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30.01.2015

12:51 Uhr

What's right?

Der CDU droht ein Debakel

VonWolfram Weimer

Eigentlich wäre die anstehende Hamburg-Wahl nur örtlich von Bedeutung. Doch dieses Mal geht es um mehr. Die SPD wird wohl glanzlos gewinnen, die AfD wird punkten, sogar die FDP darf hoffen – und die CDU hat ein Problem.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Bürgerschaftswahl in Hamburg wäre für die Geschicke Deutschlands normalerweise so wichtig wie eine Hafenrundfahrt des Rotary-Cubs Blankenese. Eine gediegene Sache von örtlicher Bedeutung, für die Republik aber reichlich egal. Doch diesmal ist das anders. Das Land ist nach EZB-Geldflut und Griechenextremismus, nach Pegida-Märschen und islamistischen Attentaten aufgewühlt, und es wird 2015 keine wichtigere Wahl mehr geben, denn nur Bremen darf noch an die Urnen.

Der 15. Februar ist also plötzlich wichtig geworden – als ein Gradmesser der politischen Temperatur im Land. Dabei bahnen sich Überraschungen an. Die SPD hatte gehofft, dass sie mit einem triumphalen Wahlsieg des beliebten Bürgermeisters Olaf Scholz die CDU endlich einmal rundherum düpieren und ihre bundespolitische Dauer-Verzwergung bei 25 Prozent Umfragewerten vergessen machen kann.

Doch ganz so triumphal wird der Wahlsieg wohl nicht ausfallen. Scholz drohen deutliche Verluste und die absolute Mehrheit vom vergangenen Mal dürfte ihm entgleiten. Im Rennen um die Kanzlerkandidatur 2017 wirft ihn das zurück, und Gabriel wird am Wahlabend wohl auch deshalb strahlen. Aber der Eindruck, dass die SPD insgesamt brav stagniert, vertieft sich.

Vor allem das wahrscheinlich solide Ergebnis der Linken und deren Wiedereinzug in ein Westparlament dürfte die SPD schmerzen. Denn die Linken schienen bereits auf dem Rückzug aus Westdeutschland; in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind sie aus den Landesparlamenten abgewählt worden.

Ähnliches wäre auch in Hamburg denkbar gewesen, doch Thüringen hat die SED-Nachfolgepartei wieder ins politische Spiel der Republik zurück gebracht. Strategen der SPD ahnen inzwischen, wie nachhaltig der Fehler gewesen ist als Juniorpartner in Erfurt den Linken das bundespolitische Überleben zu sichern.

Wirklich spannend aber wird die Hamburg-Wahl im bürgerlichen Lager. Gleich drei Signalüberraschungen könnte der Urnengang bringen. Erstens hat die schon mausetot geglaubte FDP eine echte Comeback-Chance. Das liegt nicht nur daran, dass Christian Lindner seiner schwer verwundeten Partei neue Farben und – deutlich wichtiger – ein gutes Stück Würde zurück verliehen hat. Auch die ungewöhnlich sichtbare und umtriebige Spitzenkandidatin Katja Suding spielt dabei eine Rolle.

Vor allem aber könnte die FDP davon profitieren, dass einige CDU-Wähler bei dieser Wahl taktisch FDP wählen, weil die CDU ohnedies nicht gewinnen kann, aber das Überleben der FDP für die politische Kultur für wichtig gehalten wird. Am Ende könnte dieser Leihstimmen-Trend sogar dazu führen, dass Olaf Scholz eine sozial-liberale Koalition bildet – was gut zu Hamburg passt.

Kommentare (16)

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Herr C. Falk

30.01.2015, 13:34 Uhr

Merkel 2010, Orginalton "Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert."

Merkel 2015, Multikulti ist unsere Zukunft, alternativlos.

Account gelöscht!

30.01.2015, 13:35 Uhr

Weder SPD geschweige denn die CDU wird meine Stimme erhalten. Beide "Clubs" sind für ausschweifende schwachsinnige teure und vor allem unnütze Projekte bekannt; siehe Elbphilharmonie und Busbeschleunigungsprogramm. Bekloppter geht´s kaum...

Account gelöscht!

30.01.2015, 13:39 Uhr

2015 weht der Wind aus einer anderen Richtung; da musste sie sich einer Wäsche unterziehen damit alles wieder passt.
Was mich mittlerweile am meisten nervt ist die ständige Unbeständigkeit diverser Politiker.
Und: hat die Kanzlerin überhaupt zu irgendetwas eine wirkliche Meinung? Ich muss mich wirklich wundern das es den CDU-Parteimitgliedern nicht schon längst gehörig auf den Allerwertesten geht. Aber die sind wahrscheinlich auch alle eingelullt bis zum geht-nicht-mehr.

Fast alle stehen für Nichts und Alles.

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