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03.10.2014

11:21 Uhr

What's right?

Sigmar Gabriel vs. Ursula von der Leyen

VonWolfram Weimer

Die Verteidigungsministerin wird politisch attackiert wie noch nie. Jede fehlende Schraube eines Hubschraubers wird ihr plötzlich persönlich angelastet. Denn: Hinter den Kulissen hat der Kampf ums Kanzleramt begonnen.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Ursula von der Leyen war lange so etwas wie die Prinzessin der Berliner Republik. Eine Aura von elfenhafter Eleganz und gescheiter Unverbindlichkeit umgab sie. Sie hatte die diplomatische Gabe, unangenehme Dinge so zu verzaubern und klein zu streicheln, bis sie allen gefielen - und jedes ihrer Ämter schien bloß ein Flügeltüren-Durchgang so wie in einem Schloss, wo man von Salon zu Salon schreitet, ehe man endlich Königin geworden ist. 

Sie hat es nie anmelden müssen, doch ist sie seit einiger Zeit die gefühlte Kanzlerinnen-Nachfolgerin. Einen besseren Kandidaten hat die CDU einfach nicht. Würde Angela Merkel morgen ein Berliner Ziegelstein auf den Kopf fallen, wäre Schäuble zwar wahrscheinlich ihr Übergangsnachfolger. Doch die derzeitige Losung in der CDU „Je eher, desto Schäuble“ bedeutet auch, dass es später dann eben Ursula von der Leyen werden dürfte.

Bislang dachte man, dass dies die CSU und die (gekränkten) konservativen Bataillone in der Union vielleicht noch zu verhindern wissen. Oder dass Angela Merkel einfach weiter macht - auch nach 2017. Doch beides glauben in Berlin immer weniger.

Vor allem die SPD wähnt sich zur Einsicht gekommen, dass man für 2017 einen Post-Merkel-Wahlkampf zu erwarten habe. Und also beginnen die Sozialdemokraten die potentielle Kanzlerkandidatin der Union frühzeitig und systematisch zu attackieren.

Insbesondere Sigmar Gabriel, der mit einiger Wahrscheinlichkeit selber Kandidat der SPD werden wird, hat offen zum Angriff auf von der Leyen geblasen. Seit Wochen nutzt er jede Gelegenheit, seine potentielle Gegnerin offen bloß zu stellen.

Mit Blick auf die telegenen Auftritte der Verteidigungsministerin ranzt er im Schiffsschaukelbremser-Stil von Gerhard Schröder: Ursula von der Leyen würde wohl auch im Kopierraum des Ministeriums noch pathetisch in die Ferne schauen und sich dramatisch fotografieren lassen. Sie sei eine „Inszenierungsministerin“.

Das war böse, und das sollte böse sein. Gabriel wusste genau, was er mit der Frontalattacke auf seine Kabinettskollegen tat, denn er schmähte sie vor der versammelten SPD-Fraktion, und ließ hinterher die Süddeutsche Zeitung genau informieren. Da las man dann auch noch Gabrieles Finale: „Wenn ich am Kopierer stehe, guck ich runter auf das, was ich kopiere.“

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