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16.01.2015

13:12 Uhr

What's right?

Der Franken ist ein Fluch

VonWolfram Weimer

Die Schweiz zahlt für ihre Währungsautonomie einen hohen Preis. Von der Exportindustrie bis zum Tourismus stehen Einbrüche bevor. Unser Kolumnist meint: Es wäre klüger, sich dem Euro endlich anzuschließen.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wenn die Schweiz am Meer läge, wäre ihr Horizont größer – so lautet ein herrlich selbstkritisches Bonmot der Eidgenossen. Dieser Tage möchte man den lieben Nachbarn ein Stück Meeresstrand wünschen. Denn der enge Horizont der Währungsautonomie ist ein sündhaft teures Vergnügen. Wie teuer zeigt sich nach der Freigabe des Franken-Wechselkurses. Mit einem Schlag wird die ganze Industrie des Landes in schwere Wettbewerbsprobleme gestürzt. Der Franken wertet so stark auf, dass die Produkte vom Maschinenbauer über die Uhrenhersteller bis zur Pharmaindustrie auf den Weltmärkten unerträglich teuer werden. Kosten- und Lohnsenkungs-Programme stehen ebenso an wie Entlassungen, es wird Kummer und Kampf geben, die Gewerkschaften der Schweiz schlagen bereits Alarm.

Jeder Käse und jede Schokolade aus der Schweiz hat jetzt einen Luxusaufschlag für die exklusivste Währung der Welt. Jeder Skiurlaub im Engadin und jeder Tee in Davos wird für Auslandsgäste noch mal teurer – und also werden sie in Scharen ausbleiben. Der Aufwertungsdruck ist so groß, dass die kleine Schweiz sogar in eine Deflation gestürzt werden könnte.

Der Franken ist gewiss ein Stolz der Schweiz, zugleich aber auch ihr Fluch. Dass das freiheits- und autonomieliebende Bergvölkchen seine Eigenarten pflegt, macht die Schweizer seit jeher ebenso sonderbar wie sympathisch. Das ist so herrlich monumental – als trage jeder Schweizer seine Gletscher in sich. Nur hat das im globalisierten Finanzkapitalismus einen brutal hohen Preis.

Während einst nur ein paar Reiche Europas ihre Sondervermögen in der Schweiz parkten und man Währungseffekte ausgleichen  konnte, so schiebt heute jeder Spekulant aus Singapur, jeder Ölmulti aus Dubai und jeder Hedgefonds aus Texas seine Gelder in die goldenen Täler der Frankenaufwertung. Die helvetische Währung ist ein Fetisch der Sicherheit und der wird - in der Logik des Geldes – dauerhaft irrational hoch bewertet – am Ende aber zahlt die Bevölkerung der Schweiz in der Logik der Realität dafür den Preis.

Kommentare (30)

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Herr C. Falk

16.01.2015, 13:32 Uhr

Völlig überzogenes "Flachdenken" von Herrn Weimer, genau so flach wie die norddeutsche Tiefebene.

Die Schweiz wird mit ihrer unabänigen Währung genau so gut zurecht kommen wie Singapur. Der Schweiz einen Zutritt zu einem Euro zu empfehlen, dessen Liraisierung unmittelbar bevor steht, ist einfach "suboptimal" um höflich zu bleiben. Auch Deutschland ist mit einer starken DM immer gut gefahren, auch wenn das manchem nicht behagt hat, immerhin zwang eine starke DM die Exportindustrie ökonomische Prozesse immer weiter zu optimieren,
um konkurrenz-fähig zu sein und zu bleiben.

Der schwache Euro "hilft" Deutschland nur vordergründig, dass die Zeche zu zahlen sein wird, weiß inzwischen doch wohl jeder halbwegs Informierte.

Herr Hendrik Reinke

16.01.2015, 13:38 Uhr

"Als Euro-Mitglied hingegen könnte sie die Währungs- und Wirtschaftspolitik des Kontinents mitbestimmen."

In etwa so wie Deutschland, das bei allen Entscheidungen im EZB-Rat von denen sich in der Mehrzahl befindenen Südländern überstimmt wird?

Herr Franz Paul

16.01.2015, 13:39 Uhr

Und was ist mit den anderen Ländern, die keinen Euro haben? Z.B. England, Norwegen, Polen? Denen geht es ja soooo schlecht.

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