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05.12.2014

11:21 Uhr

What's right?

Und wer liefert künftig Strom?

VonWolfram Weimer

Der Rückzug von Eon aus der Energieerzeugung ist ein Fanal. Die Politik hat ihre planwirtschaftliche Energiewende rundherum vermasselt. Dabei geht es um mehr als nur um Kosten für AKW-Abrisse.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Arbeit der Großen Koalition ist finanzpolitisch vorbildlich, außenpolitisch konziliant, sozialpolitisch prassend, wettbewerbspolitisch inexistent, aber energiepolitisch ist sie katastrophal. Die deutsche Energiewende droht zum Desaster dieser Legislaturperiode zu werden, und die Ankündigung des Energiekonzerns Eon, sich aus der klassischen Energieerzeugung komplett zu verabschieden, ist dafür ein Fanal. Denn während naive Ökostrom-Missionare noch jubeln, dämmert der Politik, dass großes Ungemach auf Deutschland zukommt. Bislang denken Gabriel & Co. freilich bloß an die Kosten für den Abriss von Atomkraftwerken. Doch das eigentliche Problem hinter der Entscheidung ist viel größer. Es geht um Deutschlands Energieversorgung.

In Wahrheit ist der Rückzug Eons eine Kapitulation. Die Energieversorger geben vor den Irrungen und Zumutungen der deutschen Energiepolitik verzweifelt auf, weil ihnen die Politik die Räume so eng gemacht hat, dass sie darin ersticken. In der politischen Klasse herrschte zu lange der Eindruck, man könne Eon und RWE einfach ausquetschen wie Zitronen - nun bekommt man eine Ahnung, dass einfach kein Saft mehr da ist. Beide Konzerne haben jeweils mehr als 30 Milliarden Euro Schulden, beide haben gewaltige Investitionen schultern müssen, um in Deutschland eine stabile Energieversorgung zu gewährleisten. Beiden wurden über Nacht  Atomkraftwerke abgeschaltet, Gaskraftwerke unrentabel gemacht und Sondersteuern aufgebürdet. Ihnen wird die Chance, die Investitionen auch zurück zu verdienen, einfach aus der Hand geschlagen. Damit gefährdet die Politik eine langfristig planbare und wirtschaftliche Energieversorgung - die Basis wirtschaftlichen Erfolgs in Deutschland.

Berlin wollte - im Gegensatz zu nahezu allen anderen wichtigen Industriestaaten der Welt – nach dem Unglück von Fukushima so schnell es geht aus der Kernkraft aussteigen. Koste es, was es wolle. Nun kostet das erst einmal. Denn die einsame Energiewende der Deutschen ist bislang ein Kurzschluss.

Es versacken zig Milliarden in Subventionen alternativer, aber eben unrentabler Energien. Die Netze müssen mit weiteren Milliarden ausgebaut werden, was die Politik aber auch kaum durchsetzen kann. Die Versorgung wird zusehends labil und die Strompreise steigen so, dass ganze Industriebranchen in die Abwanderung getrieben werden. Die energie-intensive Industrie in Deutschland ist existenziell bedroht.

Kommentare (7)

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Herr John Harris

05.12.2014, 11:51 Uhr

Herr Weimer,

Sie sprechen mir aus der Seele.
Selbst unter der Annahme eines anthropogen beeinflussten Klimwandels ist der Aktionismus der Regierung auf dem Energiesektor nicht zu verstehen.

Einzige Hoffnung ist hier noch Brüssel. Wir bauen dann eben Ost-West statt Nord-Süden Leitungen und versorgen uns preiswert mit Elektrizität aus Frankreich und Tschechien.

Herr Peter Petersen

05.12.2014, 12:59 Uhr

Beide haben Mrd für die Atomforschung bekommen
Beide haben die Kosten für die Endlager verdrängt
Beide haben die Energiewende verpent
Beide haben hohe Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet
Beide haben im Ausland Mrd in den Sand gesetzt
RWE hat viele kommunen als Aktionäre
und hat Ex Politiker mit Posten versorgt

Manager werden dafür bezahlt die Zukunft zu gestallten und Ihre Unternehmen erfolgreich in eine sich verändernde zukunft zu führen. Dafür lassen sie sich gut bezahlen.

Wenn es nicht klappt sind andere Schuld.
Mit der Ennergiewende macht sich Deutschland unaphängig von Ennergie Importen.

Wo kommt die Ennergie her?
Russland / Naher osten
Wer finanziert den IS?
Die Aufrüsstung Russlands
Treibt mit seinen Käufen die Imobilien Preise
in Deutschland hoch, finanziert mit unseren Käufen von Oel?

Versager die ihren Job nicht können,
sollen durch so einen Kommentar geschützt werden. Wir sollten da mehr in die Zukunft denken, die mehr Kosten jetzt machen sich in 20-30 Jahren extrem bezahlt. Aber das ist nichts für Manager die nur bis zum Monatsende denken können

Account gelöscht!

05.12.2014, 13:00 Uhr

Die Kernkraft hat noch nie ein Problem in einer sicheren, zuverlässigen und kostengünstigen Stromversorgung dargestellt! Im Gegenteil...die Kernkraft ist das Rückgrat jeder industriebasierenden Wohlstandsgesellschaft.
Nur für unsere grünsozialistischen Ideologiepolitiker stellte die billige, sichere und zuverlässige Kernkraft ein Problem da. Weil die Kernkraft erst unseren industriebasierenden Wohlstand (Innovation/Forschung und Entwicklung im Kraftwerksbau und in andern technischen Branchen) richtig zur Blüte brachte.
Die Wirtschafts-Energie-Gesellschaft-Wohlstandsvernichter von der grünsozialistischen 68´er Front haben über ihre Angst-Lügen Medien-Politik ganze Arbeit, in Deutschland, geleistet.

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