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03.01.2014

12:08 Uhr

What's right?

Hoch lebe Lettland!

VonWolfram Weimer

Lettland führt den Euro ein. Dabei steckte das Land vor fünf Jahren in einer Krise wie Griechenland. Heute ist es Wachstumseuropameister. Liberale Reformen zeigen ganz Europa, wie man vorankommen könnte.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Lettland ist in Europa so etwas wie das Anti-Griechenland. Seit Jahren verzeichnen die Letten das schnellste Wirtschaftswachstum, die sparsamste Politik, die dynamischste und offenste Volkswirtschaft. Der Lohn: Als 18. EU-Mitgliedsstaat hat das Land den Euro eingeführt, und zu Neujahr zog ein gut gelaunter Ministerpräsident Valdis Dombrovskis in Riga als erster Euro-Scheine aus einem Bankautomaten.

Dabei war Lettland vor fünf Jahren genau wie Griechenland am Abgrund. In den Krisenjahren 2008 und 2009 schrumpfte die Wirtschaft um mehr als ein Fünftel, die Löhne gingen um ein Drittel zurück, die Arbeitslosigkeit verdreifachte sich, Banken kollabierten, der Staat schien bankrott. "Die Situation war schlimmer als heute in Griechenland, Portugal oder Zypern", sagt der lettische Finanzminister Andris Vilks. "Wir steckten richtig tief drin im Schlamassel."

Doch anders als die Südeuropäer, die sich nur halbherzig reformieren, widerwillig sparen und sich lieber mit fremden Geldern durchmogeln, hat sich Lettland für eine selbstbewusste Rosskur entschieden. Die Regierung in Riga beschloss Austeritätsmaßnahmen, wie sie in Athen oder Lissabon niemand auch nur zu denken wagt: Der Staatshaushalt wurde ausgekehrt, der öffentliche Dienst dabei nahezu halbiert, der Arbeitsmarkt konsequent liberalisiert. Die Löhne der wenigen verbliebenen Staatsdiener wurden in mehreren Runden um bis zu 40 Prozent gekürzt. Schulen und Krankenhäuser schlossen, die Mehrwertsteuer wurde von 18 auf 21 Prozent heraufgesetzt.

Nur die Kürzung der ohnehin schmalen Renten stoppte das lettische Verfassungsgericht. Insgesamt aber strich die Regierung Staatsausgaben im Umfang von mehr als 15 Prozent der Wirtschaftsleistung – ein schmerzhafter Prozess, der freilich das ganze Land schlagartig gesunden ließ. Denn nun wächst die lettische Wirtschaft wieder solide und kräftig.

Kommentare (5)

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HofmannM

03.01.2014, 12:17 Uhr

Einen entscheidenten Nachteil hat es jedoch für Lettland, wenn dieses Land in die Euro-Währung als "Wachstumseuropameister" einsteigt. Der Wirtschaftserfolgt weckt Begehrlichkeiten bei den EURO-Banken-Schulden Ländern! Und dann heißt es Zahlemann und Söhne! Als Wirtschaftswachstumsmotor darf man IMMER Zahlen in einem EURO-Schulden-Banken-Länder System! Mit dem EURO gefangen mit dem EURO gehangen! Willkommen im Club Lettland!

BITTEkaufMICH

03.01.2014, 12:46 Uhr

weimer und seine marktgläubigen haben uns auch die spanier ,die iren und die griechen anfangs des 21 . jahrtausends als vorbilder empfohlen

weimer is eben der taube unter den blinden und sagt immer wieder seine von interessierter seite bezahlten lobliedchen auf

GerSchmidt

03.01.2014, 13:56 Uhr

Der Lat geht,
der neue Rubel kommt. Die UDSSR heißt nun EU (EUDSSR) Generalsekretär des Zentralkomitees gibt es auch. Der heißt gerade José Manuel Barroso und nennt sich Kommissionspräsident. Zurück in die Zukunft. Aus der Traum von Freiheit und Unabhängigkeit. Schade, ich war erst in Lettland, ihr ward so zuversichtlich, mutig, entschlossen. Nun wieder verkauft und verraten. Das Okkupationsmuseum könnt ihr dann in ein / zwei Generationen erweitern 2014-????.

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