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22.05.2015

10:18 Uhr

What's right?

Privatisiert die Bahn!

VonWolfram Weimer

Die Bahn im Wahn: Der Tarifstreit bei der Bahn entlarvt überholte Strukturen eines vermachteten Staatsmonopolisten. Man sollte die Bahn endlich privatisieren und Deutschland für eine moderne Mobilität öffnen.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

BerlinDer groteske Tarifstreit der Bahn zerrt Deutschland nicht bloß an den Nerven, er kostet inzwischen 400 Millionen – und jede Menge Reputation. Nun soll ein eher schräges rot-rotes Schlichterpaar ran, um das Allerschlimmste zu verhindern.

In Wahrheit wird bloß der nächste Akt im Trauerdauerspiel „Bahn im Wahn“ aufgeführt. Denn es ist mittlerweile wie mit einem pathologischen Fall – die Symptome deuten auf eine schwerere Erkrankung hin. Die Bahn leidet an Machtsklerose und Monopolitis.

Gäbe es im Schienenverkehr einen offenen Markt, moderne, dezentrale Strukturen, Konkurrenz und mehrere Anbieter, dann wären wir den Weselskys dieser Welt nicht so ausgeliefert. Denn deren Macht lebt nur vom Monopolismus.

Ausgerechnet Deutschlands Lebensader der Mobilität zentral-planwirtschaftlich-autoritär zu organisieren und in die Hände politischer Machthändel zu legen, ist irgendetwas zwischen abstrus, fahrlässig und anachronistisch. Das ist in etwa so klug als ob man über staatliche Internetmonopole mit Web-Beamten E-Mails im Land nach Ministeriums-Fahrplan und Gewerkschaftserlaubnis verteilen würde.

Der historische Machtkampf der Bahn-Gewerkschaften ist ein Indiz dafür, dass der Quasi-Monopolist Bahn keine zeitgemäße Organisationsform mehr hat. Er bewegt sich träge, zentralistisch und behördenhaft wie ein sozialistisches Kombinat. Dabei wäre es so einfach, das Unternehmen aus dem organisatorischen Plattenbau der siebziger Jahre endlich ins 21. Jahrhundert zu befördern: mit einer Privatisierung.

Die Streiks der GDL

1. Warnstreik am 1. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Warnstreik am 6. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

1. regulärer Streik am 7. und 8. Oktober

Neun Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Streik am 15. und 16. Oktober

14 Stunden im Personen- und Güterverkehr.

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober

50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr.

4. Streik vom 6. bis 8. November

64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr.

5. Streik vom 21. bis 24. April

66 Stunden im Güterverkehr, Dienstag (15 Uhr) bis Freitag (9 Uhr) und 44 Stunden im Personenverkehr, Mittwoch (2 Uhr) bis Donnerstag (21 Uhr).

6. Streik vom 4. bis 10. Mai

Bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr

7. Streik vom 19. bis 21. Mai

Die GDL streikt zunächst, ohne einen Endpunkt zu nennen – einigt sich aber am 21. Mai mit der Bahn auf eine Schlichtung.

Am Beispiel der Lufthansa kann man gut nachvollziehen, wie segensreich so eine Privatisierung wirken kann. Die politische Linke und Gewerkschaften wetterten weiland zwar und sagten Apokalyptisches (vom sozialen Kahlschlag über Preiserhöhungen bis zu weniger Sicherheit, ja den unausweichlichen Ruin) voraus.

In Wahrheit passierte das genaue Gegenteil. Die Lufthansa konnte nur dank ihrer Privatisierung zu einer der erfolgreichsten und besten Airlines der Welt aufsteigen. Die Qualität des Fliegens ist für die Menschen gestiegen, das Angebot hat sich vervielfacht, die Preise sind durch Wettbewerb gesunken – selbst die Sicherheits-Standards sind seit der Privatisierung noch einmal verbessert worden.

Kommentare (23)

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Herr Marc Otto

22.05.2015, 10:26 Uhr

Die Bahn im Wahn: Der Tarifstreit bei der Bahn entlarvt überholte Strukturen eines vermachteten Staatsmonopolisten.
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Oje liebes Handelsblatt, hier hat sich ein Tippfehler eingeschlichen

ver-a-chteten müßte es heißen.

ein -m- zu viel

Danke

Herr Michael Schonger

22.05.2015, 10:31 Uhr

Ich bin hier gegenteiliger Meinung: Man hätte die Bahn niemals privatisieren sollen. Als reiner Staatsbetrieb mit Beamten hat er hervorragend funktioniert und es gab keine solche unglaublichen Streiks wie derzeit. Man darf sich nicht einbilden, dass ein Unternehmen, das dem Gemeinwohl dienen soll, rein marktwirtschaftlich und ohne Zuschüsse geführt werden kann. Es zeigt sich immer wieder, dass beim Schielen auf Wirtschaftlichkeit nur die Filetstücke bedient werden und die Kundenfreundlichkeit außen vor bleibt. Das ist jedenfalls meine langjährige Erfahrung mit vielen anderen Unternehmen, die privatisiert wurden.

Herr Axel Krueer

22.05.2015, 10:31 Uhr

Die Folgen einer Dreregulierung haben wir im Bankenbereich gesehen.
Gewinne werden privatisiert und Verluste auf die Bürger verteilt.
Güter und Dienstleistungen der öffentlichen Daseinsvorsorge ( Wasser, ÖPNV etc.)
sollten wirtschaftlich in öffentlicher Hand sein und bleiben.
Im Übrigen in dem Bereich wo die Bahn noch Beamte beschäftigt, also schwerpunktmäßig
im Westen diesem unseren Landes fuhr die Bahn auch während des Streiks.

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