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16.01.2007

18:44 Uhr

Werte wie Anfang der 90er

Stimmung in Ostdeutschland auf Tiefpunkt

Die Stimmung unter den Ostdeutschen ist so schlecht wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr: Nur in den Jahren nach der politischen Wende fielen die Zufriedenheitswerte bei einer wiederholt durchgeführten Studie ähnlich niedrig aus wie 2006.

HB BERLIN. Der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie des Sozialverbandes Volkssolidarität zufolge waren 2006 nur 39 Prozent der Bürger in den neuen Bundesländern mit ihrer Situation zufrieden. 2005 waren es noch 46 Prozent. Grund für die Unzufriedenheit sind in erster Linie die andauernden Reformdebatten. Niedrigere Werte wurden nur 1991 (36 Prozent) und 1990 (33 Prozent) gemessen.

Der Präsident des Sozialverbandes, Gunnar Winkler, sagte, besonders stark gesunken sei die Zufriedenheit der Menschen ab 50 Jahren - von 65 auf 49 Prozent. Befördert werde diese Entwicklung durch den Umbau des Sozialstaates. Dieser werde nicht als notwendig empfunden, „sondern als Angriff auf Lebensstandard und damit auf die Lebensqualität“.

Daher haderten die Ostdeutschen insbesondere mit ihren Zukunftsaussichten, sagte Winkler. Nur noch 20 Prozent der Menschen hätten sich darüber zufrieden geäußert, 38 Prozent hingegen seien unzufrieden und 40 Prozent hätten gemischte Erwartungen. Damit habe sich dieser Wert seit der Jahrtausendwende halbiert. Im Jahr 2000 hatten noch 42 Prozent der Menschen optimistisch in die Zukunft geschaut.

Zudem habe sich die Bewertung der eigenen wirtschaftlichen Situation verschlechtert, erklärte Winkler. Nur 25 Prozent seien 2006 mit ihrer Situation zufrieden gewesen. Ein Jahr zuvor seien es noch 35 Prozent gewesen. Dass sich ihre Lage verbessere, erwarteten der Studie zufolge die wenigsten. Im Gegenteil: 52 Prozent der Befragten geht sogar von Verschlechterungen aus, 16 Prozent erwartet keine Veränderungen und nur zehn Prozent erwartet Verbesserungen.

Das Vertrauen in die politischen Institutionen habe sich auf einem geringen Niveau stabilisiert, sagte Winkler. Nur fünf Prozent der Befragten gab der Studie zufolge an, Vertrauen in den Bundestag zu haben (2005: sechs Prozent). 62 Prozent hingegen hatten wenig oder kein Vertrauen (2005: 64 Prozent). Am meisten vertrauten die Ostdeutschen der Polizei (41 Prozent), gefolgt von Stadt- oder Gemeindeverwaltungen (25 Prozent) und den Gerichten (24 Prozent).

Der Bundesbeauftragte für die neuen Länder, Verkehrs- und Bauminister Wolfgang Tiefensee, versprach in einer Stellungnahme, er nehme die Sorgen der Menschen im Osten ernst. Der SPD-Politiker verwies aber auch auf die Erfolge wie zum Beispiel den Solidarpakt. „Die Studie belegt, dass soziale Gerechtigkeit, berufliche und soziale Chancen der Schlüssel für die weitere positive Entwicklung sind“, sagte er. Fortgesetzt werden müssten vor allem die „Überlegungen, wie man Langzeitarbeitslosen in Ostdeutschland eine Perspektive bietet.“

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