Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.10.2014

10:48 Uhr

What's right?

Draghis Spiel mit dem Feuer

VonWolfram Weimer

Die EZB will die eigene Währung abwerten und schwächt den Euro. Das ist brandgefährlich. Denn so droht ein Währungskrieg – und die labilen Märkte werden in den Crash getrieben.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Seit Mai macht die Europäische Zentralbank ihre eigene Währung madig. Bei einer Pressekonferenz in Brüssel gab EZB-Präsident Mario Draghi den Auftakt, er halte den Euro für überbewertet. Der Wechselkurs sei "eine ernste Sorge", derer man sich annehmen müsse. Den ganzen Sommer über folgten die EZB-Mächtigen ihrem Chef in einer Serie von Schlechtrede-Kommentaren  und sprachen über den Euro plötzlich wie über ein fettleibiges Kind, dass jetzt einmal abnehmen müsse.

Die konzertierte Aktion zeigte an den Märkten Wirkung: Woche um Woche ist seither der Wert des Euros  gefallen.

Eigentlich ist eine seriöse Notenbank dazu da, die eigene Währung zu festigen, ihre Stabilität und Stärke zu verteidigen. Die EZB aber tut das glatte Gegenteil. Sie verhält sich seit Monaten wie ein dubioser Ramschverkäufer - als sei der Euro Wühltischware. Draghi verfolgt zwei Ziele mit dieser Dumpingstrategie. Zum einen will er der schwachen Wirtschaft in Südeuropa bei den Exporten helfen. Ein schwacher Euro macht Europas Produkte auf den Weltmärkten schlagartig wettbewerbsfähiger. Zum anderen hofft er durch die gezielte Abwertung, die Gefahr einer angeblich drohenden Deflation zu dämmen. Die Importpreise würden steigen und das Preisniveau in Europa hebe sich damit automatisch. Die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar habe also „einen positiven Effekt auf die Inflationsrate, die ja derzeit deutlich unter dem ist, was unsere Zielsetzung ist“, heißt es aus der EZB.

Was auf den ersten Blick clever klingt, ist in Wahrheit eine ziemlich riskante Strategie. Denn den eigenen Abwertungsvorteil empfinden alle anderen in der Welt  als unfaire Manipulation - und werden sich wehren. Schon jetzt sind die Amerikaner über das plumpe Euro-Dumping schwer verärgert und erwägen „Gegenmaßnahmen“. Der Internationale Währungsfonds warnt daher offen vor einem  „Abwertungswettlauf“. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft und ihr Direktor Michael Hüther mahnen: „Wir sind einem Währungskrieg durch bewusst herbeigeführte Abwertungen sehr nahe. Was jetzt beim Euro passiert, haben wir zuvor beim japanischen Yen erlebt. Besser geht es der japanischen Volkswirtschaft deshalb aber nicht.“

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas Albers

17.10.2014, 11:07 Uhr

"Doch Draghis Dumpingpolitik birgt noch ein zweites, akutes Risiko. Denn viele Markteilnehmer wollen das EZB-Spiel mit dem Feuer vorwegnehmen, und lösen so eine Kettenreaktion aus. "

Das ist ja auch passiert. Vor ein paar Wochen wurde in Verbindung mit Zinsängsten auf einen Wechselkurs von 1.20 spekuliert. Im Zuge dessen wurde nicht nur Gold und Öl billiger, sondern auch diverse Papiere.

Frau Helga Trauen

17.10.2014, 11:10 Uhr

Das interessiert doch Rolli, Erika und Siggi Popp nicht. Die Grünen erst recht nicht. Deutschland wird bezahlen - natürlich nicht Deutschland, sondern die Bevölkerung. Sie weiß es nur noch nicht... sie wird sich aber wundern.
Es sollte sich dann niemand von der CDU wundern, wenn die AfD dereinst die Regierung stellt - trotz des Einschlagen seitens der Medien auf diese Partei!
Ich will hier allerdings keine Lanze für die AfD brechen! Im Gegenteil - diese Partei ist keine Alternative! Sie ist der Mainstream der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Eine wirkliche Alternative kann nur liberal sein! Sozialistisch sind alle anderen - auch die FDP.

Account gelöscht!

17.10.2014, 11:25 Uhr

Die EUR-Krise ist selbst gemacht, von unfähigen und ahnungslosen Politikern, die dem Druck insb. der französischen Politelite zum faktischen Abwickeln der Bundesbank als Preis für die deutsche Einheit nachgegeben haben, die alle Warnrufe der Fachleute ignoriert, ja sogar ins Lächerliche gezogen haben, das darf man nie vergessen.

Dabei war dieses selbstmörderische Zugeständnis an Frankreich nie notwendig, die Einheit Deutschlands wurde faktisch von den ostdeutschen Strassen forciert und politisch in Moskau und Washington besiegelt.

Dass ausgerechnet mal wieder auch CDU-Leute bei dieser totalen Fehleinschätzung an vorderster Front beteiligt waren, zeigt die große Divergenz zwischen Anspruch und Realität in dieser Partei. Und seit dem hat sich die CDU leider noch weiter ad absurdum geführt ... insb. Frau Merkel und ihre Mitläufer wie Schäuble, Kauder etc verrichten gerade große Schritte zur Schädigung des Landes und auch der CDU selbst.

Und auch für EU-Europa insgesamt sind die Aussichten eher mies, mal wieder zahlen die Bürger einen hohen Preis für kollektives Versagen bzw. Egoismus der Eliten, insb. der südländischen Feudaleliten.

Da kann man die aufkommende AFD noch so sehr schmähen, beleidigen und ins falsche Licht stellen, die großen Fehler sind in der CDU selbst begangen worden.

Zur Geschichte des EUR, ungeschönt und aus erster Hand, Ex-Bundesbanker Prof Nölling:

https://www.youtube.com/watch?v=eKxzGTwAqOQ

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×