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03.07.2015

12:03 Uhr

What's right?

Hoffentlich wählen sie Tsipras ab

VonWolfram Weimer

Premier Tsipras wollte besonders clever sein: Das Hauruck-Referendum sollte ihm den Rücken stärken. Tatsächlich brüskiert er damit die letzten Gutwilligen in Europa und stürzt sein Land in helle Not. Tsipras ist am Ende.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Die alte Bibelweisheit könnte an diesem Wochenende europäische Geschichte schreiben. Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat sich am Ende seines monatelangen Schuldenpokers gedacht, den Rest Europa mit einem grandiosen Taschenspielertrick endgültig über den Tisch zu ziehen.

Ein Hauruck-Referendum soll ihm den Rücken so weit stärken, damit er den Europäern selbst inakzeptable Zugeständnisse abpressen kann. Tsipras brüskiert damit nicht nur die letzten Gutwilligen in Europa, er stürzt sein Land in helle Not und schürt obendrein üble Ressentiments, um Stimmung gegen Europa (und insbesondere gegen Deutschland) zu machen. Er wollte der EU eine Grube des Plebiszits und Kollektiv-Crashs graben, doch nun droht er selber hinein zu fallen.

Das verlieren die Euro-Länder, wenn Griechenland pleitegeht

Deutschland

88,7 Milliarden Euro

Frankreich

67,9 Milliarden Euro

Italien

59,2 Milliarden Euro

Spanien

40,5 Milliarden Euro

Niederlande

19,3 Milliarden Euro

Belgien

11,9 Milliarden Euro

Österreich

9,4 Milliarden Euro

Finnland

6 Milliarden Euro

Portugal

4,5 Milliarden Euro

Slowakei

2,9 Milliarden Euro

Irland

2,7 Milliarden Euro

Slowenien

1,6 Milliarden Euro

Quellen

IWF, EU-Kommission, EFSF, ESM, EZB, Bank of Greece, Berechnungen des ifo Instituts.

Die erste Überraschung für den Grubenbauer bestand darin, dass die Weltfinanzmärkte völlig gelassen auf die Brandstiftung Athens reagiert haben. Tsipras hatte gehofft, dass die Börsen krachen und Europa aus schierer Angst vor Ansteckung, Domino-Effekten und Selbstschutz rasch einknicken und den Extremisten in Athen noch mehr Zugeständnisse machen würden. Das Gegenteil ist passiert.

Die Märkte haben vielmehr die neue Robustheit Europas demonstriert, und sie fänden es womöglich sogar besser, wenn Griechenland ganz aus dem Euro aussteigen würde. Dann wäre der Euro stabiler, die Euro-Zone hätte Prinzipien- und Stabilitätstreue bewiesen. Tsipras hat mit dieser Reaktion der Finanzmärkte sein zentrales Druckmittel zur Erpressung Europas schlagartig verloren.

Protest in Athen

Das fordern die Tsipras-Gegner

Protest in Athen: Das fordern die Tsipras-Gegner

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Die zweite Verblüffung der Grubensozialisten von Syriza bestand darin, dass die Gutmütigkeit Europas tatsächlich an ein Ende gekommen ist. Tsipras & Co. haben mit ihrem Elefantensyrtaki im EU-Porzellanladen so viel Vertrauen verspielt, dass außer beton-ideologischen Randgruppen (die deutsche Linkspartei zum Beispiel) niemand das Verhalten dieser Regierung mehr billigt. Vor allem weil sie auf Kosten der Schwachen im eigenen Land ein ideologisches Klassenkampfspiel inszeniert.

Kommentare (87)

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Herr x y

03.07.2015, 12:19 Uhr


"Hoffentlich wählen sie Tsipras ab" Lieber nicht, denn wer was kommt danach?

Tsipras und Varoufakis haben ihren Eid auf die griechische Verfassung geleistet. Da führt es nicht weiter, die Lage immer nur aus EU-Sicht nachzubeten und auf die beiden einzuhacken. Die halten das aus und werden die EU/€-Gruppe weiterhin am Nasenring durch die Manege führen, solange nicht Realitätssinn in Brüssel und Berlin einkehrt.

Herr Giannis Peissinger

03.07.2015, 12:23 Uhr

Ist diese Ueberschrift de Meinung des Handelsblatts?

Herr Giannis Peissinger

03.07.2015, 12:24 Uhr

Die Ueberschrift als solches verletzt jegliches Prinzip der fairen Berichterstattung.
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