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01.08.2014

11:38 Uhr

What's right?

Sozialisten haben Argentinien ruiniert

VonWolfram Weimer

Die argentinische Regierung schiebt die Schuld der Staatspleite auf „aasgeiernde“ Hedgefonds aus Amerika. Tatsächlich hat sich die sozialistische und korrupte Regierung Kirchner selber in die Krise manövriert.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Cristina Kirchner schimpft auf „Geierfonds“ (Fondos Buitre), wettert gegen die USA, tobt über den Weltkapitalismus. Sie versteigt sich gar zur Behauptung, Hedgefonds seien wie der Gaza-Krieg: „Das ist auch Gewalt. Die Finanzraketen kosten Leben.“ Dunkle Mächte der Wall Street seien für die Staatspleite Argentiniens verantwortlich. Die schillernde Präsidentin „malwinisiert“ mal wieder ein Problem – so nennen es die frustrierten Argentinier, wenn ihre Präsidentin Sündenböcke für eigene Fehler sucht. Auch bei den Malwinen (also den Falklandinseln) poltert Kirchner seit Jahren gegen Großbritannien, um nationalistische Emotionen zu schüren, anstatt sachlich Probleme zu lösen.

Elf Jahre lang haben die Staatspräsidentin Cristina Kirchner und ihr mittlerweile verstorbener Ehemann Néstor die argentinische Politik dominiert. In dieser Zeit hat das Ehepaar persönlich ein beachtliches Vermögen angehäuft, das Land allerdings rutscht immer weiter in die Krise. Mit einer vulgärsozialistischen Politik überziehen die Kirchners das Land, verstaatlichen willkürlich von Flugzeugherstellern bis zu Rentenfonds, führen Handelsrestriktionen ein und schanzen den linken Parteicliquen Aufträge zu. Inzwischen überzieht ein korruptes Netzwerk das Land und um das zu verbergen, wird eine anti-westliche Ideologie gepflegt, wie es die Links-Despoten in Kuba und Venezuela seit Jahren vormachen.

Kirchner hat sich systematisch von Europa und den USA abgewandt und die Nähe von Hugo Chávez ebenso gesucht wie die des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Dafür wurden Europäer und Amerikaner brüskiert, so etwa als man die gewaltigen Investitionen des spanischen Ölkonzerns Repsol kurzerhand verstaatlichte – das Investitionsklima für westliche Unternehmen wurde regelrecht vergiftet.

Das Entwestlichungskonzept wird wie weiland im Sowjetreich auch propagandistisch ausgelebt. So demontierte man die Kolumbusstatue hinter dem Präsidentenpalast, der „Casa Rosada“, und ersetzte sie durch ein aus Bolivien stammendes Guerillera-Standbild aus dem Unabhängigkeitskampf. Das linksnationalistische Programm führte sogar – George Orwell lässt grüßen – zur Schaffung eines eigenen Ministeriums „zur strategischen Koordinierung des nationalen Denkens“ (Secretaria de Coordinación Estratégica para el Pensamiento Nacional).

Wie in Venezuela werden kritische Medien regierungsamtlich attackiert, und stattdessen ein sozialistischer Heldenkult zelebriert. So lässt die Präsidentin scharenweise Bauwerke und Institution nach ihrem verstorbenen Mann und Vorgänger Néstor Kirchner benennen. Von Busterminals über Schwimmbäder und Sozialeinrichtungen bis zu Fußballplätzen.

Wie immer in sozialistischen Despotien kommt es dabei zu allerlei Grotesken. So darf die Turnhalle in Palpalá nicht einfach nur „Néstor Kirchner“ heißen, sondern „Olympisches Gemeindestadion Präsident Néstor Kirchner“. Ein Journalist der oppositionellen Zeitung Clarín macht sich mittlerweile den Spaß, im Internet unter „Benenne alles nach Nestor“ massenhaft Beispiele zusammenzutragen.

Der Kirchnersozialismus umfasst selbst Staatsunternehmen wie die Fluglinie Aerolineas Argentinas, die nach der Verstaatlichung in der Hand der kirchnerschen Parteijugendclique La Cámpora sind. Mitarbeiter zahlen einen Teil ihres Gehalts in die Parteikasse. Vor Großkundgebungen von Kirchners Parteiformation „Front für den Sieg“ ziehen Parteifunktionäre mit Essensgutscheinen durch die Elendsviertel und sammeln Teilnehmer mit Schulbussen ein. Zugleich durchsetzen Korruption und Klientelismus den sozialistischen Staatsapparat. So wird dem Vizepräsidenten vorgeworfen, sich mal eben persönlich an der Verstaatlichung einer Geldscheindruckerei zu bereichern.

Kommentare (10)

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Herr Josef Schmidt

01.08.2014, 11:53 Uhr

Die Raubkapitalisten werden auch irgendwann feststellen dass auf dem Bankcomputer gespeicherten mit viel Mühe gesammelten vielen Nullen und Einsen eines Tages in Luft auflösen. Dann werden sie feststellen dass alles nur eine schöne Illusion war.

Während die Anderen auf der Strasse singen, tanzen und lachen werden sie sich aus ihren gläsernen Türmen stürzen.

Frau Pia Paff

01.08.2014, 12:11 Uhr

Nix Raubkapitalisten. Das Volk respektive der kleine Mann ist faul ... die Regierung korrupt.
Jetzt wird das Land finanziell von Experten filetiert. Das ist gut so!

Herr Josef Schmidt

01.08.2014, 13:26 Uhr

Experten nennt man das heute. Interessant.

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