Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.06.2014

15:09 Uhr

What's right?

Sigmar Gabriel spielt Kanzlerkandidat

VonWolfram Weimer

In der SPD beginnt die „Operation 2017”. Beim nächsten Mal soll Angela Merkel endlich geschlagen werden, und Sigmar Gabriel bereitet sich als Kanzlerkandidat strategisch vor. Doch er macht Fehler.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Sigmar Gabriel sucht staatsmännische Posen. Wie nie zuvor in seinem Leben macht er internationale Termine, mischt beim Europa-Personalpoker kräftig mit und wagt nun sogar einen Coup. Er trifft sich zum demonstrativen Sozialisten-Gipfel mit Francois Hollande (Frankreich), Matteo Renzi (Italien), Werner Faymann (Österreich) und Elio di Rupo (Belgien) – mit dem kleinen Unterschied, dass die alle schon Staats- oder Regierungschefs sind, Gabriel aber nicht. Weil er es aber unbedingt werden will, sucht er nicht mehr wie früher Juso- oder Gewerkschaftsrunden in spießigen Tagungshotels von Goslar, sondern die große Bühne der Staatschefs im glitzernden Élysée-Palast von Paris.

Der Sozialisten-Gipfel soll nicht nur dem angeschlagenen Wahlverlierer Martin Schulz doch noch in irgendein europäisches Spitzenamt hieven. Er ist als eine Gegenshow zur Bootsfahrt der bürgerlichen Regierungschefs an Pfingsten gedacht, als Angela Merkel auf nordischen Seen ihre Kollegen aus Großbritannien, Schweden und die Niederlande medienwirksam auf Kurs brachte. Die Fotos der bürgerlichen Bootsfahrt der Macht haben das Lager der Sozialisten offenbar so beindruckt, dass sie den Eindruck nun verwischen wollen, Merkel steuere das europäische Boot schon wohin sie will.

Damit Sigmar Gabriel nicht wie ein Leichtmatrose der Szenerie wirkt, soll er nun also in Paris den deutschen Kapitän mimen. Doch der SPD-Vorsitzende bekommt mit dem Sozialistengipfel ein Problem. Einerseits sieht es schlecht aus für seinen Genossen Schulz, in Europa überhaupt ein Kommissaramt zu ergattern – und Gabriel wirkt damit auch immer mehr wie der Wahlverlierer der Europawahl. Andererseits muss Gabriel für die Mitgliedschaft in dem erlauchten Linken-Club einen Preis zahlen – vor allem den Stabilitätspakt aufweichen.

Hollande und Renzi nutzen Gabriel geschickt als willfährige Waffe gegen Merkel und deren Stabilitätspolitik. Sie wollen Deutschlands Position von innen her aufbrechen, und Gabriel ist ihnen der nützliche Handlanger dabei. Wenn der Vizekanzler, Superminister und SPD-Chef vom Stabilitätskurs abweicht, dann würde Deutschlands Position in der Krisenpolitik massiv geschwächt. So die Hoffnung in Paris und Rom.

Gabriel spürt das Dilemma, hat zuerst der Hollande-Renzi-Fraktion das Wort geredet (Südeuropa brauche mehr Zeit für Reformen), und da die Reaktion in Deutschland heikel zu werden droht, relativiert er seine Position: Er wolle ja bloß mehr Zeit gewähren, um im Gegenzug umso mehr Verbindlichkeit bei den Reformen zu erhalten.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.06.2014, 17:43 Uhr

Wer erinnert sich nicht daran, dass die Sozen-Troika nach dem Wahlsieg von Hollande umgehend und gleich am nächsten Tag gen Paris pilgerte, um sich dort öffentlich und medienwirksam gegen Merkel zu verbrüdern. Ein Vorgeschmack auf die kommende EUSSR...

Hollande und seine Sozialisten haben Frankreich mittlerweile an den Rand des Abgrunds gebracht. Bravo! Mit Hilfe der Sozen-Troika aus der BRD! Bravo! Deshalb müssen Schröder, Gabriel usw. jetzt dringend Wahlhilfe leisten und für eine weitere Aufweichung der Stabilitätskriterien wettern, damit die Sozialisten in Frankreich und Europa weitere Wahlgeschenke machen können, natürlich auch das auf Kosten der deutschen Rentner, Sparer und Steuerzahler.

Auch hier: Linke Ideologie vor deutschen Interessen!

Es gilt nach wie vor: "Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!"

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×