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22.11.2013

11:17 Uhr

What's right?

Die Klimadebatte kühlt ab

VonWolfram Weimer

Der Klimagipfel in Warschau scheitert. Wichtige Länder steigen aus der Klimapolitik sogar aus. Da die globalen Temperaturen seit 15 Jahren nicht mehr steigen, wächst der Zweifel an apokalyptischen Forschern. Gut so!

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Der Klimagipfel in Warschau endet wie viele Klimagipfel – mit viel heißer Luft und ohne nennenswertes Ergebnis. Es zeigt sich, dass eine wachsende Zahl von Staaten der bisherigen Klimapolitik grundsätzlich misstraut - vom Gastgeberland Polen bis China. Bei der CO2-Reduzierung nehmen große Länder wie Japan, Australien, Brasilien und Kanada frühere Minderungszusagen sogar zurück. Während Umweltaktvisten schockiert sind, einen Triumph der Kohle-, Öl- wie Industrielobby beklagen und meinen, dahinter stecke der uneinsichtige, rücksichtslose Globalkapitalismus, gibt es in Wahrheit einen viel einfacheren, fundamentalen Grund für die Reserviertheit vieler Staaten in Klimafragen: die Apokalypse wird einfach nicht mehr geglaubt.
Der jüngste Uno-Klimareport hat den Stimmungswechsel in der globalen Klimadebatte selber herbei geführt. Denn die Datenreihen zeigen zur Überraschung der Weltöffentlichkeit, dass die durchschnittlichen Temperaturen in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr gestiegen sind. Die Erderwärmung macht – entgegen der Prognosen – eine Pause. Dieses Faktum lässt viele der dramatischen Vorhersagen aus den vergangenen Jahren als Panikmache erscheinen.
Wer aber soll den apokalyptischen Klimadeutern noch glauben, wenn ihre zentrale Messgröße sich ganz anders entwickelt als bislang gedacht. Die meisten Staaten, die Klimawandel bislang pragmatisch und nicht ideologisch betrachtet haben, sehen den Handlungszwang jedenfalls schwinden. Wieso soll man gewaltige Ressourcen mobilisieren auf Basis von Klimamodellen, die derart unsicher sind?
Auch unter Klimaexperten hat nun eine lebhafte Debatte über die Ursachen der Erwärmungspause eingesetzt. Die Sonnenforscher verweisen darauf, dass wohl die veränderten Sonnenaktivitäten dafür verantwortlich seien. Die Bedeutung der solaren Zyklen würde von Klimaforschern dramatisch unterschätzt. Bei einem Kongress der American Astronomical Society (AAS) hielten einige für die kommenden Jahrzehnte sogar eine “kleine Eiszeit” für möglich.
Eine zweite Gruppe von Forschern erklärt das Ende der Erwärmung damit, dass die Ozeane, insbesondere der Pazifik, in den vergangenen Jahren verstärkt Wärmeenergie aus der Atmosphäre aufgenommen hätten. Kühles Meerwasser sei verantwortlich für den Stillstand der Erwärmung, meinen sie im Wissenschaftsmagazin „Nature“. Ein dritter Wissenschaftlerkreis sucht ganz andere Gründe. Im Fachblatt „Nature Geoscience” wird die Veränderung der Ozonschicht für die Erwärmungspause verantwortlich gemacht. Auch der gebremste Methan-Ausstoß könnte es gewesen sein. Welche Theorie auch immer vorgebracht wird, alle seriösen Forscher geben zu, dass man es nicht wirklich weiß. Und man also auch nicht wissen kann, ob die Pause nicht noch viel länger dauern wird, der Klimaschock also ausbleibt.

Kommentare (24)

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muunoy

22.11.2013, 11:27 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

22.11.2013, 11:44 Uhr

Meiner bescheidenen Meinung nach, sollte diese Klimadiskusssion zugunsten einer "Dreck-Müll-Umwelt-Diskussion" geführt werden.
Das Klima gibt es seit Bestehen der Erde, aber den Müll und den Dreck und die schlechte Luft erst seit Menschen drauf rum pfuschen.
Im Grunde habe ich diese Klimadiskussion auch immer so verstanden, weil auch CO2 Reduktion Müllreduktion bedeutet, bzw. bedeuten kann.
So ist es eben das wie es auch aussieht, Kampf um Ressourcen und deren ungehemmte Verwertung, statt sich um eine bewohnbare Erde für alle zu mühen.

laika0231

22.11.2013, 11:52 Uhr

Selten habe ich so einen ideologisch verbrämten und wissenschaftlich unhaltbaren Schwachfug gelesen. Hat der Autor überhaupt einmal in den neuen IPCC-Bericht geschaut? Die Vernunft würde siegen, wenn man das Risiko, dass der mensch für den real existierenden Klimawandel verantwortlich ist, nicht eingehen würde. Alles Andere ist die Augen verschließen vor der Realität.

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