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21.08.2015

13:56 Uhr

What's right?

China lügt sich in den Absturz

VonWolfram Weimer

Chinas Börsenkrach erschüttert die Regierung. Die hat das Volk in den Aktienkauf getrieben und will nun Aufschwung befehlen. Währung, Kurse, Medien, selbst Konjunkturzahlen sind manipuliert. Das verschlimmert die Krise.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Chinas Wirtschaft schwächelt nicht bloß. Sie erleidet regelrechte Einbrüche. Das Außenhandelsvolumen ist im ersten Halbjahr um 6,9 Prozent gesunken. Der chinesische Automarkt (immerhin der größte der Welt) verzeichnete im Juli mit 7,1 Prozent den stärkten Absatzrückgang seit zweieinhalb Jahren. Die Verkaufszahlen sind nun bereits den vierten Monat in Folge rückläufig. Immer mehr Branchen signalisieren eine scharfe Abkühlung der Konjunktur.

Selbst die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua spricht inzwischen von einem „Signal dafür, unter welch hohem Abwärtsdruck die Wirtschaft steht“. Wo immer man hinschaut – Industrieproduktion, Anlageinvestitionen, Einzelhandel – zeigen die offiziellen Angaben des Statistikamtes schlechtere Daten als erwartet. Und dabei sind die offiziellen Daten häufig geschönt.

Besonders eine Zahl steht ideologisch fest wie die chinesische Mauer: 7 Prozent. Diese Wachstums-Planvorgabe der Regierung wird auf wundersame Weise immer exakt erfüllt – Quartal für Quartal, obwohl jeder Chinese weiß, dass das nicht sein kann. Doch die Regierung scheut sich, die magische Marke aufzugeben – und befeuert damit bloß das Misstrauen in die wahre Lage Chinas.

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Ein Blick in den Hamburger Hafen ist da schon erhellender. Denn dort sind die China-Umsätze im ersten Halbjahr bereits um 10,9 Prozent zurückgegangen.

Offenbar ist man in Peking der Meinung, dass die Wahrheit ein Feind der Partei sein und die Lage an den Märkten nur noch verschlimmern könnte. Seit Monaten durchleiden die Chinesen einen veritablen Börsenkrach. Der dürfte bald auf den Konsum, die Investitionsneigung und die Bankbilanzen durchschlagen. Um eine negative Kettenreaktion zu verhindern, hat die Regierung in den vergangenen Wochen mit immer verzweifelteren Reglementierungen versucht, den Crash aufzuhalten. Die Hälfte der Aktien sind zeitweise vom Handel ausgesetzt, Aktionären wurde verboten, ihre Anteile zu verkaufen, staatliche Institutionen wurden angewiesen, Papiere zu kaufen.

Doch je mehr die kommunistische Partei mit planwirtschaftlichen Befehlsmitteln die Märkte zum Erfolg zwingen will, desto mehr verlieren internationale Anleger das Vertrauen in China. „Die Zahlen werden manipuliert, die Börsen werden manipuliert, die Währung wird manipuliert, die Medien werden manipuliert“, klagt der Asien-Analyst einer Londoner Investmentbank. Inzwischen würden sogar Börsenreporter verhaftet und Onlineplattformen für Anleger geschlossen, nur weil sie über Wirtschaftsprobleme berichteten.

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Die Ratingagentur Moody’s warnt daher offen vor einem weiteren Absturz der Aktien- und Immobilienmärkte in China. Eine „scharfe und lang anhaltende Korrektur der Vermögenspreise“ im bevölkerungsreichsten Land sei eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft, mahnen die Bonitätswächter aus London. Auch andere Analysten schlagen wegen schwerer struktureller Probleme Alarm: Eine Immobilienblase mit gewaltigen Kreditsummen drohe zu platzen, ein undurchsichtiges Schattenbankensystem gerate in Schieflage, die krachenden Aktienmärkte trieben Millionen in den Ruin.

Kommentare (13)

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Herr Tom Schmidt

21.08.2015, 14:09 Uhr

Tja, guter Artikel, nur immer noch ist alles zu schön. Ich erinnere an die Artikel von Finn Mayer-Kuckuck hier im handelsblatt.com, den Exportüberschuss gab es auch nicht (sobald man sich einen Wirkungsgrad des chin. Zolls beim Aufspüren versteckter, importierter Kapitalströme einrechnet).

Tja... da freut man sich, dass das westliche System, das auf freien Informationen beruht, so etwas nie tun würde! ? ?

Diese Mal war es ja nicht Gier, die China zur Wachstumsstory machte, es war Panik nach dem Crash von 2009, die Suche nach dem Rettungsanker! Darum gibt es ja keine Veröffentlichungen der Geldmenge M3 in USA mehr...

Tja, in den 90ern haben wir uns von einer kommunistischen Partei wie in China wirklich noch unterschieden. Aber heute?

Herr Thomas Albers

21.08.2015, 14:29 Uhr

"Das Modell funktioniert im Aufschwung, in der Krise droht es zu kollabieren, weil Marktwirtschaft, Offenheit und Demokratie am Ende einander doch brauchen. Kommunisten können vieles kaufen und befehlen – die Wahrheit nicht."

Es ist sogar schlimmer: Die Entwicklung von Hightech und sonstigen Innovationen haben es in einem informationskontrollierten System im Vergleich zum Ausland doppelt schwer. Kann sich jemand vorstellen, dass eine Erfindung wie das Internet in einem misstrauischen Staat wie China möglich gewesen wäre?

Innovation braucht freie Geister.

Herr Fritz Yoski

21.08.2015, 14:40 Uhr

"... dabei sind die offiziellen Daten häufig geschönt."
Sagen wir mal das die offiziellen Daten seit 2009, also rund 6 Jahren um 2% p.a. geschoent sind, also nur 5% Wachstum anstatt der offiziellen 7+%. Das wurde heissen das die tatsaechliche Wirtschaftsleistung ungefaehr 11+% unter den offiziellen Zahlen liegt.
Schneeballsysteme sind super wenn alles rund laueft aber das Ende ist immer abrupt und chaotisch.

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