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17.07.2015

13:12 Uhr

What's right?

Italien ist Griechenland in XXL

VonWolfram Weimer

Italien wackelt: Premier Renzi fiel Schäuble im Griechenland-Drama gar in den Rücken. Kein Wunder: Italien hat allein im ersten Halbjahr Schulden gemacht, die so hoch sind wie das gesamte neue Rettungspaket für Athen.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Es sind 8866 Euro, so viele Neuschulden macht Italien derzeit – und zwar jede Sekunde! Die Zahlen sind nicht bloß schlecht, sie sind dramatisch. Nach Angaben der italienischen Notenbank hat Italien alleine im Mai 23,4 Milliarden Euro neue Schulden aufgenommen.

Seit Jahresbeginn sind damit die Staatsschulden um sagenhafte 83,3 Milliarden Euro empor geschnellt, bis Ende Mai. Analysten erwarten, dass inzwischen die Marke von 100 Milliarden Euro Neuschulden fürs laufende Jahr klar überschritten ist. Damit hat Italien in einem Halbjahr mal eben das gesamte, neue Rettungspaket für Griechenland auf seinen eigenen Schuldenberg drauf gepackt. Und der ist inzwischen so gewaltig, dass dadurch die Stabilität der Euro-Zone langfristig mehr gefährdet werden könnte als durch Griechenlands Überschuldung.

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Wolfgang Schäuble sieht weitere Hilfskredite für Griechenland skeptisch – und gibt sich keinerlei Mühe, das zu verbergen. Diese Haltung bringt dem Finanzminister viel Unterstützung – doch er macht sich damit auch Feinde.

Italiens Schuldenberg ist auf 2.218,2 Milliarden Euro angestiegen. Das sind 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – mehr als doppelt so hoch als das Maastricht-Kriterium der Euro-Zone eigentlich erlaubt. Italien ist zusammen mit Griechenland das prozentual am höchsten verschuldete Land Europas. Nur, dass die absoluten Summen in Italien dramatisch viel größer sind.

Mit den neuen Zahlen entlarvt sich die Rhetorik der Regierung Renzi, die gerne von einer „Sparpolitik“ schwadroniert, als glatte Irreführung. Italien spart kein bisschen, es haut vielmehr die Schuldenmilliarden raus wie nie.
Das Schuldenmonopoly, das Rom derzeit betreibt, wird dadurch heikel, weil zugleich die Wirtschaft schwächelt und das Land unter schweren Strukturproblemen leidet. Italien sei ein kranker Mann, „the sickest man in Europa“, schreiben Analysten der Schweizer Großbank UBS.

Verglichen mit der Zeit vor dem Beginn der globalen Finanzkrise 2008 ist Italiens Industrieproduktion um ein Viertel gesunken. Das Pro-Kopf-Einkommen ist auf dem niedrigsten Niveau seit 1997, die Arbeitslosigkeit hat sich verdoppelt. Kurzum: Italien erleidet die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat eine lange Durststrecke ohne Wachstum in 14 aufeinanderfolgenden Quartalen ertragen, jetzt geht es minimal nach oben.

Doch der schwache Aufschwung wird wesentlich von EZB-Maßnahmen und Sondereffekten getragen – von niedrigen Zinsen, vom schwachen Euro, vom niedrigen Ölpreis. Dagegen kommt Rom bei den heiß umstrittenen Reformen nur mühsam voran. Renzis Arbeitsmarktreform war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch die Wettbewerbslage Italiens wird kaum besser.

Kommentare (68)

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Herr Marc Otto

17.07.2015, 13:19 Uhr

Kolonial-Zecken kennen weder anstand, noch haben sie ein Gewissen. Egal, was sie sagen, egal was sie tun, immer geht es ihnen nur darum, dass sie an der Blut der anderen kommen.

Account gelöscht!

17.07.2015, 13:22 Uhr

Ach...nicht nur Italien ist groß dabei, wenn es um das Schuldenmachen geht. Auch Frankreich, Spanien und selbst Irlang können schön und viel Schulden machen. Und in Zukunft kann jeder in der EURO Zone soviel Schuden machen und Reformen aufs Eis legen, wie er will......der deutsche Steuerzahler bürgt ja nicht nur dafür, sondern zahlt zum Schluss auch die Rechnung.
Dankt Schäuble und Merkel für diesen wertelosen grünsozialistischen EU-EURO Kurs.

Account gelöscht!

17.07.2015, 13:24 Uhr

@Marc Otto
Und das Grün-Sozialistische "Gutmenschen" Deutschland lässt sich auch immer so schön von diesen geldsaugenden Zecken aussaugen.

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