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10.07.2015

09:51 Uhr

What's right?

Drei Gründe gegen das dritte Hilfsprogramm

VonWolfram Weimer

Das große Entscheidungsfinale zum nächsten Hilfsprogramm für Griechenland steht an. Europas Politik will Griechenland trotz allem mit vielen Milliarden retten. Gut gemeint, doch ganz schlecht gemacht.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Es gibt eine starke Lobby für das neue Griechenlandprogramm – egal, wie unausgegoren und teuer der Plan auch sein mag. Die USA machen Druck, weil sie Griechenland als Nato-Außenposten in unsicherer Nachbarschaft unbedingt stabilisieren wollen.

Das sozialistische Europa – von Hollande bis Renzi – will es, weil das EU-Umverteilungsprojekt damit ein strategisches Stück voran kommt und Deutschland eine ordnungspolitische Niederlage beigebracht wird. Die Euro-Etatisten – von Junker bis Schulz – kämpfen dafür, weil der Aufstieg in die nächste Etage des Schuldturms ihr institutionelles Gebäude größer macht.

Die Börsianer wollen es auch, weil ein Unsicherheitsfaktor kurzfristig verschwindet und die große Geldschwemme der EZB die Aktienkurse dann wieder ungestört nach oben treiben kann. Und doch wäre das dritte Hilfsprogramm aus drei Gründen ein großer Fehler.

Erstens haben die bisherigen Programme in Griechenland schon nicht funktioniert. Im Gegenteil, Griechenland ist mit den milliardenschweren Hilfsprogrammen in ein Desaster geraten, weil das Land – anders als Osteuropa, Spanien, Portugal oder Irland – jede neue Milliarde einfach konsumiert anstatt damit die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Wieso sollte es diesmal ausgerechnet mit einer linksradikalen Regierung gelingen, die echte Reformen noch weniger will als ihre zaudernden Vorgängerregierungen? Wieso sollte es ausgerechnet mit einer Bevölkerung funktionieren, die noch vor einer Woche mehrheitlich genau solche Programme rundweg abgelehnt hat?

Die Reformblockade des Landes braucht andere Instrumente als die der Luxusdiät, mit der die dicke Neptokratie Griechenlands nie wirklich abnimmt. Ein Grexit und eine kräftige Abwertung böte hingegen die Chance zum echten Neubeginn, die völlig verlorene Wettbewerbsfähigkeit schlagartig wiederzuerlangen. In der dünnen Höhenluft des teuren Euro-Sanatoriums wird das Land nicht gesund, es braucht vielmehr einen drastischen Fensteröffner.

Kommentare (22)

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Herr Ferdinand Loeffler

10.07.2015, 10:07 Uhr

Wo Herr Weimer recht hat, hat er recht. Hilfsprogramme für wirklich Befürftige und direkt an diese, wären sinnvoller als nochmals über 50 Mrd. Euro zu versenken. Dieses Land hat keinen geregelten Staatsapparat in 15 Jahren aufgebaut, warum sollten sie es in ein paar Jahren in der Zukunft schaffen?

Herr Jürgen Dannenberg

10.07.2015, 10:24 Uhr

Vor allen Dingen, wie soll das mit einer Regierung glaubhaft funktionieren die dieses Referendum eingebracht hat. Alle nur weitere Trickserei und Lügerei. Vor allen Dingen wenn ich das schon höre "Partner" und Solidarität.
Wieso sollte es ausgerechnet mit einer Bevölkerung funktionieren, die noch vor einer Woche mehrheitlich genau solche Programme rundweg abgelehnt hat?

Herr Norbert Weisinger

10.07.2015, 10:29 Uhr

Verliert Europa seine Würde? Ich würde sagen, dass zumindest bei den obersten Repräsentanten dieses Staatengebildes der Verlust der Würde auf eine beschämende Art und Weise deutlich erkennbar wurde!

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