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06.06.2014

15:08 Uhr

What's right?

Die Massen-Enteignung hat begonnen

VonWolfram Weimer

Die Dumpingzinspolitik der Notenbank ist ein historisches Fanal. Sparer, Lebensversicherer und Kapitaleigner werden systematisch enteignet. Wovon linke Revolutionäre träumten, macht unsere Geldpolitik zur Realität.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Europäische Zentralbank wird radikal: Die Notenbanker senken den Einlagenzins für Banken auf minus 0,1 Prozent, der Strafzins ist damit Wirklichkeit. Zugleich wird der Leitzins auf das historische Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt. Und als wäre das alles nicht genug, wird die Notenbank noch in diesem Jahr zweimal die große Geldkanone zünden.

Im September und im Dezember bekommen die Geschäftsbanken jeweils Mega-Milliardenbeträge hingedonnert, für eine Laufzeit von vier Jahren fast geschenkt - ähnlich der beiden Geldspritzen, im Rahmen derer die EZB schon einmal insgesamt rund 1 Billion Euro an die Banken ausgab. Die gigantische Geldschwemme soll für Unternehmenskredite weiter gereicht werden.

Europa wird damit mit Geld geflutet wie nie zuvor in seiner Geschichte. Man kann nur hoffen, dass wir daran nicht ertrinken, denn Draghi kann offenbar gar nicht genug von seinem Meer aus Euros haben und erklärt: „Wenn es notwendig ist, werden wir im Rahmen unseres Mandats mehr tun.“

Mit dieser Entscheidung wird die esklarierende Geldmenge zum Programm. Eine derart massive Entscheidung wäre nur in einer akuten Notlage zu rechtfertigen. Tatsächlich aber gibt es die weit und breit nicht: die Schuldenkrise ist überwunden, die Banken sind gut finanziert und verbessern ihre Bilanzen, die Renditen für Südstaatenanleihen sind massiv gesunken, Krisenländer sind an die Kapitalmärkte zurück gekehrt, die Konjunktur läuft.

Die EZB rettet also nichts und überwindet auch keine Krise. In Wahrheit macht sie sich zum Büttel des Schuldensozialismus. Um die gewaltigen Staatsschulden zu refinanzieren, wird so viel Geld geschöpft, dass die Zinsen auf Null sinken und Schulden leicht zu refinanzieren sind. Den Preis freilich haben alle Sparer zu zahlen.

Damit erfüllt sich der Traum alter Sozialisten. Generationen von Linken wollten Kapitalisten irgendwie enteignen – über Steuern oder Abgaben oder allerlei Sozialverpflichtungen. Der neuartige Schuldensozialismus etabliert nun eine viel drastischere Variante der Kapitalbesitzerschröpfung. Die Dumpingzinspolitik sorgt dafür, dass sie rabiat und systematisch enteignet werden. Mit ihr etabliert die EZB einen negativen Realzins so nachhaltig, dass der zu einer gewaltigen Umverteilung von Gläubigern zu Schuldnern führt.

Bei einem Geldvermögen der Deutschen von 5,2 Billionen Euro bedeutet ein Prozent negativer Realzins 52 Milliarden Euro Verlust – mitsamt der Kapitalertragssteuern steigt die Summe auf mehr als 60 Milliarden Euro im Jahr. Das sind 200.000 Einfamilienhäuser, die den Deutschen nunmehr jedes Jahr einfach mal weg genommen werden. Und zwar Häuser vom mühsam Ersparten. Und wer es lieber automobil handfest haben will – 1,8 Millionen Mercedes-Limousinen werden den Deutschen, ohne dass sich jemand darüber aufregt, freiweg gestohlen.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

06.06.2014, 15:18 Uhr

Noch so ein Heuler.
Ist es eigentlich Pflicht sich kostenlos Geld zu bunkern und dann noch zu heulen, wir können damit garnichts anfangen?
Man muss es doch nicht nehmen? Oder ist das jetzt auch Pflicht?

Nein, es ist die eigene Faulheit zu denken, zu analysieren, zu evaluieren und daraus Schlüsse zu ziehen.
Die Notenbanken reagieren, die Märkte heulen ob ihrer eigenen dummen Gier, auf welche die europäischen Notenbanken reagieren.
Und NEIN, es ist nicht Draghi, sondern der Beschluss wird von den Ländern getragen.
Aber Hauptsache man hat einen Prügelknaben, dann scheint die Welt ja in Ordnung zu sein.
Abgesehen davon, ist es mir egal ob ein Albrecht enteignet wird, aber nun die kleinen Rentner, die sich sowieso nichts zusammen sparen können, vor den Karren der Finanzmärkte zu spannen, ist einfach infam.

Account gelöscht!

06.06.2014, 15:47 Uhr

Aufgrund der neunen Regelung, mir die Bewertungsreserven bei einer fälligen Lebensversicherung zu verwehren, muss ich mit einer Kürzung der Auszahlungssumme von ca. 20 % rechnen. Ausgewiesen sind zur Zeit 10 % bei einer hälftigen Auszahlung am Fälligkeitstag.

Was ist eigentlich das höhere Gut, was es staatlich zu schützen gilt? Mein Eigentum oder die Boni der Vorstände der Versicherung?

Als ich vor ca. 30 Jahren diese besagte Lebensversicherung zu meiner Altersvorsorge abschloss, hat mir niemand ein derartiges Szenario angedroht. Zugegeben, ich hätte es auch nicht geglaubt. Diese Entwicklung unter der ehemaligen ostdeutschen Merkel und dem ostdeutschen Bundespräsidenten hätte ich nicht erträumt. Wo geht's lang, was planen sie noch?

Wenn meine Altersvorsorge von Pensionberechtigten, Politikern so einfach gekürzt wird, wäre es da nicht im Sinne eines praktizierten Gleichbehandlungsgrundsatzes auch deren Pensionen um den gleichen Prozentsatz zu kürzen? Oft nehmen die Politiker den Spruch: "nach seiner Leistungsfähigkeit" in den Mund. Wäre es deshalb nicht nur eine Sache des Anstands, auch deren Pensionen mit diesem Prozentsatz zu kürzen?

Weshalb bei mir und nbei denen nicht?

Unter Rechtssicherheit, die Frau Merkel von Russland schon mehrfach eingefordert hat, verstehe ich, dass sich Deutschland ebenfalls an diesen Grundsatz hält.

Ich wundere mich nicht, wenn dem Volk bald der Krangen platzt und wie seinerzeit im Osten um die Kirchen zieht und klagt: "Wir sind das Volk!"

Es ist unbeschreiblich, unerhört was da aktuell abgeht!

Account gelöscht!

06.06.2014, 15:56 Uhr

"Die Europäische Zentralbank wird radikal: Die Notenbanker senken den Einlagenzins für Banken auf minus 0,1 Prozent, der Strafzins ist damit Wirklichkeit."

Ist Ihnen aufgefallen, dass diese Nullzinspolitik der EZB überhaupt nicht geeignet ist, die Ungleichgewichte zwischen den EU-Staaten zu bekämpfen, gar auszugleichen? Es geht also gar nicht um eine Lösung!

Ist Ihnen aufgefallen, dass diese Strategie nur zum Ziel hat, die hiesige Altersvorsorge zu zerstören und das Volk in Altersarmut zu stürzen, zu radikalisierung, den neuen Kommunismus einzuleiten?

Ist Ihnen aufgefallen, dass unsere Pensionsempfänger auf der Seite der EZB, genauer von Draghi sind und die Raubzüge, wie von Ihnen in Punkte Lebensversicherer aufgezeigt, auch noch konstruktiv und im eigenen Zuständigkeitsbereich maximieren?

Ist Ihnen aufgefallen, dass derartige Strategien zu einer Radikalisierung der Bevölkerung führen?

Ist das die Strategie der "ehemaligen" Marxistin Deutschland in die Nachfolgeschaft der ehemaligen DDR zu führen?

Ich ermuntere jeden diesem Kommentar zu widersprechen und mit Gegenbeispielen zu belegen!

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