Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.10.2013

14:15 Uhr

What's right?

Das will die bürgerliche Mehrheit

VonWolfram Weimer

Die Bundestagswahl hat die strukturellen Mehrheiten in Deutschland verschoben. Nach Jahren des Rückzugs wird das Bürgerliche stärker. Das ist ein Reflex auf die Überdehnung des Gouvernanten- und Umverteilungsstaates.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Zwanzig Jahre lang liefen Sozialisten durchs Land und schwadronierten etwas von einer „strukturellen linken Mehrheit“ in Deutschland. Damit ist es vorbei. Denn zu den vielleicht nachhaltigsten Ergebnissen der Bundestagswahl gehört die Tatsache, dass Deutschland wieder eine strukturelle bürgerliche Mehrheit hat: CDU, FDP und AfD kommen zusammen auf 51,1 Prozent der Stimmen. Das linke Lager hingegen erreicht mit SPD (25,7 Prozent), Linkspartei (8,6 Prozent), Grünen (8,4 Prozent) und Piraten (2,2 Prozent) gerade 44,9 Prozent.

Damit verschieben sich die tektonischen Platten der Republik nach zwei Jahrzehnten wieder tief hinein ins Bürgerliche. Das hat Fernwirkungen nicht nur für die kommenden Landtags- und Europawahlen. Es deutet auch einen tiefgreifenden Kulturwandel an, dem sich die Parteien über kurz oder lang zuwenden müssen. Es werden sich Themen, Stile und Interessen der neuen, bürgerlichen Mehrheitskultur öffnen. Die Grünen betreiben diese Rückverbürgerlichung schon im Zeitraffertempo. Sie eilen von den Irrungen einer linken Trittin-Kampftruppe in die bürgerliche Wärmestube einer Kretschmann-Partei.

Das linke Zerrbild einer Republik, die zutiefst ungerecht, gespalten und mit sich im Verteilungskampf befindet, trifft das Selbstgefühl der Deutschen einfach nicht mehr. Und die linke Losung, dass nur der möglichst fette Staat die Probleme seiner Bürger löst, findet keine Mehrheiten mehr. Im Gegenteil verbreitet sich eine Grundstimmung, dass selbstbewusste Bürger ihre Angelegenheiten lieber selber regeln wollen, anstatt bevormundet, bürokratisiert, reglementiert und übersteuert zu werden.

Es geht also auch in Deutschland um das Thema „Bürgergesellschaft“ statt „Supernannystaat“. In den USA hat die politische Debatte sich bereits seit einiger Zeit von der Kritik am „Big Business“ zum Problem des „Big Government“ verschoben. Der aktuelle Streit um den „Shutdown“ zeigt das auf dramatische Weise.

Kommentare (20)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

HofmannM

04.10.2013, 14:34 Uhr

Die Merkel-CDU steht doch wie keine andere Partei für den Wertewandel und Werteverrat an einer bürgerlichen konservativen Partei!
Mit der Merkel-CDU ist die CDU der grünsozialistischen Ideologie einer wohlstandsvernichtenden Energiewende erlegen, weiterhin ist die CDU mit der EURO-Banken-Rettung Solidarität der Gleichmacherei und der Schuldenmacherei einer sozialistischen Regierungsform erlegen. Die, für die Bürger freie Marktwirtschaft wurde durch das Diktat der Merkel-CDU zur alternativlosen staatlichen Planwirtschaft umgepolt!
Die Merkel-CDU ist alles anderes als eine Bürgerpartei. Diese Merkel-CDU ist Werteverrat am deutschen Wähler zum Vorteil des eigenen Machterhalts auf Kosten des deutschen Volk!

Wilhelm_Hoppenstedt

04.10.2013, 14:59 Uhr

Die von Wolfram Weimer beschriebene Republik will kein Mensch. Die Diffamierung des die Grundbedürfnisse seiner Bürger sichernden Staates als Nannyrepublik lässt tief blicken - es ist genau der fehlerhafte Blick den die grandios gescheiterte FDP hatte. Ein völliges Verkennen der Aufgabe des Staates durch einen angeblichen renommierten Journalisten sagt mehr über unsere Presselandschaft als über unser Land.

muunoy

04.10.2013, 15:09 Uhr

Sehr geehrter Herr Weimer,
Ihre Einschätzung bzgl. Volkes Wille teile ich. Aber politisch sieht es doch in Deutschland nun anders aus. Über 15% der Wähler werden durch gar keine Partei mehr im Bundestag repräsentiert. Die CDU ist nach links gerutscht und wird jetzt vermutlich doch Steuererhöhungen angehen. Ich denke, der Unmut über den sozialistischen Bevormundungsstaat muss noch ordentlich steigen, bevor sich wirklich was ändert. In Deutschland ist die Situation auch sehr abhängig vom jeweiligen Bundesland. Während man sich als Selbständiger in NRW inzwischen wie in einem Überwachungsstaat fühlt, werden meine Kollegen in Bayern und BW (trotz der Grünen!) noch relativ in Ruhe gelassen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×