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12.12.2014

12:04 Uhr

What's right?

Kein Ludwig Erhard, nirgends!

VonWolfram Weimer

Die FDP ist verschwunden, der Wirtschaftsflügel der Union hat still zu sein. SPD, Grüne und Linke haben gar keine Marktwirtschaftler mehr. Wer vertritt eigentlich noch das Erbe von Ludwig Erhard?

Marktwirtschaftler haben es in Deutschland derzeit so schwer wie Frauenbeauftragte in Saudi-Arabien. Sie werden verschmäht, ignoriert, in die Wüste geschickt. In Baden-Baden und Bad Homburg sollen auf Alumni-Treffen der FDP noch welche gehört worden sein. Aber sonst herrscht in der Republik ordnungspolitisch das größte Schweigen seit 1945. Marktwirtschaftler haben einfach keine Stimme mehr.

Dabei gab es große Wirtschaftsexperten in allen Parteien. Die SPD hatte Strategen wie Karl Schiller, Unternehmer vom Schlage Philip Rosenthals oder den nun verstorbenen Bundesbanker Karl Otto Pöhl. Bei den Grünen hielten Oswald Metzger und Christine Scheel tapfer die Fahne der wirtschaftlichen Vernunft hoch.

Die FDP hatte Ordnungspolitiker gleich im Dutzend, wenngleich nur wenige vom Schlage Otto Graf Lambsdorffs. Und die Union war über Jahrzehnte hinweg stolz auf ihr marktwirtschaftlichen Kompetenzträger von Ludwig Erhard bis Friedrich Merz. Sie verankerten die Parteien im wirtschaftenden Bürgertum und damit im dynamischen Teil der Republik. Sie verschafften der Politik eine stabile Rückkopplung zur wahren wirtschaftlichen Lage der Nation. 

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Doch seit einiger Zeit sind alle Ordnungspolitiker verschwunden, weg wie Bienen im Winter. Die politische Klasse hat sich vollumfänglich ins kuschelige Mäntelchen der Verteilungspolitik gewandet. Sie übertrifft sich mit Sozialprogrammen und Rentengaben, mit Energieplänen und Mietpreis-Bremsen. Heutige Politiker spazieren allzu gerne wie Sugar-Daddys mit prallen Spendierhosen durchs Land und werfen Bonbons der Sozialwohltaten um sich.

Im Bundestag werden ordnungspolitische Fragen nunmehr unter der Frage diskutiert, wer am meisten auszugeben bereit ist. Und den Staat immer noch ein wenig größer und reglementierender zu machen. Wenn aber Berlin nur mehr damit befasst ist, wie man Geld ausgeben kann oder Energiekonzerne zerschlägt und neue Freiheitsschranken von Frauenquoten bis Mindestlöhnen erschafft, wer schaut dann noch danach, wie das Land das Geld eigentlich verdient, das da munter verteilt wird?

Kommentare (14)

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12.12.2014, 12:26 Uhr

Nachdem alle im Bundestag vertretenen oder weniger unverhohlen staatswirtschaftlich-sozialistische Politikmodelle vertreten - von der planwirtschaftlichen Energiepolitik bis hin zur Ausschaltung der Markwirtschaft in der Währungspolitik und zum immer weiteren Ausbau des Sozialstaates - ist die AfD heute die einzige Partei der sozialen Marktwirtschft.

Sie tritt dafür ein, daß es in Europa den höchst unterschiedlichen nationalen Volkswirtschaften wieder gestattet wird, ihr eigene, am Markt orientierte Währungspolitik zu betreiben. Sie tritt ein für die Streichung des sozialistisch-planwirtschaftlichen Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Damit verfolgt sie in den beiden wichtigsten wirtschftspolitischen Fragen der Gegenwart eineutig einen marktwirtschaftlichen Kurs, der sich klar vom sozialistischen Einheitsbrei der Bundestagsparteien abhebt.

Herr C. Falk

12.12.2014, 12:30 Uhr

Natürlich gibt es sie noch die Marktwirtschaftler, z.B.
Prof. Joachim Starbatty der Assistent bei Prof. Müller Armack war.

Starbatty ist Mitglied im Europaparlament und allerdings Mitglied der AfD, die regelmäßig auch hier im HB als populistisch bis rechtsradikal verunglimpft wird.

Die linke Sozialdemokratisierung der Gesellschaft ist so weit fortgeschritten, dass mit den primitivsten Mitteln, diejenigen, die sich für eine funktionierende solziale Marktwirtschaft nach den Prinzipien von Ludwig Erhardt stark machen pol. mit Nazikeulen mundtot gemacht werden.

Herr Arno Nym

12.12.2014, 12:35 Uhr

Mit den Folgen eines 70-jährigen Geldsystems und den damit verbundenen Schulden- und Zinslasten wäre auch Erhard nicht zurechtgekommen.

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