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07.03.2014

12:27 Uhr

What's right?

Die Abtrennung der Krim ist das kleinere Übel

VonWolfram Weimer

Der Staatszerfall der Ukraine wird nicht dadurch geheilt, dass man nur Wladimir Putin verteufelt. Der ist zwar ein imperialer Despot. Trotzdem sollte sich Europa zu Kompromissen und einer Teilung der Ukraine durchringen.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wladimir Putin ist mittlerweile so beliebt wie Fußpilz. Er tut allerhand, um als dauerhaft reizjuckender Nerver Europas zu erscheinen. Sein Land beherrscht er mit Putinismus – einer Mischung aus sowjetischer Repression, Demutsdemokratie und Oligarchen-Netzwerk. Wer immer seiner Macht gefährlich erscheint, wird weggesperrt oder gesellschaftlich geächtet.

Menschen-, Minderheits- und Bürgerrechte gibt es nur willkürlich – also nicht wirklich, denn letztlich ist der ehemalige KGB-Offizier Putin ein stählerner Geheimdienstregent geblieben. Und seine politische Sehnsucht nach einem Comeback des territorialen Sowjetreiches im Gewand eines Groß-Russlands vertritt er mittlerweile unverhohlen – und zum Entsetzen des übrigen Europas.

Trotzdem ist es falsch, die Schuld an der ukrainischen Krise alleine in Putins Militärstiefel zu schieben. Der Staatszerfall in Kiew ist keine Folge russischer Aggression. Die Ukraine hat in den vergangenen Jahren als stabiler Staat nicht wirklich funktioniert. Sie versank vielmehr in Korruption, Überschuldung, Armut, Gewalt und einem inneren Zerfall vieler Autoritäten – bis hin zu Regierung und Recht. Über Monate hinweg wankt das Land nun schon am Rande des Bürgerkrieges.

Wenn die Ukraine aber in dieser gewaltigen Größe und mit ihren inneren Widersprüchen dauerhaft nicht friedlich überleben kann, dann sollte Europa über neue Optionen besser nachdenken als in alten Feindbildern zu versinken. Putin macht es einem mit seinem Neo-Imperialismus leicht, ihn als  alleinigen Sündenbock anzusehen. Doch die Verteufelung Russlands – ob mit oder ohne Sanktionen – und die Fixierung auf „territoriale Integrität” dürften nicht weiter helfen.

Vielmehr ist die bisherige Strategie Europas und der USA im Umgang mit dem Staatszerfall der Ukraine gescheitert. Der Westen unterschätzt nämlich, dass es neben den tapferen, netten, pro-europäischen Westukrainern auch eine gewaltige Zahl von Ost-Ukrainern gibt, die den Weg der Maidan-Revolution partout nicht mitgehen wollen.

Kommentare (35)

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07.03.2014, 13:09 Uhr

Europa sollte jetzt eine Generation lang mal zur Ruhe kommen; was in den letzten 25 Jahren alles durchgepeitscht wurde vom Zerfall des Warschauer Paktes über NATO- und EU-Mitgliedschaft, Schengenabkommen, Euroeinführung und der damit verbundenen Risiken bis hin zur totalen Freizügigkeit in Europa ist in diesem Zeitraum wesentlich zu schnell, das war eigentlich eine Aufgabe für vier Generationen, dann würde man auch nicht
wie mittlerweile geschehen in allen Eu-Ländern die Bevölkerung gegen sich stellen. Das man jetzt als "Krönung" auch noch die Ukraine ins Spiel bringt, obwohl so gut wie kein älteres Problem gelöst ist, wird uns alle überfordern;
deshalb einfach mal ein paar Gänge zurückschalten.

Account gelöscht!

07.03.2014, 13:21 Uhr

Putin imperialer Dispot?
Gegen die US Regierungen und deren Praesidenten ist Putin doch ein Waisenknabe und das kann wohl KEINER in Abrede stellen!

Account gelöscht!

07.03.2014, 13:22 Uhr

@ wolfram Weimer
Wladimir Putin ist mittlerweile so beliebt wie Fußpilz.

Nicht alle gehen den Propaganda Medien der Hochfinanz mit ihren Hetztiraden gegen Russland auf den Leim, wir können Putin als Gegenpol und Bastion zum dem menschenverachtenden Raubtierkapitalismus der USA nur dankbar sein.

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