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13.09.2015

13:41 Uhr

What's right?

Gabriel zerstört Eon und RWE

VonWolfram Weimer

Eon und RWE erleben an der Börse ein Debakel. Die Konzerne sind infolge der Energiewende schwer angeschlagen. Und Wirtschaftsminister Gabriel zwingt die Konzerne zielstrebig in den Untergang.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Eon und RWE waren einst ein Stolz der deutschen Wirtschaft: Kraftquellen unserer Industrie, Leuchttürme der Verlässlichkeit, Arbeitgeber für Zigtausende. Vor fünf Jahren waren sie zusammen mit 130 Milliarden Euro an der Börse bewertet. Heute sind es keine 30 Milliarden mehr. Deutschland hat mit seiner Energiewende alleine an diesen beiden Unternehmen 100 Milliarden Euro Kapital vernichtet. In dieser Woche sind noch ein paar Milliarden dazu gekommen. Denn Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zwingt die beiden Konzerne mit einem „Nachhaftungsgesetz“ in die Knie seines eigenen Atomausstiegs. Allein die Eon-Aktie verlor am Donnerstag 7,6 Prozent ihres Werts. Die einstigen Schwergewichte deutscher Solidität sind auf dem Weg zu Ramschpapieren. Hunderttausende von Spargroschen der Deutschen sind betroffen, die Werte in Aktiensparfonds, Lebensversicherungen bis hin zu Mitarbeitervorsorgen sind zerschlagen – von unmittelbaren Arbeitsplätzen ganz zu schweigen.

Gabriel schwingt mit seinen wiederholten Attacken auf Eon und RWE die politische Abrissbirne tief hinein ins Ruhrgebiet. Seine Haftungsregeln durchkreuzen die Pläne der Stromriesen, sich durch Konzernspaltungen in neue Tätigkeitsfelder und eine grüne Energieversorgung vor zu bewegen. Er kettet sie statt dessen an die Kernkraftwerke, deren Betrieb er aber zwangsweise einstellen lässt. Das ist ungefähr so, als ob man einem vollbesetzten Flugzeug befiehlt, die Turbinenen sofort abzustellen, und den Passagieren zugleich verbietet, die Fallschirme zu benutzen.

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Der Atomausstieg belastet die Energieriesen enorm. Nun droht auch noch eine drastische Erhöhung ihrer Milliardenrückstellungen. Die Konzerne sind alarmiert: Denn die Folgen für Eon, RWE, Vattenfall und EnBW wären fatal.

Eon wollte sich eigentlich ganz auf die Energiewende konzentrieren, während die auf den Namen Uniper getaufte Abspaltung für die alte Energiewelt stehen sollte. Nun muss ausgerechnet die neue „grüne“ Eon die Atommeiler weiter betreiben – ohne sie noch lange betreiben zu dürfen. Kein Wunder also, dass der Eon-Aktienkurs fällt wie von einem Fausthieb Gabriels persönlich getroffen.

Damit zeigt die deutsche Energiewende ein weiteres Problem. Denn während ideologische Ökostrom-Missionare noch jubeln, nun habe man die Stromriesen in die Haftung genommen, dämmert der Politik, dass es sich längst um Zwerge handelt – und auf Energie-Deutschland zusehends Ungemach zukommt. Die Schulden der beiden Drangsalierten sind mittlerweile deutlich höher als ihre Marktkapitalisierungen. Gabriel wird mit seiner Rambostrategie am Ende auch noch den Rückbau der Kernkraftwerke aus Steuermitteln bezahlen müssen.

Die Mitglieder der Endlager-Kommission

Vorsitzende

Im Wechsel übernehmen Ursula Heinen-Esser (CDU) und Michael Müller (SPD) den Vorsitz.

Vertreter des Bundestags

Andreas Jung (CDU); Steffen Kanitz (CDU); Florian Oßner (CSU); Eckhard Pols (CDU); Matthias Miersch (SPD); Ute Vogt (SPD); Hubertus Zdebel (Linke); Sylvia Kotting-Uhl (Grüne).

Vertreter der Bundesländer

Wirtschaftsminister Garrelt Duin (NRW/SPD); Umweltminister Robert Habeck (Schleswig-Holstein/Grüne), Ministerpräsident Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt/CDU); Umweltminister Marcel Huber (Bayern/CSU); Energieminister Christian Pegel (Mecklenburg-Vorpommern/SPD); Ministerpräsident Stanislaw Tillich (Sachsen/CDU); Umweltminister Franz Untersteller (Baden-Württemberg/Grüne); Umweltminister Stefan Wenzel (Niedersachsen/Grüne).

Vertreter der Wissenschaft

Detlef Appel (Geologe); Hartmut Gaßner (Jurist); Armin Grunwald (Physiker); Ulrich Kleemann (Geologe); Wolfram Kudla (Bauingenieur; Boden- und Felsmechanik); Michael Sailer (Chemiker); Hubert Steinkemper (Jurist); Bruno Thomauske (Physiker).

Vertreter der Zivilgesellschaft

Klaus Brunsmeier (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland); Edeltraud Glänzer (Deutscher Gewerkschaftsbund); Ralf Güldner (Eon, Präsident des Atomforums); Gerd Jäger (Bundesverband der Deutschen Industrie); Ralf Meister (Evangelische Kirche); Georg Milbradt (Kommissariat der Deutschen Bischöfe); Erhard Ott (DGB); Jörg Sommer (Deutsche Umweltstiftung).

Spätestens mit dieser Woche ist nicht nur an der Börse klar geworden, dass die Bundesregierung dabei ist, RWE und Eon systematisch zu zerstören. Die Energieversorger und ihre Investoren kapitulieren vor den Irrungen und Zumutungen der deutschen Energiepolitik. Wer aber soll in Zukunft die milliardenschweren Investitionen in eine moderne Energieversorgung noch schultern? Wer gewährleistet eigentlich eine stabile Energieversorgung? Wo sammelt sich Kapital und Know-How, damit Deutschland im internationalen Energie-Wettbewerb überhaupt noch handlungsfähig ist? Eon und RWE sind dazu kaum mehr in der Lage. Beiden wurden ohne Entschädigung schlagartig die Atomkraftwerke abgeschaltet, Gaskraftwerke unrentabel gemacht und obendrein massive Sondersteuern aufgebürdet. Beiden wird eine faire Chance verweigert, die Milliarden-Investitionen der Vergangenheit auch zurück zu verdienen. Damit gefährdet Sigmar Gabriel eine langfristig planbare und wirtschaftliche Energieversorgung – die Basis wirtschaftlichen Erfolgs in Deutschland.

Kommentare (18)

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Herr Peter Noack

14.09.2015, 07:41 Uhr

Irrtum Herr Weimer!
Die Politik hat nicht 100 Milliarden Euro Börsenwert von Eon und RWE "vernichtet". Dieses Kapital wurde von den Anlegern nur anders alokalisiert. Die Anleger haben das Vertrauen in diese Versorger verloren. Warum denn wohl? Können Sie die Leser aufklären?

Herr Falk Jahr

14.09.2015, 08:18 Uhr

Ein sehr treffender Bericht! Wenn ich den Herrn Gabriel sehe packt mich immer ein Gefühl der tiefen Verachtung.

Herr Manfred Carter

14.09.2015, 09:05 Uhr

Der Artikel trifft voll zu bis auf einen Punkt: Nicht Herr Gabriel ist für das Desaster in erster Linie verantwortlich sondern seine Chefin. Weil Herr Weimer aber ein Fan von Frau Merkel ist, will er das nicht schreiben.

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