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14.08.2015

14:37 Uhr

What's right?

Huch, das Ozonloch ist weg!

VonWolfram Weimer

Waldsterben und Ozonloch waren die ersten großen Angstmacher der Öko-Bewegung. Heute weiß man – der Wald stirbt nicht. Und nun verschwindet auch das Ozonloch. Es wird Zeit, Öko-Apokalypsen kritischer zu hinterfragen.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Den ersten Weltuntergang habe ich in Frankfurt überlebt. Als am Flughafen die Startbahn West gebaut wurde, da weinten Klassenkameradinnen in lila Latzhosen, weil Kerosin uns nun sicher die Luft zum Atmen nehmen würde. Linke Lehrer wussten zudem „hundertprozentig“, dass die Startbahn nur für Nachrüstungs-Amis und Nato gebaut werde, um den Dritten Weltkrieg anzuzetteln. Sie waren sich sicher, dass das Ende nah war. Ich war da eine Spur optimistischer.

Den zweiten Weltuntergang überlebte ich im Wald. Der sollte nämlich sterben. Diesmal waren sogar die Konservativen in meiner Kirchengemeinde überzeugt: „Erst stirbt der Wald und dann der Mensch!“ Der Regen sei sauer, das Schwefeldioxid tödlich, der Borkenkäfer im Anmarsch, der Schwarzwald schon kahl. Der Spiegel schrieb 1981, im Wald „tickt eine Zeitbombe“ und „wenn das so weitergeht, dann gnade uns Gott“, um schließlich sicher zu prognostizieren: „Die ersten großen Wälder werden schon in den nächsten fünf Jahren sterben. Sie sind nicht mehr zu retten.“ Waren sie doch, die Menschheit auch. Heute ist der Wald in Deutschland so gesund wie seit Generationen nicht mehr, seine Fläche wächst sogar, das Gegenteil der Apokalypse aus den Achtzigern ist eingetreten.

Der dritte Weltuntergang kam von oben. Über unseren Köpfen wurde ein Ozonloch gesichtet, das nun aber wirklich das Ende bedeutete, den „letzten Akt für das Leben auf diesem Planeten“. So ultimativ verkündete völlig ernsthaft Greenpeace 1992 die neue Bedrohung. Die Nasa brauchte Forschungsgelder und spielte im Ozonloch-Drama die starke Rolle des apokalyptischen Warners. Reporter berichteten aus Chile, dass Schafe bereits auf den Weiden erblindeten, dass Lachse gar unter Wasser ihr Augenlicht verlören und Bäume Mutanten-Knospen trieben. Diesmal war der Bösewicht nicht Kerosin oder Schwefeldioxid, sondern FCKW. Die unsichtbare Gefahr aus dem All bedrohte uns alle mindestens mit Hautkrebs und grauem Star, eigentlich aber mit dem Massentod im globalen Solarium. „Mit Millionen von zusätzlichen Toten“, rechnete das Worldwatch Institute in Washington. Ich rechnete eher nicht damit, schließlich hatte ich schon zwei andere Weltuntergänge überlebt.

Und es sollten mehr werden: Ob Tschernobyl oder Fukushima, ob Atomkrieg oder Vogelgrippe, ob Schweinegrippe oder BSE, ob Aids oder Ebola oder die Klimakatastrophe – immer wieder gab es jede Menge Leute, die vom Weltuntergang profitierten, obwohl der nie kam. Medien zum Beispiel haben ein professionelles Interesse am Alarmismus. Angst verkauft sich, also wird sie geschürt. Und so vermutet die mediale Panikmache hinter jedem Tropensturm das „Wetterchaos“, entlarvt jeden schwülen Sommertag als „Klimaschock“, jedes fiebrige Huhn als „Pestboten“.

Kommentare (19)

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Herr Peter Spiegel

14.08.2015, 14:49 Uhr

Wolfram Weimer@
Heute bin ich ganz auf Ihrer Seite, all den Öko-Mist habe ich auch überlebt.

Herr Marcel Europaeer

14.08.2015, 14:55 Uhr

Ich versuche mal, die Denkweise eines „Wertekonservativen“ nachzuvollziehen.

1. Ein ökologischer Vorgang, den wir ausgelöst haben, wird als Bedrohung eingestuft.
2. Man ist sich einig, etwas gegen diese Bedrohung zu unternehmen.
3. Die Maßnahme wirkt und die Bedrohung wird abgewendet
4. Der „Wertekonservative“ bestreitet, dass es diese Bedrohung je gegeben hat und schlägt vor, in Zukunft jede Warnung von Wissenschaftlern in den Wind zu schreiben und „es drauf ankommen zu lassen“

Ich werde es nicht darauf ankommen lassen und bin froh, dass ein „Wolfram Weimer“ keinen Einfluss auf politische Entscheidungen hat.

Herr Peter Noack

14.08.2015, 15:02 Uhr

Sehr richtig: "Es wird Zeit, Öko - Apokalypsen kritischer zu hinterfragen." Wer sollte das denn machen? Vielleicht Medien? Und warum macht ihr es dann nicht?
Aber bitte nicht so, das Ozonloch oder die Klimaerwärmung in Bausch und Bogen abzustreiten. Beides existiert wirklich und auch noch real, im Unterschied zu ideellen Vorstellungen. So wie es das Ozonloch gab, gibt es die Klimaerwärmung. Nur die Katastrophen bleiben jeweils aus. Vielleicht auch deshalb, weil die Menschen ihr Verhalten geändert haben? Auch das haben die Menschen immer schon getan, wenn es notwendig wurde.. Jetzt sind die Medien wieder dran!

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