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01.04.2011

17:24 Uhr

Westerwelle-Offensive

„Da gehen einigen die Gäule durch“

Der Geduldsfaden der Partei ist gerissen. Ständig erreichen die FDP-Führung neue Nachrichten über einen drohenden Aufstand der Parteibasis gegen Westerwelle. Doch der gibt sich demonstrativ gelassen.

Guido Westerwelle. Quelle: dpa

Guido Westerwelle.

BerlinFDP-Chef Guido Westerwelle denkt derzeit nicht an einen Rücktritt. „Da gehen einigen die Gäule durch“, sagte ein Vertrauter Westerwelles am Freitag zu dapd über Medienberichte, wonach der FDP-Politiker an die Aufgabe seines Parteiamtes denke.

„Über einen angeblichen Rückzug gibt es weder eine Entscheidung noch eine Vorentscheidung.“ Im Übrigen werde der Außenminister „eine so wichtige Frage sicherlich nicht auf seiner Asien-Reise entscheiden“.

Dabei brechen in Deutschland gerade alle Dämme, wie Spitzenleute der Liberalen am Ende der schwärzesten Parteiwoche seit Jahren berichten.

Die wahrscheinlichste Lösung zeichnete sich im Verlauf des Tages im Umrissen ab: Guido Westerwelle kündigt im FDP-Präsidium am Montag seinen Rückzug vom Parteivorsitz an. Er bleibt Außenminister und Vize-Kanzler. Für die Nachfolge stehen Generalsekretär Christian Lindner und Gesundheitsminister Philipp Rösler bereit. Können sich beide nicht einigen, will Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger antreten, um die Parteispitze zu einer Erneuerung zu zwingen.

Vieles spricht dafür, dass diese demonstrative Drohung mit einer Kampfkandidatur die Führungsdebatte in der FDP dramatisch befeuert hat. Die linksliberale bayerische FDP-Landesvorsitzende steht in der FDP einerseits für hohe Glaubwürdigkeit - genau das fehlt der Westerwelle-FDP derzeit nach allen Umfragen ganz besonders.

Zum anderen ist sie aber für den besonders marktliberalen und bodenständigen Teil der Partei kaum wählbar. „Ein Himmelfahrtskommando wäre das“, hört man aus diesen FDP-Kreisen zu einer solchen Übergangslösung. Für eine dauerhafte Nachfolge läuft also alles auf Lindner oder Rösler zu.

Kommentare (7)

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01.04.2011, 18:00 Uhr

Wie eben gemeldet soll Genscher den Parteivorsitz bis Weihnachten übernehmen. Man hofft dadurch bei den kommenden Wahlen wieder zu punkten. Westwelle bleibt leider Aussenminister.. mehr Porzelan kann man nicht mehr zerschlagen. Mit Genscher wird zumindest die FDP die Chance haben sich wieder zu finden.

azaziel

01.04.2011, 18:54 Uhr

Westerwelle hat als Parteivorsitzender seine Partei in Grund und Boden geritten. Das ist aber in erster Linie eine innerparteiliche Angelegenheit. Der grosse Schaden, den er als Aussenminister anrichtet, geht uns hingegen alle an. Ich kann mir weder vorstellen, dass Westerwelle unser Land noch wuerdig vertreten kann noch, dass er von seinen auslaendischen Counterparts als Verhandlungspartner noch ernstgenommen wird. Je schneller Deutschland einen neuen Aussenminister hat, desto besser.

Man sollte es dem hochverdienten Genscher nicht zumuten, den Totengraeber seiner Partei zu machen. Ueber kurz oder lang werden wir mitansehen koennen wie die heimatlosen jungen Scharlatane der FDP sich nach anderen Spielwiesen umsehen. Mit der FDP geht es endgueltig zu Ende. Ich brauchen aber eine neue liberale Partei! Siehe Jakob Augstein auf Spiegel Online.

Account gelöscht!

01.04.2011, 19:04 Uhr

Das Peters Prinzip
Westerwelle steht kurz davor das „Peters Prinzip“ zu beweisen. So grausam wie es klingt: Jeder steigt bis zu seiner eigenen Unfähigkeit auf. Die hat er jetzt erreicht. Je eher er dass einsieht, umso so besser für ihn. Er hätte niemals Außenminister werden dürfen und die Rolle des Oppositionspolitikers verlassen. Nur diese Rolle beherrscht er. Darüber ist die Fahnenstange zu Ende. Aber er wollte mehr. Er wollte Staatsmann werden. Zurück bleibt ein irrender Mensch, der nach Unsterblichkeit strebte, eben ein einfacher Politiker.

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