zum Vergleich: Bei der GKV können Leistungen gestrichen werden, wie etwa die Zuzahlung für eine Brille.

Individuelle Auswahl

Versicherte können ihren Leistungskatalog individuell zusammenstellen. Nicht nur Einbettzimmer, Chefarztbehandlung oder Zuzahlungen für Zahnbehandlung lassen sich optional absichern.

Leistungen reduzieren

Der Leistungskatalog kann bei steigenden Kosten auf Wunsch des Versicherten verringert werden, um die Prämie zu senken.

Rückzahlungen möglich

Wenn der Versicherer gut gewirtschaftet hat, können Beitragsrückerstattungen anfallen.

Vorsorge

Altersrückstellungen können die steigenden Kosten im Alter zumindest zu einem Teil auffangen. Trotzdem bleiben steigende Beiträge das Hauptproblem der PKV. Wie stark die Sätze steigen hängt stark an der Qualität des Tarifes.

Geringere Solidarität

Die Solidargemeinschaft unter den Versicherten greift nicht so stark wie in der GKV. Zumindest theoretisch spart jeder Versicherte einen Teil der Beiträge für sich selbst an.

Schlechte Tarife vergreisen

PKV-Versicherte hängen an der Entwicklung aller in ihrem Tarif Versicherten. Wird der Tarif geschlossen für junge, gesunde Neuzugänge, überaltert die ganze Tarifgruppe und es wird teurer.

Steigende Beiträge

Das Hauptproblem für Privatversicherte: Die Beiträge für zunächst günstige Einstiegstarife können schnell steigen. Im Neugeschäft verteuerten sich die Tarife in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um fünf Prozent per anno.

Vorkasse

Versicherte müssen die Abrechnungen selber bezahlen und bei der Versicherung einfordern.

Streitpotenzial

Ärger mit Ärzten oder Kliniken, falls die aus Sicht der Versicherung überhöhte Rechnungen stellen.

Gesundheitsprüfung

Wer nicht kerngesund ist, muss je nach früherer oder akuter Krankheit sofort höhere Beiträge zahlen oder wird abgelehnt.

Soziale Unsicherheit

Keine Solidargemeinschaft unter den Versicherten – wer die Beiträge nicht mehr finanzieren kann, muss in den abgespeckten Basistarif seines Anbieters wechseln und seinen Ärzten jedes Mal erklären, dass er zwar privat versichert ist, der Arzt aber nur sehr begrenzt abrechnen kann.

Kinder kosten

Kinder und nicht berufstätige Ehefrauen sind nicht wie in der GKV automatisch und kostenlos mitversichert.

Aufpreis für Standard-Leistungen

Viele Leistungen aus dem GKV-Katalog sind für PKV-Versicherte nicht ohne höheren Beitrag zu bekommen. Dazu zählen unter anderem Haushaltshilfen in Notfällen, spezielle Leistungen für Kinder oder Mutter-Kind-Kuren.

Untersuchungsmarathon

PKV-Versicherte gelten oft als überversorgt, weil zwecks Honorarabrechnung mehr Untersuchungen an ihnen praktiziert werden, als medizinisch nötig sind.

Quelle: wiwo.de

Diese Alterung war für die privaten Krankenversicherungen lange kein Problem, weil Versicherte die Möglichkeit hatten, in vorgerücktem Alter in die gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren. So konnten sie durch vorübergehende Senkung der Arbeitszeit ihr Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze drücken, um so versicherungspflichtig in der gesetzlichen Kasse zu werden. Dieser Weg ist den Älteren jedoch seit 2001 versperrt. Seither haben Menschen, die das 55. Lebensjahr erreicht haben, keine Möglichkeit mehr, in die gesetzliche Versicherung zurückzukehren. „Daher hat die PKV heute auch ein Demografierisiko“, sagt Lauterbach.

Von einem doppelten Risiko spricht der SPD-Gesundheitsexperte deshalb, weil die Lebenserwartung privat Versicherter um rund zehn Jahre höher sei als die der gesetzlich Versicherten. Damit werde die PKV in den kommenden Jahren immer mehr alte Versicherte unter ihren Mitgliedern haben, während der Nachwuchs an Jungen ausbleibt.

Krankenversicherung: Warum sich die PKV kaum noch lohnt

Krankenversicherung

Warum sich die PKV kaum noch lohnt

Privat Krankenversicherten drohen drastische Beitragserhöhungen. Die PKV wird immer unattraktiver.

Nach den aktuellen Angaben der Bundesregierung gingen bereits in den vergangenen fünf Jahren den PKV-Unternehmen etwa 189.000 Vollversicherte verloren. Zwischen 2012 und 2015 wechselten demnach gut 609.000 Privatversicherte in eine gesetzliche Kasse. Den Weg vom gesetzlichen ins private System gingen nur noch knapp 520.000 Versicherte. Unter dem Strich wechselten also rund 90.000 Menschen mehr von der privaten in eine gesetzliche Kasse als umgekehrt.

Für Lauterbach ist klar, dass diese Entwicklung zu einem negativen Ausleseprozess führen wird, der die Tarife der privaten Versicherer immer stärker steigen ließe. Denn klar sei, dass die Über-55-Jährigen in der PKV bleiben müssen, so Lauterbach. Eine Rückkehr in die GKV kann es nach geltendem Recht nur für die Jüngeren geben. Dies aber werde die Kostendynamik zusätzlich verschärfen.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.12.2016, 17:24 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Ludwig Dohse

14.12.2016, 17:39 Uhr

Was für ein ausgemachter Unsinn. Seit Jahren wird die gleiche Leier wiederholt.
Der PKV Versicherte verhält sich vollkommen anders als die Vollkaskoversicherten in der gesetzlichen Versicherung. Die Ausgaben pro Versicherten bei der PKV sind deswegen pro Kopf geringer weil diese nicht vollkommen hirnlos alle Nase lang zum Arzt rennen und sich auch nicht jeden Mist vom Arzt verschreiben lassen. Die denken auch noch darüber nach was richtig ist und was nicht. Abgesehen davon leiden Sie nicht am allgemeinen Deutschen Hypochondertum und sind ständig krank.
Nur davon das die "linke" ewig das gleiche erzählt wird es nicht richtiger. Die Abschaffung der GKV und die Rückkehr zu Transparenz und Selbstverantwortung mit einer privat organisierten Pflichtversicherung wäre richtig. Aber das wollen unsere Politiker ja nicht. Wir möchten lieber die derzeitige Intransparenz und Ineffizienz der AOKén weiterstärken damit die politische Klientel sich wohlfühlt. Die privaten Ersatzkassen haben wir ja schon einverleibt in dem Effizienz der einzelnen Kasse mit Ausgleichszahlungen bestraft wird. So macht man jede n Wettbewerb kaputt.

Dieser Sozialismus führt unweigerlich zur Pleite
Hat die DDR schon grandios bewiesen. Und wir müssen die Pleite wieder alle bezahlen.

Herr Ferdinand Loeffler

14.12.2016, 17:40 Uhr

"Von einem doppelten Risiko spricht der SPD-Gesundheitsexperte deshalb, weil die Lebenserwartung privat Versicherter um rund zehn Jahre höher sei als die der gesetzlich Versicherten." Ei der Daus!!!! Dann möchte Herr Lauterbach doch implizit, dass die Leute früher sterben, in dem er ihnen die Medizin zum länger leben verweigert???? Er ist ja "Experte",ha,ha, Er ist
doch privat versichert und wird sicher mit gutem Beispiel vorangehen und in die GKV wechseln, so bald es geht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×