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17.01.2014

11:15 Uhr

What's right?

Endlich, Herr Gauck!

VonWolfram Weimer

Der Bundespräsident mit dem großem Bonus eines Freidenkers in sein Amt. Doch bislang hat Joachim Gauck nur in Plattitüden der politischen Korrektheit gesprochen. Jetzt findet er plötzlich zu Haltung und Klartext. Gut so!

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Joachim Gauck macht formal eine gute Figur. Der Bundespräsident hat in seinen ersten beiden Jahren dem Amt das zurück gegeben, was es dringender braucht als alles andere: Würde und Respekt. Nach den spektakulär gescheiterten Präsidentschaften Köhler und Wulff ist das schon viel. Seine Reden – der pastorale Ton ist wie gemacht fürs Amt – fühlen sich an wie Wellnessoasen der Debattenrepublik, seine Auftritte kommen, wenn schon nicht geschmeidig oder cool, so doch gesetzt und stilsicher daher. Seine Beliebtheit ist ebenso da wie seine Integrationskraft.

Und doch liegt über Schloss Bellevue ein Schleier des Unechten. Gauck war als Mann mit ungewöhnlicher Integrität und geistiger Autonomie gestartet. Er gehörte nicht zum glatt geschliffenen politischen Establishment, er konnte unbequem sein und war ein Freidenker, noch dazu ein intelligenter. Umso enttäuschender wirkte dann die Rolle, die er als 11. Bundespräsident der Republik annahm – nämlich die eines reichlich Konventionellen.

Gauck sprach plötzlich so, wie alle in Berlin sprechen, wenn sie nicht anecken, aber geliebt sein wollen. Er entfaltete einen Superkonformismus, der zu seiner Persönlichkeit nicht passt. Er redete politisch korrekt, obwohl er in seinem Leben die politische Korrektheit stets verabscheut hat, weil sie das freie Denken und offene Reden, ja am Ende die Wahrheit verbarrikadiert. Man konnte schon fürchten, dass die Präsidentschaft im Gutmenschentum endet und man hernach nicht hätte sagen können, was eigentlich sein Thema war.

Nun aber tritt plötzlich ein neuer Präsident zu Tage. Der alte Gauck nämlich, so als habe er sich gesagt – ich nehme mir zwei Jahre, um die Wunden des Amtes mit Therapeutensprech zu heilen, aber nun wird wieder Tacheles geredet! Mit zwei Donnerschlägen gibt er seiner Präsidentschaft schlagartig Profil. Zunächst macht er undiplomatisch Front gegen ein Russland der Menschenrechtsverletzungen. Er sagt – unabgesprochen mit der politischen Klasse – seine Teilnahme bei den Olympischen Spielen ab und riskiert damit diplomatische Verwerfungen. Auch wenn von der Kanzlerin (die jeden Kontrollverlust hasst) bis zu den Wirtschaftsverbänden (die um Russlandgeschäfte bangen) mancher entsetzt reagiert, so ist dieser Schritt doch großartig. Gerade Gauck mit seiner Vergangenheit als Bürgerrechtler der DDR wagt damit einen moralischen Schritt hinaus aus dem diplomatisch-politischen Menuett in die Taktlosigkeit einer Überzeugung, die ihm heilig ist. Gerade solche Grenzüberschreitungen machen aus einem Präsidentendarsteller einen echten Präsidenten.

Und nun der zweite Eklat: Gauck ergreift offen Partei für den Neoliberalismus. Das ist in Deutschland ungefähr so populär wie Fußpilz. Gauck aber lässt sich von der politisch unkorrekten Überzeugung nicht abbringen. Er warnt in einer Grundsatzrede vor zu viel staatlicher Regulierung und fordert mehr Wettbewerb. Der Begriff Neoliberalismus sei viel zu negativ besetzt. Vorurteilen gegen Marktwirtschaft und Liberalismus müsse entgegengetreten werden, denn freier Markt und freier Wettbewerb seien die Eckpfeiler der Demokratie. Freiheit in der Gesellschaft und Freiheit in der Wirtschaft gehörten zusammen.

Kommentare (21)

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heine

17.01.2014, 11:27 Uhr

Dass diese Rede von Gauck das Herz erwärmt von Herrn Weimer, darauf hätte ich gewettet. Es sind ja beide diesselben Sprücheklopfer (Freiheit?, ja klar, vor allem für das Großkapital).

Account gelöscht!

17.01.2014, 11:32 Uhr

Ich sach mal so....Gauck ist für mich persönlich die größte Fehlbesetzung dieses Amtes.
Dach der gewollten Demontage der letzten Bundespräsidenten, hat Gauck " den Untertan " bestens besetzt.
Völlig Regierungstreu und mit unerwünschten Einmischungen in Wahlen ( Thema AfD ), hat Herr Gauck, dieses Amt sinnlos gemacht.
Als dann weiter so Herr Gauck, mich und die Meinen vertreten Sie nicht.

INdieTASCHEluegen

17.01.2014, 11:38 Uhr

na herr gauck entscheiden sie sich erstmal wie ordentliche n e o l i b e r a l e zwischen geliebter und ehefrau , bezahlen sie auch alle kosten doppelten ehelebens erst mal selbst und stellen sie sich endlich uns bürgern zur wahl


ansonsten bis dahin wie immer wiederstandskämpfer gauck geschwätz

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