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18.07.2014

13:13 Uhr

What's right?

ARD und ZDF brauchen Reformen

VonWolfram Weimer

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen steckt in der Krise. Der ZDF-Skandal ist wie beim ADAC nur ein Symptom für ein grundlegendes Problem. Die Sender gehören endlich reformiert, findet unser Kolumnist Wolfram Weimar.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Der ZDF-Skandal um gefälschte Rankings bei der Show „Deutschlands Beste!“ ist ein Duplikat der ADAC-Affäre. In beiden Fällen sind Millionen (hier Mitglieder, da Zuschauer) vorsätzlich betrogen worden. Die Häuser verstricken sich in peinliche „Aufklärungen“. Wie einst beim ADAC gibt es auch beim ZDF kleine Rücktritte und große Vorwürfe. Doch in beiden Fällen entlarvt der Skandal tiefer liegende Probleme und schwere kulturelle Deformationen.

Beide Institutionen drohen an ihrem finanziellen Erfolg zu ersticken, in Selbstgefälligkeit und einer Weltsicht, die sich ihre Regeln selber schreibt. In beiden Fällen sind die eigentlichen, die ehrenwerten Kernaufgaben zusehends verlassen worden, weil man sich in allerlei Fremdgeschäften lustvoll herumtreibt.

So wie der ADAC keine Glamour-Event-Gesellschaft für Preisverleihungen ist, so sollte das ZDF keinen plärrenden Jahrmarkt spielen und die dickste Frau, den stärksten Mann oder auch den „besten Deutschen“ (was für ein hahnebüchener Unsinn) auszeichnen. Die einen sollen Autofahrern in der Not helfen, die anderen sollen die Republik seriös informieren. Dass sind ihre Legitimationsgrundlagen.

Die Manipulationen sind nicht nur so verräterisch, weil der Respekt vor der Öffentlichkeit mit Füßen getreten wird oder sich ein zynischer Blick auf das eigene Geschäft offenbart. Das Grundproblem besteht darin, dass das ZDF überhaupt solche Shows inszeniert. Immer häufiger drängeln sich öffentlich-rechtliche Sender bei seicht-billigen Massenspektakeln mit ihren vollen Taschen in die erste Reihe der Volksbelustigung. Oder was spricht eigentlich für „Boxsport“ in ARD und ZDF? In Wahrheit handelt es sich um Prügelshows nach den miesesten Boulevardregeln der Kirmeskämpfe.

Unter dem Gejohle alkoholisierter Zuschauer schlagen sich harte Kerle gegenseitig die Schädel ein, bis die Fleischwunden aufplatzen. Die scheinseriösen Reporter von ARD und ZDF fachsimpeln dazu über den Moment, indem „wunderbare Kinnhacken“ die Unterkiefer zertrümmern und Gehirnaussetzer erprügeln. Das Show-Ornament dieser öffentlich-rechtlichen Sachkompetenz kommt aus St. Pauli, die Dramaturgie stammt aus der kriminellen Unterwelt, die bedienten Instinkte lauern noch tiefer.

Natürlich wird im Boxsport auch manipuliert, was der Ring hergibt. Aber selbst das stört die Öffentlich-rechtlichen nicht. Wie Raubtier-Sensationen werden die Gladiatoren der ARD-ZDF-Boxringe vermarktet und präsentiert – mit Abermillionen an Gebührengeldern allein für die Übertragungsrechte. Dagegen rührt sich wachsender politischer Widerstand. Es melden sich immer mehr Politiker, die den medialen Tiefschlägen Einhalt gebieten wollen, und endlich erste Erfolge damit haben.

Kommentare (6)

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Herr Markus Gerle

18.07.2014, 13:39 Uhr

Vergessen wurden den vielen unerträglichen Talk-Shows, die auch noch gleichzeitig laufen. Für mich ist es schon unerträglich, beim Durchzappen dort auch nur eine Sekunde rein schauen zu müssen. Und die extreme Höhe der Rundfunksteuer ist schon ein Hammer. Wenn es hoch kommt, schaue ich vielleicht 4 Stunden im Monat ausgestrahltes Fernsehen. Und dies dann höchstens nebenher. Habe ich mal das Verlangen nach wirklicher Fernsehunterhaltung, hole ich mir einen schönen Spielfilm aus der Videothek oder streame online. Da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis. Meiner Meinung nach brauchen ARD und ZDF daher keine Reformen. Man sollte sie einfach abschaffen.

real .ist

18.07.2014, 13:45 Uhr

Die Öffentlich-Rechtlichen nähren sich ungeniert an den GEZ Gebühren.
Zwangsabgabe, Zwangsfernsehen und Zwangsvollstreckung bei Nichtbezahlung. Erzwungene Meinungsmanipulation

Sie sind unersättlich. Das Geld reicht nie. Es wird verplempert, weil immer neues Geld nachkommt.

Postenvergabe nach Parteibuch. Vetternwirtschaft und Klüngelei, letztlich identisch und so bieder und degeneriert, wie ein dörflicher Kegelclub.



real .ist

18.07.2014, 13:50 Uhr

Informationspolitisches Trash-TV.

Rekord - die deutschen Staatssender haben die Privatsender intellektuell unterboten.

Deutschland, im Juli 2014

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