Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.10.2013

16:00 Uhr

What's right?

Obama trifft die Schuld(enkrise)

VonWolfram Weimer

Die Haushaltskrise in den USA wird hierzulande als ein politischer Amoklauf des konservativen Parlaments missverstanden. In Wahrheit trägt US-Präsident Obama die Verantwortung für eine eskalierende Staatsverschuldung.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

„Cowboys”, „Amokläufer”, „Extremisten”, „verrückte Neo-Cons” – jede Beschimpfung scheint passend für die republikanischen Parlamentarier, die sich Obamas Schuldenpolitik in den Weg stellen. Europas Medien haben sie als die Bösewichter ausgemacht und zeichnen den amerikanischen Haushaltsstreit in einem merkwürdigen Licht: eine ungestüme Tea-Party-Truppe wolle ihren Staat und hernach die ganze Weltwirtschaft in den Abgrund stürzen lassen, nur weil ihnen die neue Krankenversicherung des sozialen und gütigen Präsidenten nicht passe. Diese Perspektive auf die Krise ist nicht nur einseitig, sie ist richtig falsch.

In Wahrheit geht es nicht um wild gewordene Tea-Party-Politiker, sondern um eine wild gewordene Staatsverschuldung. Die Mehrheit des amerikanischen Kongresses will einfach nicht mehr mitmachen bei der eskalierenden Schuldenpolitik. Man sollte das Anliegen der Parlamentarier ernst nehmen, denn sie adressieren ein gefährliches Problem aller westlicher Staaten – dass die Kredittürme unserer Demokratien zu groß geworden sind und wanken. Der Kongress stoppt die amerikanische Staatsmaschinerie für ein paar Tage wie in einem demonstrativen Akt, dass dieser exzessive Schuldenstaat auch grundsätzlich gestoppt werden muss.

Die offizielle Verschuldung der USA ist auf sagenhafte 16,7 Billionen Dollar gestiegen. Damit hat sich Amerika in wenigen Jahren so stark verschuldet wie nie ein Staat zuvor in der Menschheitsgeschichte. Die Dimension der amerikanischen Schulden sprengt alle Kategorien der Vernunft wie des Vertrauens. An jedem einzelnen Tag machen die USA 3,5 Milliarden Dollar neue Schulden. Nur glühende Obama-Optimisten können hoffen, dass das dauerhaft gut gehen wird. Da auch niemand mehr ernsthaft an die Rückzahlung dieser unfassbaren Summen glaubt, begeben wir uns mit Amerika in eine gewagte Situation, bei der jeder davon ausgeht, dass es irgendwann einen Schuldencrash geben wird, aber alle so tun, als wäre das Problem nicht da. Das Parlament ist also nicht verrückt, es steht vielmehr gegen eine historische Verrücktheit auf.

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kunerth

11.10.2013, 17:10 Uhr

Sehr geehrter Herr Reimer,

Sie haben mit Ihrer Einschaetzung der Ueberschuldung sicher Recht, nur sind die Republikaner mit der Forderung in den Konflikt gegangen "Obamacare" zu veraendern, was Sie nicht koennen da Sie nicht ueber eine 2/3 Mehrheit im Senat verfuegen.
Der sogenannte Government Shutdown ist von langer Hand geplant.Siehe NYT Artikel: http://www.nytimes.com/2013/10/06/us/a-federal-budget-crisis-months-in-the-planning.html?smid=fb-share&_r=0

Nun stellen Sie sich vor die CDU wuerde unser oeffentliches Leben still legen weil Ihr ein Gesetz nicht passt das unter Kanzler Schroeder im Bundestag verabschiedet wurde und vom Bundesrat und Bundesverfassungsgericht bestaetigt wurde.
Was die Republikaner betreiben ist schlichtweg Erpressung auf Kosten des Volkes.
Eines der Hauptprobleme ist das Fehlen eines Konsenzmodells in den USA.Ich erlebe dieses "winner takes it all" Verhalten auch im Geschaeftsleben.
Nun ist Obama nicht unschuldig weil er genau die unsinnige und dumme Vorlage der Republikaner genutzt hat und diese eiskalt ausgeschlachtet hat.
Man kann nur hoffen das die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kraefte so viel Druck auf das Parlament und den Praesidenten ausueben das sie wieder zur gesinnung kommen und sich wie rationale Akteure verhandeln.

Meinungsdiktatur

11.10.2013, 17:30 Uhr

Diese Info könnte Klarheit über die einseitige Berichterstattung bringen:

Laut einer Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin sympathisiert die große Mehrheit der Journalisten mit Rot-Grün (vor allem mit den Grünen). Und nicht nur das: 32,5 Prozent der Befragten geben an, mit ihrer Arbeit "die politische Tagesordnung beeinflussen und Themen auf die Agenda setzen" zu wollen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie von 2005 (durchgeführt vom Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg).

curiosus_

11.10.2013, 17:31 Uhr

Ja und? Japan hat eine Staatsverschuldung von 245% des BIP. Und hat z.B. 2012 52% seines Staatshaushalts über neue Schulden finanziert. So what?

Entweder spinne ich oder das weltweite Finanzwesen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×